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Nach dem Brandanschlag Jetzt erst recht

Der Brandanschlag hat Salzhemmendorf verunsichert, doch wollen die Bürger den Flüchtlingen helfen, sagt Bürgermeister Clemens Pommerening. Landrat Tjark Bartels hat einen Brief an Ministerpräsident und Bundeskanzlerin geschrieben.

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„Wir gehen unseren Weg weiter“, sagt Bürgermeister Clemens Pommerening (Bild oben) nach dem Anschlag auf die Flüchtlingsunterkunft (unten). Fotos: Gurol (3)

Salzhemmendorf. Gitta Diedrichs und ihr Mann Rolf sind aus Bad Pyrmont nach Salzhemmendorf gekommen. Die Nachricht vom Anschlag auf die Flüchtlingsunterkunft vor einer Woche, bei der ein 24-jähriger Feuerwehrmann mit einem 30-Jährigen und einer 23 Jahre alten Frau einen Molotowcocktail in das Haus geschleudert hatte, hat sie entsetzt. Mit Schokoladentafeln, verpackt in eine blaue Plastiktüte, sind sie in die Gemeinde gefahren. Doch sie wollen nicht nur ein paar Kleinigkeiten für die Kinder der Flüchtlingsfamilien vorbeibringen, sondern auch Hilfe anbieten. „Diese Leute sollen nicht vor verschlossenen Türen stehen, sondern man muss auch mit ihnen persönlich reden“, sagt Gitta Diedrichs.

Das Ehepaar steht stellvertretend für die Welle der Hilfsbereitschaft, die den Flüchtlingen im Ort nach dem Angriff zuteil wird. „Wir sind fast überrollt worden“, sagt Bürgermeister Clemens Pommerening. Die Bevölkerung im Flecken Salzhemmendorf hat sich klar positioniert. Nicht nur mit der Demonstration gegen Fremdenhass, bei der 2000 Menschen noch am Abend des Anschlags Solidarität und Toleranz gegenüber den Flüchtlingen zeigten. Seit einer Woche gibt es auch zahlreiche Sachspenden, sogar Kinder hätten Selbstgebasteltes verkauft, um Geld für die Flüchtlinge zu sammeln, so Pommerening. „Viele haben gesagt: jetzt erst recht“, meint der Bürgermeister. Auch Landrat Tjark Bartels gibt sich zupackend. „In Hameln-Pyrmont haben wir Platz genug. Jeder Einzelne, der bei uns dauerhaft bleibt, macht uns stark“, schreibt er in einem Brief an Kanzlerin Angela Merkel und Ministerpräsident Stephan Weil.

Dennoch: Der Brand in der Nacht hat seine Spuren hinterlassen - nicht nur äußerlich am Gebäude. Ein weißes Brett verdeckt mittlerweile das Fenster, durch das der Molotowcocktail in die Unterkunft der Flüchtlinge flog. Ali Khan wohnt mit seiner Frau und den gemeinsamen beiden Kindern in einer der Wohnungen. „In der Nacht schlafe ich nicht“, sagt er. Angst, ja die habe er. Einmal ist er nachts aufgewacht - Benzingeruch lag in der Luft, die Erinnerung an den Anschlag kam wieder hoch. Doch es stellte sich heraus, dass ein Auto vor der Tür lediglich eine Fehlzündung hatte.

Seit acht Monaten wohnen die Khans in Salzhemmendorf. Bisher hätten sie dort keine Anfeindungen erlebt. Der Anschlag kam für sie völlig unerwartet. Und jetzt werden Khan und seine Angehörigen auch wieder an die Erlebnisse aus ihrer Heimat Pakistan erinnert. Der Familienvater erzählt davon, wie ein Bekannter mit dem Auto auf einer Hauptstraße unterwegs war - und dort von maskierten Menschen auf einem Motorrad erschossen wurde. Natürlich wisse er, dass die meisten Menschen ihnen freundlich gegenüberstünden, sagt er. Oft würden sie von Bewohnern der Gemeinde gegrüßt, die sie gar nicht kennen würden.

Aber: „Jeder kann kommen und gehen“, sagt er, „wir können nicht sofort sehen, wer unser Freund ist und wer nicht.“ Dass man den Menschen nicht in die Köpfe gucken kann, haben auch viele der Anwohner in Salzhemmendorf in den vergangenen Tagen erkannt. Sie zeigen sich betroffen von dem fremdenfeindlichen Vorfall. Und auch, dass einer der Täter Mitglied der Feuerwehr ist, löst bei vielen Kopfschütteln aus. Mit vielen Aktionen sei die Feuerwehr eine treibende Kraft in der Ortsgemeinschaft, sagt Bürgermeister Pommerening. Oft habe er in den vergangenen Tagen versucht zu erklären, dass das rechte Gedankengut nicht bei den Kameraden etabliert ist. „Aber wie will man erklären, dass etwas nicht ist?“ Wenn die ehrenamtliche Arbeit nichts mehr wert sei und „alles auf ein paar Facebook-Klicks reduziert“ würde, dann sei man natürlich geknickt. Dennoch ist sich der Bürgermeister auch nach einer Woche sicher: „Jubelrufe für die Brandstifter gibt es in der Gemeinde keine.“

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