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Der Norden Rothirsche beißen zu viele Bäume im Harz kaputt
Nachrichten Der Norden Rothirsche beißen zu viele Bäume im Harz kaputt
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07:03 09.02.2018
Im Nationalpark Harz sollen mehr Rothirsche abgeschossen werden. Quelle: Swen Pförtner
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St. Andreasberg

  Immer mehr Rothirsche verursachen im Nationalpark Harz durch zerbissene junge Bäume irreparable Waldschäden. Deshalb sollen künftig mehr Tiere geschossen werden. Für die kommende Jagdsaison sei geplant, knapp 900 Tiere zu erlegen, sagte die zuständige Fachbereichsleiterin der Nationalparkverwaltung, Sabine Bauling der Deutschen Presse-Agentur. Im laufenden Jagdjahr, dass Ende März zu Ende geht, wurden rund 740 Tiere geschossen, 50 mehr als im Vorjahr.

Auch rund um den Nationalpark nehme der Rotwildbestand im Harz seit Jahren zu, sagte der Sprecher der Niedersächsischen Landesforsten, Michael Rudolph. Dies gelte für Reviere sowohl in Niedersachsen als auch in Sachsen-Anhalt und Thüringen. „Exakte Zahlen zum Gesamtbestand gibt es zwar nicht“, sagte Rudolph. Auch weil Rotwild viel wandere. Nach Schätzungen des Rotwildringes lebten im vergangenen Frühjahr aber allein im niedersächsischen Teil des Harzes etwa 6500 Tiere. Dies sind knapp doppelt so viele Tiere wie vor 25 Jahren.

Dass die Zahl der Tiere steige, lasse sich auch aus der Jagdstrecke schließen, sagte Florian Rölfing von der niedersächsischen Landesjägerschaft: Die Zahl der erlegten Tiere steige – mit Schwankungen - seit Jahren nicht nur im Harz, sondern auch in anderen Regionen um durchschnittlich knapp zwei Prozent pro Jahr.

Die Nationalparkverwaltung nennt mehrere Gründe für den wachsenden Rotwildbestand: „Die Tiere finden auf den landwirtschaftlichen Nutzflächen sehr viel energiereiche Nahrung“, sagte Wildtier-Expertin Bauling. Und wenn - wie zuletzt durch „Friederike“ - Stürme in den Wäldern größere Kahlflächen verursachten, wüchsen dort hinterher viele nahrhafte Kräuter. Hinzu kämen die vergleichsweise milden Winter, sagte Bauling: „Sie führen dazu, dass die natürliche Auslese nicht mehr funktioniert und auch schwächere Tiere hohe Überlebenschancen haben.“

Für den Nationalpark sei der wachsende Rotwildbestand ein zunehmendes Problem, sagte Bauling. Da die Wälder mittelfristig zu Urwäldern fortentwickelt werden sollen, werden in den früher von Fichten bestandenen mittleren und unteren Lagen seit Jahren mit großem Aufwand Laubbäume gepflanzt. Rotwild frisst zwar Gräser, Kräuter, Früchte, Flechten, Moos, Blätter und Knospen. Doch es schält auch gerne die Rinde junger Bäume ab. Und weil es zu viel Rotwild gebe, hätten viele der eigens gepflanzten Stämme kaum eine Überlebenschance, sagte Bauling.

Ein 2017 durchgeführtes sogenanntes Schäl- und Verbiss-Monitoring habe gezeigt, dass die Schäden noch größer seien als bei der vorangegangenen Erhebung im Jahr 2015, sagte Bauling. Schälstellen seien Einfallstore für Pilze und andere Fäulniserreger, die die Stämme schädigen oder ganz zum Absterben bringen.

Dies gehöre im Prinzip zwar zum Wald, sagte Bauling. „Aber wenn es überhand nimmt, so dass die natürliche Waldentwicklung gestört wird, ist es ein Problem.“ Es verhindere, dass die Bäume im Nationalpark, wie eigentlich geplant, dick und alt werden und bis zu ihrem natürlichen Ende weiterwachsen können. Zur „Sicherung der naturnahen Entwicklung“, so schriebt die Nationalpark in seinem offiziellen Tätigkeitsbericht 2017, müsse „die Regulation der Wildbestände“ deshalb intensiviert werden. Das heißt: Mehr Jagd auf die Tiere.

Von dpa

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