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Motorradraser "Alpi" zu Haftstrafe verurteilt

Nach Todesfahrt Motorradraser "Alpi" zu Haftstrafe verurteilt

Im Prozess um einen tödlichen Motorradunfall in Bremen wurde der 24-jährige Angeklagte wegen fahrlässiger Tötung zu zwei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Das Landgericht Bremen blieb mit diesem Urteil deutlich unter der Forderung der Staatsanwaltschaft.

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Quelle: HAZ-Archiv

Bremen. Er liebte es, sein 200 PS-Motorrad extrem hoch zu beschleunigen und riskant zu überholen. Der 24-Jährige filmte seine Touren und stellte sie ins Internet. Mit den Mitschnitten erwarb der Student sich eine große Fangemeinde und verdiente damit sogar ein wenig Geld. Am 17. Juni 2016 war alles vorbei. Der Motorradfahrer raste in Bremen trotz Vollbremsung in einen 75-jährigen Fußgänger und tötete ihn. Die Staatsanwaltschaft wertete das zunächst als Mord, später als Totschlag. Das Landgericht Bremen sah das anders und verurteilte den Angeklagten gestern wegen fahrlässiger Tötung zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und neun Monaten.

In ihrer ungewöhnlichen Mordanklage war die Staatsanwaltschaft zunächst von „niedrigen Beweggründen“ ausgegangen: Der Angeklagte sei gerast, „um sich selbst einen Kick zu verschaffen“, sein Geltungsbedürfnis zu befriedigen und mit den Videos Geld zu verdienen. Nachdem ein psychiatrischer Gutachter zu anderen Schlüssen gekommen war, reduzierte der Staatsanwalt den Vorwurf auf Totschlag. Der junge Mann habe mit seinen Hochgeschwindigkeitsfahrten den Tod anderer „zumindest billigend in Kauf genommen“.

Jugendlicher Leichtsinn

Die Strafkammer kam dagegen zu dem Schluss, der Angeklagte sei zwar „rücksichtslos und verkehrswidrig gefahren“, aber ihm seien Menschenleben nicht egal. Bei seinen Touren habe er „in einer Art Allmachtsphantasie“ und in jugendlichem Leichtsinn immer darauf vertraut, alles im Griff zu haben. Zu schnelles Fahren sei zwar gefährlich, aber drücke nicht in erster Linie Gewalt gegen andere aus, sagte der Kammervorsitzende Jürgen Seifert. Er sagte allerdings auch: „Es muss klar sein, dass die PS-Protzerei auf unseren Straßen endlich mal ein Ende haben muss.“ Deshalb habe die Staatsanwaltschaft zu Recht die Frage nach Mord oder Totschlag auf den Prüfstand gestellt. Aber: „Wir sehen das in diesem Einzelfall nicht.“ Bei einem Rennen auf offener Straße käme man schon eher in den Bereich einer vorsätzlichen Tötung, so das Gericht.
Strafmildernd wirkte, dass der Fahrer selber schwer verletzt wurde und dass er tiefe Reue gezeigt habe. „Das wird ihn sein Leben lang begleiten.“ Außerdem liege ein gewisses Mitverschulden bei dem Fußgänger, der alkoholisiert bei Rot über die Straße gegangen war. Als strafverschärfend nannte das Gericht die „zum Teil halsbrecherischen Fahrten“, mit denen sich der Angeklagte auf Youtube gebrüstet habe. Bei der Todesfahrt versagte die Helmkamera vorzeitig. Sein Kanal „Alpi fährt“ hatte 80 000 Abonnenten.
Wegen fehlender Fluchtgefahr entließ die Kammer den Angeklagten nach sieben Monaten aus der Untersuchungshaft. Sein Führerschein wird für vier Jahre eingezogen. Der Kammervorsitzende sagte abschließend: „Über unser Urteil wird man diskutieren und streiten können.“ Alle Prozessbeteiligten können jetzt noch Revision zum Bundesgerichtshof einlegen.

Der Staatsanwalt hatte in seinem Plädoyer darauf hingewiesen, dass der Angeklagte mit bis zu 180 Stundenkilometern durch die Stadt und einmal mit 213 km/h auf einer Tempo-80-Strecke gerast sei. Als „gebildeter, intelligenter junger Mann“ habe er von dem „konkreten Tötungspotenzial“ seines Motorrades gewusst. Der Anwalt der Hinterbliebenen sagte, der Angeklagte habe „seinen Spaß über das Menschenleben gestellt“.

Angeklagter zeigt Reue

Die Verteidigung dagegen hatte den bedingten Tötungsvorsatz bestritten. Die Videoaufnahmen, bei denen er andere Verkehrsteilnehmer unflätigst beschimpft hatte, seien zwar teilweise erschütternd. Aber: „Der Angeklagte ist nicht das empathielose Monster“, wie man anhand der Youtube-Filme denken könnte. In seinem letzten Wort vor der Urteilsverkündung hatte der Angeklagte um Fassung gerungen. Er sagte, der Überfahrene sei für ihn „kein gesichtsloser Mensch“ und er würde ihn auch niemals vergessen“. Bereits am ersten Prozesstag Mitte Dezember hatte der Student versichert: „Wenn ich könnte, würde ich alles tun, um es rückgängig zu machen."  

Von Eckhard Stengel
 und Janet Binder  

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