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Der Norden Nach Massenrausch: Anklage gegen Heilpraktiker
Nachrichten Der Norden Nach Massenrausch: Anklage gegen Heilpraktiker
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18:14 02.09.2016
160 Einsatzkräfte waren an diesem Tag im Einsatz um das Leben der Seminarteilnehmer zu retten. Quelle: dpa
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Handeloh

„Die Untersuchungen sind noch nicht abgeschlossen“, sagt Oberstaatsanwalt Kai Thomas Breas in Stade. „Wir haben bis zum 31. August eine Stellungnahme der Verteidiger der Beschuldigten erwartet“, so Breas am Freitag. „Diese ist allerdings nicht eingegangen, sodass beabsichtigt ist, in den nächsten Wochen Anklage zu erheben.“

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In einem Tagungszentrum erleiden 29 Menschen eine Drogen-Vergiftung. Sie sollen das verbotene "Aquarust" selbst genommen haben. Sie litten unter Wahnvorstellungen, Krämpfen, Schmerzen, Luftnot und Herzrasen, wie ein Sprecher der Feuerwehr sagte.

Im Fokus stünden die beiden Organisatoren des Seminars – dabei soll es sich um eine Heilpraktikerin und einen Psychologe aus der Region Aachen handeln – sowie zwei Helfer. Die Ermittlungsverfahren gegen die übrigen 25 Teilnehmer waren eingestellt worden. „Sie haben damals die Droge nach unseren Erkenntnissen nur zum sofortigen Konsum erhalten“, sagt Breas.

Mit Wahnvorstellungen, Atemnot und Herzrasen waren die Betroffenen damals in verschiedene Krankenhäuser der Umgebung gebracht worden. Erst herrschte Rätselraten über die Ursachen, auch eine Lebensmittelvergiftung kam für die Behörden im Kreis Harburg infrage.

Doch dann stellt sich heraus: Offenbar konsumierten die Betroffenen Drogen. In zwei Kapseln wird die verbotene Psychodroge 2C-E nachgewiesen. Ein Drogenexperiment soll es gewesen sein, möglicherweise mit Sekten-Hintergrund. Die beiden Organisatoren befassen sich auch mit der sogenannten Psycholyse. Dabei soll mit Hilfe von Drogen eine Art Bewusstseinserweiterung erreicht werden. Bei Durchsuchungen im Kreis Harburg und im Raum Aachen sei Beweismaterial sichergestellt worden, meldeten die Ermittler wenige Tage später.

„Das waren Heilpraktiker, Ärzte, Homöopathen und Psychologen“, sagte die Geschäftsführerin des Tagungszentrums drei Wochen nach dem Vorfall, noch immer fassungslos. „Ich bin froh, dass alle überlebt haben.“ Der Veranstalter habe nur die Räume gemietet, betonte sie, für die Inhalte des Seminars sei sie nicht zuständig.

Medienberichten zufolge ist der Organisator ein enger Vertrauter des umstrittenen Schweizer Therapeuten Samuel Widmer. Kritiker halten dessen Kirschblütengemeinschaft für eine Sekte. Auf deren Internetseite wehrt sich die Gruppe gegen mögliche Zusammenhänge mit dem Treffen in Handeloh.

„Ein möglicher Sektenhintergrund ist nicht Gegenstand der Ermittlungen“, sagt Staatsanwalt Breas. „Im Gesamtkontext könnte ein Einsatz der Drogen zu therapeutischen Zwecken, etwa im Rahmen einer sogenannten Psycholyse, allerdings Berücksichtigung finden.“

Peer Körner

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