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Der Norden Mit den Lamas durch die Heide
Nachrichten Der Norden Mit den Lamas durch die Heide
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00:17 21.12.2015
Von Gabriele Schulte
Lama-Trekking in der Lüneburger Heide.  Quelle: Jan Philipp Eberstein
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Amelinghausen

Wer mit wem loszieht, entscheiden die Lamas mit. „Die Chemie zwischen Mensch und Tier muss stimmen“, sagt Dietmar Preißler. Wenn ein Lama einen Wanderer nicht riechen könne, habe der wenig zu lachen. „Das Lama dreht sich dann weg, geht nicht ruhig mit.“ Ob zwei zusammenpassen, merke er schnell, ergänzt der 61-Jährige aus Amelinghausen (Kreis Lüneburg). 

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Landwirt Dietmar Preißler bietet in der Heide Lama-Trecking an.

Das diffuse Dämmerlicht und die Verlassenheit der hügeligen Heidelandschaft jetzt kurz vor Weihnachten können für die Wanderer ihren besonderen Reiz haben, und die Tiere sind unempfindlich. An diesem Nachmittag hat sich der Regen allerdings deutlich stärker durchgesetzt, als es die Wettervorhersage versprochen hatte. Beim Treffen zur zweistündigen Schnuppertour am Kronsberg in Amelinghausen gießt es in Strömen. Doch die angemeldete Gruppe - Jugendliche, die aus schwierigen Verhältnissen kommen und von der Familienhilfe betreut werden - will sich davon nicht abhalten lassen. Die fünf Jungen, zwei Mädchen und drei Betreuer aus dem benachbarten Heidekreis haben sich in wasserfeste Kapuzenjacken gehüllt - Schirme könnten die Lamas erschrecken.

Leute, die mit Preißler und seinen Lamas auf Tour gehen, tun dies aus verschiedenen Gründen: Eltern wollen ihren Kindern ein Erlebnis mit exotischen Tieren ermöglichen. Betriebsgruppen nutzen eine Tagestour als Gruppenerfahrung. Wieder andere Wanderer lassen die Lamas Zelte und Schlafsäcke tragen und genießen das Gefühl, wie Nomaden auf archaische Art unterwegs zu sein. Die Lamas haben weiche, leise Sohlen, die keine Wege zerstören. Deshalb dürfen sich die aus Südamerika stammenden Lasttiere sogar in Naturschutzgebieten bewegen, im Gegensatz zu Pferden und Eseln. Lamas werden auch gern zur Therapie eingesetzt. „Sie sind keine Schmusetiere“, stellt Preißler klar. Beim Versuch, sie zu streicheln, sollte man vorsichtig sein. Die Drohgebärde des Kopf-in-den-Nacken-Werfens ist ein Zeichen, dass gleich das berüchtigte Spucken folgen könnte. Doch in der Regel tragen die Tiere nur gegenseitig ihre Dominanzkämpfe so aus.

„Wenn die Zügel locker bleiben, stimmt die Chemie“, erläutert der Wanderführer. Den jungen Leute, die mit ihm an diesem Tag auf Trekkingtour gehen, hat er seine neun zotteligen, aber sauber gestriegelten Gesellen erst einmal vorgestellt: Pedro, den rebellischen Hengst, der auch mal aus der Reihe tanzt. Beppo, das Führungstier, das sich von Frauen nicht immer gern etwas sagen lässt. Rami, ein „gemütliches Tier, das am liebsten ganz hinten geht“. Der 15-jährige Henrik meldet sich: „Mit dem gehe ich.“ Der Kleinste, der achtjährige Pierre, schnappt sich gemeinsam mit einer Betreuerin das Halfter von Leon, dem kleinsten Lama. Die 14-jährige Pia, die schon Erfahrung mit Lamas hat, traut sich mit Führungstier Beppo an die Spitze. Dann zieht die Karawane gleichmäßigen Schrittes durch lichten Kiefernwald und offene Heideflächen. Gespräche zwischen einzelnen Jugendlichen drehen sich zunächst um Handys und Fernsehserien. Doch mit der Zeit wenden sich die Mädchen und Jungen den tierischen Begleitern zu. Es wird still.

Die Jugendlichen, die unter Aufmerksamkeitsstörungen, Computersucht oder einem Mangel an Selbstbewusstsein leiden, verlieren schnell die Scheu vor den Tieren. Und trotz des strömenden Regens ziehen am Ende alle eine positive Bilanz der vorweihnachtlichen Tour. „Alter, fühl mal das weiche Fell, das fühlt sich voll toll an“, ruft Jeremy (12), der anfangs Blondinenwitze gerissen hat. Marvin (13) fand die Runde „echt cool“.

Preißler fährt die Lamas zurück zur Weide, mit Galoppsprüngen hüpfen sie dort aus dem Hänger. Dann drängt Wallach Takko den Kontrahenten Leon plötzlich zur Seite, beginnt zu schnauben, fast wird doch noch gespuckt. „Auch mich hat es schon mal getroffen“, erzählt Preißler lachend, der Herr der neun Lamas. Seiner Liebe zu den eigenwilligen Tieren habe das keinen Abbruch getan. Von der ersten Begegnung vor sechs Jahren an hätten sie ihn in ihren Bann gezogen und dazu bewogen, sich mit den Trekking-Touren selbstständig zu machen und die Herde dann nach und nach durch Zukäufe aus einer Harzer Zucht zu erweitern. „Jedes Lama hat seine Persönlichkeit“, beteuert Preißler.

Über den Internetauftritt www.heide-lama-trekking.de bietet Dietmar Preißler die Touren für Gruppen sowie zu bestimmten Terminen für Einzelinteressierte an, ab drei Teilnehmern kommt eine Tour zustande. Für Erwachsene kostet eine zweistündige Schnuppertour 22 Euro, eine Vierstundentour mit Picknick 45 Euro, eine rund siebenstündige Tagestour auf einer etwa 15 Kilometer langen Runde 80 Euro inklusive Verpflegung. Kinder von 8 bis 14 Jahren zahlen die Hälfte, jüngere Kinder können als Begleiter kostenlos teilnehmen.

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