Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Der Norden Schulleiter macht Polizei Vorwürfe
Nachrichten Der Norden Schulleiter macht Polizei Vorwürfe
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
23:25 03.02.2016
Nach ersten Erkenntnissen soll der Mann das spielende Mädchen am Sonntagvormittag auf einem Schulhof angesprochen und unter einem Vorwand in seine Wohnung gelockt haben. Quelle: Lukas Schulze/dpa
Anzeige
Kiel

Die Schule sei erst am Dienstag von der Mutter des Opfers informiert worden, sagte Michael Breyer, Leiter der Hans-Christian-Andersen-Schule in Kiel. "Von offizieller Seite kam nichts." Nach bisherigen Erkenntnissen war das siebenjährige Mädchen am Sonntag vom Schulhof von einem Mann verschleppt und schwer missbraucht worden.

Zur Galerie
Entsetzen in Kiel: Ein 30-Jähriger soll im Stadtteil Gaarden ein siebenjähriges Mädchen auf dem Schulhof angesprochen, in seine Wohnung gelockt und dort sexuell schwer missbraucht haben. Auch im Falle eines missbrauchten fünfjährigen Mädchen Anfang Januar wird der Mann verdächtigt.

Die Polizei nahm daraufhin einen Mann fest, dem auch der Missbrauch einer Fünfjährigen am 6. Januar vorgeworfen wird. Nach diesem ersten Vorfall hätte die Polizei die nahe gelegene Schule nicht informiert, kritisiert der Schulleiter der Hans-Christian-Andersen-Schule aus dem Stadtteil Gaarden. Sonst hätten die Lehrer das Thema, nicht mit Unbekannten mitzugehen, im Unterricht auffrischen können, sagte Breyer. Alle wären wachsamer gewesen.

Mutmaßlicher Täter schweigt

Die Kieler Polizei wies die Vorwürfe am Mittwoch zurück. Es habe keinen Anlass gegeben, die Öffentlichkeit einzuschalten, sagte Polizeisprecher Mathias Arends. Seine Kollege ermitteln weiter unter Hochdruck gegen den in beiden Fällen Missbrauchsfällen tatverdächtigen Mann.

Die Beamten wollen den Tatverdächtigen nun weiter vernehmen. Bislang hat er sich nicht zur Tat eingelassen. Außerdem sollen mögliche Zeugen befragt werden. Ein Haftrichter hatte am Dienstag Haftbefehl wegen schweren sexuellen Missbrauchs in zwei Fällen gegen den Mann erlassen. Seitdem sitzt der Tatverdächtige in Untersuchungshaft. 

Ein Gutachter soll nun klären, ob eine psychische Erkrankung vorliegt. Dann würde er in einer psychiatrischen Einrichtung untergebracht werden.

dpa

Fragen und Antworten zum Fall

Warum war der Mann nach dem ersten Übergriff so lange auf freiem Fuß?
Am 6. Januar wandte sich ein fünfjähriges Mädchen in einem Kieler Kindergarten an einen Betreuer und berichtete ihm von einem Übergriff. Bereits damals rückte der 30-Jährige ins Visier der Ermittler. Die Angaben des Mädchens waren laut Staatsanwaltschaft zunächst aber nicht konkret. "Es gab Probleme bei der örtlichen und personellen Zuordnung der Tat", sagt der Kieler Oberstaatsanwalt Axel Bieler. Bei einer späteren Anhörung des Mädchens bei der Polizei ließen sich aber alle Widersprüche aufklären. Die Tat konnte dem Mann zugerechnet werden. "Zum damaligen Zeitpunkt haben wir jedoch keine Haftgründe gesehen, weil die Person strafrechtlich bislang noch nicht in Erscheinung getreten ist - jedenfalls nicht wegen Gewaltdelikten oder einer Sexualstraftat", sagt Bieler.

Warum hat die Kieler Polizei die Eltern nicht gewarnt?
Weil der Mann sehr schnell nach dem ersten Übergriff als Tatverdächtiger galt, sah die Polizei nach eigenem Bekunden keinen Grund, sich mit einem Aufruf an die Öffentlichkeit zu wenden. Die Polizei sieht sich aber mit Vorwürfen konfrontiert. Nun betont sie, der Mann sei binnen 48 Stunden nach dem Fall vom Sonntag, als das siebenjährige Mädchen auf einem Schulhof angesprochen worden war, in Haft gekommen. "Das ist ein unglaublicher Erfolg für die Ermittler", sagt Polizeisprecher Matthias Arends.

Ist der Schulhof sonntags öffentlich zugänglich?
Der Schulhof wird von Kindern auch an Wochenenden als Spielplatz genutzt.

Ist der Tatverdächtige für weitere Missbrauchsfälle verantwortlich?
Die Ermittler rechnen dem Mann derzeit nur diese beiden Fälle zu. "Zum gegenwärtigen Zeitpunkt gehen wir davon aus, dass der Mann für keine weiteren Taten infrage kommt", sagt Polizeisprecher Arends.

Wie hat der Täter die Mädchen angesprochen?
Der Mann hatte eine Puppe in der Hand, als er am Sonntagvormittag zwei Mädchen auf dem Schulhof ansprach. Die Siebenjährige lockte er dann nach bisherigen Erkenntnissen der Ermittler unter einem Vorwand in seine Wohnung. Das andere Mädchen folgte ihm jedoch nicht.

Warum spricht die Staatsanwaltschaft von schwerem sexuellen Missbrauch und nicht von Vergewaltigung?
Das ist eine juristische Einordnung. Der Haftbefehl lautet auf schweren sexuellen Missbrauch in zwei Fällen. Nach Angaben der Kieler Staatsanwaltschaft ist auf die beiden kleinen Mädchen "nicht gewaltsam eingewirkt worden, um die Tat zu begehen". Sie sollen von dem Mann demnach zuvor auch nicht bedroht worden sein.

Was passiert mit dem Mann nun?
Das Amtsgericht Kiel hat angeordnet, dass ein Gutachter die Schuldfähigkeit des Mannes prüfen soll. Laut Staatsanwaltschaft gibt es Hinweise auf eine psychische Erkrankung. Sollte sich dieser Verdacht bestätigen, würde der Kieler in eine forensische Einrichtung gebracht werden. Bislang ist er in einer Justizvollzugsanstalt untergebracht.

dpa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Ein 14 Jahre alter Junge heimlich den Wagen seiner Mutter ausgeliehen - und wurde in einer Polizeikontrolle erwischt. Doch damit nicht genug - als er fliehen wollte, rammte er leider den Polizeiwagen.

03.02.2016

Kriminelle haben in Oldenburg mit einer massiven Detonation einen Geldautomaten gesprengt. An der Filiale der Oldenburgischen Landesbank entstand erheblicher Sachschaden, wie die Polizei am Mittwoch mitteilte.

03.02.2016

Nach Sturmwarnungen hat Hamburg am Dienstagabend eine Sturmflut erreicht und Teile des Fischmarktes in St. Pauli unter Wasser gesetzt. Schuld daran ist Orkantief Norkys, das seit dem Wochenende für unterschiedlich starke Winde in Norddeutschland sorgt.

03.02.2016
Anzeige