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Mutter will Stadt und Polizei gewarnt haben

Missbrauchsfälle in Kiel Mutter will Stadt und Polizei gewarnt haben

Hätte der Missbrauch von zwei Kindern in Kiel verhindert werden können? Die Mutter des mutmaßlichen Täters drängte nach eigenen Angaben mehrfach darauf, dass ihr Sohn in eine Klinik eingewiesen wird.

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Schulfhof im Stadtteil Gaarden in Kiel: Ein 30-Jähriger soll ein siebenjähriges Mädchen sexuell schwer missbraucht haben.

Quelle: Lukas Schulze/dpa

Kiel. Nachdem die Polizei einen Mann festgenommen hat, weil er zwei Kinder sexuell missbraucht haben soll, erhebt die Mutter des mutmaßlichen Täters schwere Vorwürfe gegen Behörden und Ermittler.

Sie hätten ihre ausdrückliche Warnung vor der Gefährlichkeit ihres psychisch kranken Sohnes nicht ernst genommen und sie mit ihren Ängsten allein gelassen, behauptet die 50-Jährige den Kieler Nachrichten. "Ich habe überall gebeten, dass man ihn in eine psychiatrische Klinik einweist“, sagt die Mutter. Staatsanwaltschaft und Stadt weisen die Vorwürfe zurück.

Mutter: "Ich weiß, dass er krank ist"

Die Frau sagt, sie wolle mit ihrer öffentlichen Aussage "alle anderen Mütter über die Abläufe informieren und mich bei allen entschuldigen, denen mein Sohn Leid angetan hat". Über ihren Sohn sagt sie: "Ich weiß, dass er krank ist, aber das ist keine Entschuldigung." Ihr Sohn steht im Verdacht, am 6. Januar eine Fünfjährige und am 31. Januar eine Siebenjährige missbraucht zu haben. Gegen den Mann (30)  wurde Haftbefehl erlassen.

Nach Angaben der Mutter stammt die Familie aus Turkmenistan und lebt seit 1998 in Deutschland. Alle haben die deutsche Staatsbürgerschaft. Der Sohn haben einen Hauptschulabschluss und anschließend eine Lehre als Bäckereifachverkäufer gemacht. Er habe eine Ukrainerin geheiratet und mit ihr zwei Kinder bekommen - zwei Jungen. Sie sind heute vier und fünf Jahre alt und besuchen den Awo-Kindergarten in Gaarden.

Stationäre Behandlung 2014

Doch in der jungen Ehe habe es bald gekriselt, berichtet die Mutter  Die Trennung von der Frau, die ihn mit den Kindern 2013 verließ, habe der Sohn nicht verkraftet, schildert die 50-Jährige. 2014 habe sie dann erstmals Kontakt mit dem Sozialpsychiatrischen Dienst im Gesundheitsamt der Stadt Kiel gehabt und um die Aufnahme des Sohnes in eine Klinik gebeten. Die städtische Sachbearbeiterin habe sie unterstützt und die Unterbringung organisiert.

Nach der stationären Behandlung sollte der Sohn offenbar weiter Medikamente nehmen. Im November 2015 habe sie aber erfahren, dass er abgesetzt habe, allen Ermahnungen zum Trotz, erzählt die Mutter weiter. Sie habe mit Sorge beobachtet, dass sich der Gesundheitszustand des jungen Mannes zunehmend verschlechtert.

Frau wandte sich an die Stadt

Einen Tag vor dem ersten Kindesmissbrauch habe sie dann das Gesundheitsamt über ihre Sorgen informiert, sagt sie. Daraufhin habe das Amt den Sohn schriftlich zu einem Termin am 11. Januar eingeladen, er sei aber nicht erschienen, sondern sie. Zudem habe sie mehrere Telefonate mit der Sachbearbeiterin geführt.

Am 8. Januar will die Frau die Zentrale für Integrative Psychiatrie angerufen haben, eine Einrichtung der Uni-Klinik Schleswig-Holstein. "Er ist nicht normal. Nehmen Sie ihn bitte stationär auf, er ist gefährlich", habe sie am Telefon gesagt. Dies habe man dort aber abgelehnt.

Mutter will auch die Polizei gewarnt haben

Am 17. Januar hat die Mutter nach eigenen Angaben auch die Kriminalpolizei darum gebeten, dass ihr Sohn in eine psychiatrische Klinik eingewiesen werde. Sie habe Angst um ihn, aber auch Angst, dass er anderen etwas antun könne, will sie gesagt haben. Ihr sei aber erklärt worden, dass die Polizei diese Einweisung nicht vornehmen könne, dass der Patient dort schon freiwillig hingehen müsse.

Die Stadt bestätigt, dass sich die Frau hilfesuchend an sie gewandt habe. "Die Mutter wurde zuletzt im Januar vorstellig, dabei ging es allein um ihre Sorgen um das Leben ihres Sohnes", sagt Stadtsprecher Arne Gloy. Die 50-jährige Mutter behauptet allerdings, explizit auf die Gefahr für andere hingewiesen zu haben.

Staatsanwalt bestätigt Kontakt

Die Kieler Polizei ließ eine schriftliche Anfrage unbeantwortet – anders als die Staatsanwaltschaft. "Wir können bestätigen, dass die Mutter Kontakt zur Polizei hatte", sagt der Kieler Oberstaatsanwalt Axel Bieler. Am 18. Januar habe seine Behörde dadurch Kenntnis von der psychischen Erkrankung des 30-Jährigen erhalten. "Die Mutter äußerte, dass sie Angst um ihren Sohn habe und dieser seine Medikamente nicht mehr einnehmen würde", so Bieler.

Die Polizei habe nach dem Übergriff auf die Fünfjährige versucht, einen Haftbefehl gegen den Verdächtigen erwirken zu lassen, "doch es gab keinerlei Anhaltspunkte, die auf eine drohende Wiederholungsgefahr oder pädophile Tendenzen hätten schließen lassen", sagt der Ermittler. Auch die Mutter sagt, sie habe nichts von der pädophilen Neigung gewusst.

Dass sich die Lage in der Nachschau anders darstelle, sei "besonders tragisch", sagt Bieler. Juristisch habe es aber keine Alternative gegeben. Auch das Zentrum für Integrative Psychiatrie (ZIP) in Kiel bestätigte, man habe im Januar Kontakt mit der Mutter gehabt.

Von Bastian Modrow und Christian Longardt

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