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„Sie sagte leise: Ich brenne“

Mit Benzin angezündet „Sie sagte leise: Ich brenne“

Ein Mann soll seine 43-jährige Ehefrau mit Benzin übergossen und angezündet haben. Die Mutter von fünf Kindern erlag später den Folgen ihrer schweren Verletzungen Die Schwestern der Toten sagen nun am Dienstag vor Gericht aus. 

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Quelle: dpa

Lüneburg. Als die Frau in die Klinik eingeliefert wurde, war mehr als die Hälfte ihrer Haut verbrannt. Der linke Arm musste ihr amputiert werden, ihr Leben konnten die Mediziner trotzdem nicht retten. Die Mutter von fünf Kindern starb zwei Wochen, nachdem ihr Körper in Flammen gestanden hatte. Sie war 43 Jahre alt. Am Dienstag sollen die beiden Schwestern der Frau vor dem Landgericht Lüneburg aussagen. Angeklagt in dem Prozess ist ihr ehemaliger Schwager Sadun B. (36). Die Anklage wirft ihm Mord und schwere Brandstiftung vor.

Der Mann habe seine Frau mit Benzin überschüttet und angezündet, weil er sich ihrer habe entledigen wollen, sagt die Staatsanwaltschaft. Es war der 24. November 2015, als Sadun B. einen Benzinkanister in das Wohnzimmer des Einfamilienhauses in Bergen bei Celle getragen und über seiner in der Sofa-Ecke sitzenden Ehefrau ausgegossen haben soll. Anschließend, so die Anklage, habe er seine Frau in Flammen gesetzt, dann das Wohnzimmer verlassen und die Tür hinter sich zugezogen.

Was geschah mit der 43-Jährigen?

Im selben Augenblick fuhr ein guter Bekannter der Familie im Auto an dem Haus vorbei, wunderte sich über den Rauch hinter den Fenstern, wendete und stieg aus. „Da kam Sadun aus dem Haus gelaufen. Ich fragte ihn, was passiert sei, ob die Kinder und seine Frau im Haus seien. Er hatte Ruß im Gesicht, trug keine Schuhe. Seine Kleidung war sauber“, schilderte der 49-jährige Zeuge vor Gericht. Er selbst habe sich auf die Suche nach der Frau gemacht, sie schließlich in einem Seiteneingang des Hauses liegen sehen. „Auf Kurdisch sagte sie leise: Ich brenne.“ Ein Feuerwehrmann habe die Frau in den Hof ziehen können, dort versorgten Rettungssanitäter sie so lange, bis ein Hubschrauber sie in die Medizinische Hochschule Hannover brachte. Auch Sadun B. wurde noch vor Ort behandelt und kam anschließend in eine Klinik: ins Allgemeine Krankenhaus Celle. Haare und Augenbrauen waren angesengt, die Handrücken verbrannt.

Dort, in der Abteilung für plastische Chirurgie, vernahmen ihn Kriminalbeamte zum ersten Mal – allerdings als Zeugen, nicht als Verdächtigen. Als der Kommissar vor Gericht wiedergab, dass der Befragte ihm damals erzählte, er habe ein Bettlaken über seine Frau geworfen und damit versucht, das Feuer zu löschen, da schüttelte im Gerichtssaal eine Frau mit langen braunen Haaren ganz langsam ihren Kopf - so als wüsste sie es besser. Eine andere Frau schließt die Augen. Es sind die Schwestern der Toten. Sie treten als Nebenklägerinnen in dem Prozess auf, in dem vier Sachverständige und 22 Zeugen geladen sind. Auch der Kriminalkommissar aus Hannover machte vor Gericht deutlich, dass er den ersten Aussagen von Sadun B. keinen Glauben geschenkt habe. Doch bis zum Haftbefehl dauerte es bis zum 26. November. Sadun B. war da bereits verschwunden – die Ermittler nahmen ihn schließlich in Bielefeld fest, am 2. Dezember.

Der Angeklagte selbst äußerte sich am ersten Prozesstag nicht. Gegenüber Bekannten und der Polizei hatte er stets erzählt, er habe mit dem Benzin den Kamin sowie eine Zigarette anzünden wollen, dabei sei es zu einer Verpuffung gekommen, die Flammen seien auf seine Frau übergesprungen. Die fünf Kinder des Ehepaares, zwischen sieben und 17 Jahre alt, waren in der Schule, als das Drama zu Hause geschah.

Von Carolin George

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