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Überfälle auf Geldtransporter führen zu RAF-Mitgliedern

Bremen und Wolfsburg Überfälle auf Geldtransporter führen zu RAF-Mitgliedern

Am helllichten Tag überfallen Maskierte mit vorgehaltener Panzerfaust und Schnellfeuergewehren Geldtransporter, müssen aber ohne Beute flüchten. Nun stellt sich heraus: Es waren wohl untergetauchte RAF-Terroristen.

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Die RAF hatte sich 1998 für aufgelöst erklärt. Nun tauchen Spuren der Terrorgruppe bei einem recht aktuellen Raubüberfall wieder auf.

Quelle: Archiv/picture-alliance

Stuhr. Nach Jahrzehnten im Untergrund haben drei gesuchte Linksterroristen der Roten Armee Fraktion frische Spuren hinterlassen: Höchstwahrscheinlich hat das Trio im Juni und zuletzt Ende Dezember schwer bewaffnet zwei Geldtransporter in Niedersachsen überfallen. Dies teilte die Staatsanwaltschaft Verden am Dienstag mit. Nach den missglückten Überfällen in Stuhr bei Bremen und in Wolfsburg fanden Ermittler die genetische Spuren der untergetauchten Terroristen Daniela Klette (57), Ernst-Volker Wilhelm Staub (61) und Burkhard Garweg (47).

Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe erklärte, sie sehe "keinen terroristischen Bezug" der Überfälle. Die Ermittler in Verden und auch der RAF-Experte Butz Peters gehen vielmehr davon aus, dass die Terroristen mit der Beute ihr Leben im Untergrund finanzieren wollten.

Alle drei waren laut Bundesanwaltschaft unter anderem 1993 an dem Sprengstoffanschlag auf den Gefängnis-Neubau in Weiterstadt in Hessen beteiligt. Auch damals wurden ihre DNA-Spuren gefunden.

Mehr als zwei Jahrzehnte lang war die RAF der Inbegriff von Terror und Mord. 1998 erklärte sie sich für aufgelöst. Ihrem "bewaffneten Kampf" gegen das "imperialistische System" fielen Dutzende zum Opfer, darunter hohe Repräsentanten von Wirtschaft und Politik. Einige Mitglieder stehen bis heute auf der Fahndungsliste des Bundeskriminalamts (BKA).

Bei dem Überfall in Stuhr hatten drei Maskierte den gepanzerten Geldtransporter am helllichten Tag mit einem VW-Bulli blockiert und mit einem Schnellfeuergewehr auf den Transporter geschossen - in dem eine Million Euro lagen. Die Tätern gelangten aber nicht ins Auto und flüchteten ohne Beute. Nach dem Überfall wurden DNA-Spuren entdeckt, die dem Trio zugeordnet wurden.

In Wolfsburg hatten die Täter den Beifahrer des Geldtransporters außerhalb des Fahrzeugs abgefangen und mit einer Pistole bedroht. Der Fahrer flüchtete aber überraschend mit dem Transporter vom Tatort, einem großen Supermarkt in Nordsteimke. Die Räuber gingen leer aus.

Laut NDR wurden Spuren der drei RAF-Mitglieder auch nach einem Überfall 1999 in Duisburg auf einen Geldtransporter entdeckt, der nach ähnlichem Muster verlief. Damals erbeuteten sie gut eine Million D-Mark. RAF-Experte Peters, der mehrere Bücher über die RAF verfasst hat, sagte der Deutschen Presse-Agentur, das Geld sei wohl mittlerweile aufgebraucht.

Vorläufer der RAF war die nach dem Kaufhaus-Brandstifter Andreas Baader und der Journalistin Ulrike Meinhof benannte Baader-Meinhof-Gruppe. Diese "erste Generation" richtete ihre Gewalttaten bis 1972 vor allem auf US-Einrichtungen. Als der "harte Kern" hinter Gittern saß, machte die "zweite Generation" weiter.

Danach formierte sich eine "dritte Generation" der RAF mit einer namentlich kaum bekannten "Kommando-Ebene". Auf ihr Konto sollen mehrere Morde gehen - etwa an dem MTU-Vorstandschef Ernst Zimmermann (1985), dem Siemens-Manager Karl Heinz Beckurts (1986), dem Bonner Spitzendiplomaten Gerold von Braunmühl (1986), Deutsche-Bank-Chef Alfred Herrhausen (1989) und Treuhand-Chef Detlev Karsten Rohwedder (1991). Bis heute wissen die Ermittler nicht, wer die Täter waren.

dpa

Das ist die RAF

Die Rote Armee Fraktion ist eine linksextremistische Terrorgruppe in Deutschland, die seit Anfang der siebziger Jahre mehr als 30 Menschen getötet hat. Berühmt wurde der "Deutsche Herbst" 1977, als die in Stuttgart-Stammheim inhaftierten Terroristen Andreas Baader, Ulrike Meinhoff, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe mit der Entführung des Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer und der Entführung der Lufthansa-Maschine "Landshut" freigepresst werden sollten. Als dies misslang und das Flugzeug gestürmt wurde, begannen die Häftlinge Selbstmord.

Dies war allerdings nicht das Ende der RAF: Spätere Generationen verübten weitere Anschläge. Eines der letzten Opfer war der damaligen Treuhand-Präsident Detlef-Karsten Rohwedder, der 1991 erschossen wurde.

1998 erklärte die RAF ihre Selbstauflösung.

sbü

 

"Es dürfte so eine Art Altersvorsorge gewesen sein"

Nach dem Raubüberfall auf einen Geldtransporter in Niedersachsen führen die Spuren zu früheren Mitgliedern der linken Terrorgruppe Rote Armee Fraktion (RAF). Die genetischen Fingerabdrücke von Daniela Klette, Ernst-Volker Wilhelm Staub und Burkhard Garweg wurden gesichert. RAF-Experte Butz Peters glaubt im Interview aber nicht, dass nun neue politisch motivierte Anschläge bevorstehen.

Was hat dieser Raubüberfall zu bedeuten?

Früher vor Anschlägen gab es immer eine Beschaffungsphase. Da hat die RAF Banken überfallen, konspirative Wohnungen angemietet, sich Autos beschafft für die Anschläge. Als typisches Vorlaufverhalten für politische Anschläge dürfte dieser Raubüberfall jetzt so gut wie ausgeschlossen sein. Also, dass jetzt eine vierte Generation losmarschieren will, glaube ich nicht.

Also ging es bei dem Raubüberfall in erster Linie um Geld?

Es dürfte so eine Art Altersvorsorge gewesen sein. Es gab ja 1999 den Überfall in Duisburg - von der Ausführung her ganz ähnlich wie auch jetzt, mit großkalibrigen Schusswaffen. Alles deutete damals darauf hin, dass es sich um eine Art Altersvorsorge für mindestens drei ehemalige RAF-Mitglieder handelte. Wer viele Jahre im Untergrund gelebt hat, der kann halt in keine Rentenversicherung einzahlen oder sich Ähnliches aufbauen. Und wenn sie davon ausgehen, dass die Beute bei dem Überfall damals etwas über eine Million Deutsche Mark war - dann ist das heute aufgebraucht, wenn da mehrere Leute von leben wollen.

Wie leben denn die untergetauchten Ex-Terroristen?

Das ist ein riesengroßes Rätsel - praktisch das größte Rätsel, das die dritte Generation der RAF hinterlassen hat. Das sind die, die 1984 in den Untergrund gegangen sind und 1998 ihre Auflösung erklärt haben. Von ihnen hat man ja praktisch überhaupt nichts gefunden. Keine konspirative Wohnung, ganz, ganz wenige Autos nur - also man weiß nicht, wie diese dritte Generation gelebt hat. Wie Klette, Staub und Garweg jetzt leben und sich die Waffen beschafft haben, kann ich auch nicht genau sagen. Aber es war nie ein Problem für RAF-Mitglieder, an scharfe Waffen heranzukommen. Einiges wurde mit gefälschten Papieren besonders gern in der Schweiz gekauft, anderes stammt aus dem Ausland. Und auch Überfälle auf Waffengeschäfte hat es nicht wenige gegeben.

dpa

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Die drei nach Überfällen auf Geldtransporter in Wolfsburg und Groß Mackenstedt bei Bremen gesuchten RAF-Terroristen halten sich nach Angaben der Ermittler möglicherweise in Norddeutschland versteckt.

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