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Mordprozess um "Horror-Haus" von Höxter beginnt

Todesfälle Mordprozess um "Horror-Haus" von Höxter beginnt

Viele Jahre lang soll ein Paar alleinstehende Frauen mit Kleinanzeigen in ein Haus bei Höxter gelockt und dort misshandelt haben. Zwei der Frauen starben. In der nächsten Woche beginnt am Landgericht Paderborn die Aufarbeitung der Grausamkeiten.

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In dem "Horrorhaus" in Bosseborn bei Höxter wurden Frauen über viele Jahre gequält und misshandelt. Nun stehen die mutmaßlichen Täter vor Gericht.

Quelle: dpa

Höxter. Die Berichte über das "Horror-Haus von Höxter" schockten Deutschland: Es geht um einen der grausigsten Kriminalfälle der vergangenen Jahre. Ein geschiedenes Ehepaar soll mit Kontaktanzeigen Frauen in sein Haus in Ostwestfalen gelockt haben. Laut Anklage bauten die zwei Vertrauen auf und quälten die Opfer dann auf abscheuliche Art. Zwei Menschen überlebten das Martyrium nicht. Der Mordprozess beginnt am Mittwoch am Landgericht Paderborn. 

Eine Frau ist nach Angaben der Staatsanwaltschaft wochenlang in Höxter gefangen gehalten worden und schließlich an schweren Misshandlungen gestorben. Die Frau war den Ermittlungen zufolge durch eine Partnerschaftsanzeige in die Hände ihrer mutmaßlichen Peiniger geraten.

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Das Verfahren gegen die beiden Angeklagten - sie ist heute 47 Jahre alt, er ein Jahr jünger - füllt weit über 3000 Seiten. Dort steht, was jahrelang hinter den Wänden eines etwas schäbigen Gehöfts im kleinen Dorf Höxter-Bosseborn passiert sein soll. Beweismittel aus einer akribischen Spurensuche vor Ort sind beschrieben, Zeugenaussagen, ein Geständnis - all das soll das geschiedene Ehepaar Wilfried und Angelika W. des zweifachen Mordes durch Unterlassen überführen. Der Prozess wird mindestens bis Ende März laufen.

In dem sadistischen Spiel um Macht und Unterwerfung sollen den Opfern büschelweise Haare ausgerissen worden sein. Sie seien an Heizkörper gekettet, geschlagen und getreten worden, berichtete ein Ermittler, als die Misshandlungsfälle im Sommer aufflogen. Eine weitere Frau entkam, andere wurden zumindest bedroht, und so um Geld erleichtert, wie der ermittelnde Staatsanwalt Ralf Meyer schildert.

Es wird ein langer Prozess werden

Insgesamt gehen die Ermittler von mindestens acht Opfern aus, in weiteren Fällen laufen noch Ermittlungen. Untersucht werde derzeit auch der Vorwurf einer Vergewaltigung, bestätigt Meyer Informationen des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel". Die Frau soll im Jahr 2011 drei Wochen lang festgehalten, geschlagen und getreten worden sein.

Mit Spürhunden suchen die Ermittler an einer Landstraße nach Überresten der vermutlich zu Tode gequälten Annika F. aus Niedersachsen

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Die Tatvorwürfe zusammenzubringen, das Geschehen zu ordnen und zu bewerten, die umfassende Aussage der Angeklagten zu überprüfen - das lasse einen langwierigen Prozess erwarten, so ein Gerichtssprecher. "Wir haben es immerhin mit zwei Toten zu tun, bei denen eine Leiche fehlt. Und wir wissen nicht, wer sonst noch zu Schaden kam."

Aus der Aussage der Angeklagten bei der Polizei ist bekannt, dass das Paar den Körper einer 33-Jährigen, die durch Misshandlungen ums Leben gekommen sein soll, erst in die Tiefkühltruhe gesteckt, dann nach und nach zerstückelt und im Kamin verbrannt haben soll. Nach den am Straßenrand verstreuten Überresten suchten Polizeihunde vergeblich.

Nicht nur gefoltert, auch Geld abgenommen

Ein Jahr und knapp neun Monate später waren es eine Autopanne und eine tödlich verletzte 41-Jährige, die dem Schrecken ein Ende setzten. Die Frau aus Bad Gandersheim bei Hildesheim war durch wochenlange Misshandlungen so mitgenommen, dass das Paar sie im April 2016 zurück nach Niedersachsen bringen wollte. Unterwegs blieb dann das Auto liegen und sie entschieden sich, einen Notarzt zu rufen. Zwei Stunden später starb die Frau im Krankenhaus. Die Polizei wurde eingeschaltet - und stieß auf die Abgründe hinter dem Todesfall.

Monatelang war ermittelt worden. Die Polizei durchsuchte jeden Quadratzentimeter in dem Haus in Höxter, befragte Frauen, die sich nach Bekanntwerden des Falles als mutmaßliche Überlebende der Misshandlungen gemeldet hatten. Auch soll das angeklagte Paar manche Opfer nicht nur gefoltert, sondern auch um größere Summen gebracht haben. Die Sonderkommission war auf rund 100.000 Euro gestoßen, die die Tatverdächtigen von ihren Opfern erhalten haben sollen.

Vieles, was die Ermittler zu wissen glauben, stammt aus der Aussage der Angeklagten Angelika W.: Detailliert sagte sie aus, was sich in den dunklen Stunden in ihrem Haus abgespielt haben soll. Nach früheren Ermittlerangaben, hatte sie ausgesagt, den Frauen auf Befehl von Wilfried W. Schmerzen zugefügt zu haben. Sie soll ihm völlig hörig gewesen sein, sagte der damalige Chefermittler Ralf Östermann.

Wilfried W., der selbst einschlägig vorbestraft ist, weil er in den 1990er-Jahren seine damalige Ehefrau zusammen mit einer Komplizin misshandelte, schweigt gegenüber der Polizei. Sein Anwalt hatte jedoch in verschiedenen Medienberichten angekündigt, dass er sich vor Gericht einlassen werde. Sein Mandant bestreite, an der Folter der Frauen beteiligt gewesen zu sein, treibende Kraft sei Angelika W. gewesen. Dem Gericht steht ein mühsamer Weg bevor, die dunklen Geschehnisse im Horror-Haus ans Licht zu bringen.

dpa

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