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Neue Gedenktafel für türkische Holocaust-Opfer in Bergen-Belsen

Gedenkstätte Neue Gedenktafel für türkische Holocaust-Opfer in Bergen-Belsen

In der Gedenkstätte Bergen-Belsen erinnert seit Sonntag eine neue Tafel an das Schicksal der türkischen Holocaust-Opfer. Die meisten der 126 Häftlinge, die in den zugigen Baracken hausen mussten, waren Juden, aber auch zwei Muslime waren darunter.

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Gemeinsames Gedenken an die türkischen Holocaust-Opfer: Sozialministerin Aygül Özkan und Botschafter Hüseyin Avni Karslioglu (Mitte).

Quelle: Dimi Anastassakis

Bergen-Belsen. „In Bergen-Belsen erinnere ich mich vor allem an den Hunger“, erzählt Mosé Dana. „Und an die Kälte denke ich, wir haben den ganzen Winter nur gefroren.“ Der damals erst 14-jährige Mosé ist einer von Dutzenden türkischen Juden, die 1944 ins Konzentrationslager Bergen-Belsen verschleppt werden. Tagsüber müssen die Erwachsenen arbeiten, erzählt er, nachts frieren alle in den zugigen Schlafbaracken. „Wir dachten nicht, dass wir befreit würden, wir waren hoffnungslos.“

Ohne die engagierten Recherchen der deutschen Türkei-Expertin Corry Guttstadt, die Mosé Dana 2005 in Mailand interviewt hat, wäre wenig über das Schicksal jener mindestens 126 Türken bekannt, darunter nur zwei Muslime, die von den insgesamt mehr als 3000 türkischen Holocaust-Opfern in Bergen-Belsen gefangen waren.

Und ohne das Engagement des türkischen Botschafters in Berlin, Hüseyin Avni Karslioglu, sowie des türkischen Generalkonsuls in Hannover, Tunca Özcuhadar, wäre es wohl nicht zu jener Ehrung gekommen, die seit gestern in der Gedenkstätte Bergen-Belsen zu sehen ist. „Zum Gedenken an alle jüdischen und nicht jüdischen türkischen Staatsbürger, die in Bergen-Belsen ermordet wurden“, heißt es auf der neuen Tafel vor dem Obelisken in der Gedenkstätte Bergen-Belsen. Und davor waren am Sonntag nacheinander hebräische, türkische und dann deutsche Worte des Gedenkens von Vertretern der drei Weltreligionen zu hören.

„Wir wollen damit ein Zeichen setzen, dass wir die Opfer nicht vergessen“, sagte Botschafter Karslioglu. „Denn die Vergangenheit lehrt uns, was passieren kann, wenn man sich Missständen nicht rechtzeitig widersetzt.“ Die Vorgänge seien aber auch eine Mahnung für Gegenwart und Zukunft.

Dabei hat die Türkei während der Nazi-Zeit gerade mit Blick auf die Juden eine besondere Rolle gespielt. Während Flüchtlinge aus Nazi-Deutschland in vielen Ländern nur schwer Aufnahme fanden, halfen türkische Spitzendiplomaten vielerorts nicht nur türkischen Staatsbürgern jüdischen Glaubens, sondern oft auch deren nicht türkischen Verwandten.

Das war vor allem in den Kriegsjahren wichtig, in denen Juden auch aus dem von Deutschland besetzten Europa in die Vernichtungslager deportiert wurden. Aber die 1923 gegründete türkische Republik hatte schon 1933 jüdischen Flüchtlingen offengestanden.

Die moderne Türkei stand damit überdies in der Tradition des Osmanischen Reiches. „Es war schon seit der spanischen Inquisition zum Aufnahmeland für verfolgte Juden geworden“, erinnerte David Altaras als Vertreter der türkisch-jüdischen Gemeinde Istanbul bei der Veranstaltung.

Nach Bergen-Belsen deportiert wurden die meisten türkischen Staatsbürger als sogenannte Austauschhäftlinge. Die Nazis wollten sie zum Austausch einsetzen - beispielsweise gegen sogenannte „Palästinadeutsche“ aus dem bereits von alliierten Truppen besetzten Palästina. Aufgrund eines Übereinkommens zwischen Deutschland und der Türkei konnten 105 türkische Staatsbürger am 4. März 1945 Bergen-Belsen verlassen. „So haben die Nazis Menschen zu bloßer Verfügungsmasse gemacht“, konstatierte Niedersachsens Sozialministerin Aygül Özkan, betonte aber auch, dass der türkische Pass lebensrettend sein konnte.

„Für seine Offenheit gegenüber Juden habe ich das Osmanische Reich immer geschätzt“, sagte David Grojnowski von der Jüdischen Gemeinde Hannover. Botschafter Karslioglu betonte: „Zivilcourage sollte nicht nur als Heldentat hervorragen - sie muss zur Normalität werden.“

Daniel Alexander Schacht

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