Volltextsuche über das Angebot:

1 ° / -6 ° wolkig

Navigation:
Einbrecher mögen schlecht gesicherte Wohnungen

Neue Polizeistudie Einbrecher mögen schlecht gesicherte Wohnungen

Der erste Blick kann entscheidend sein. Sind die Fenster alt und einfach verglast? Sieht das Türschloss aus, als sei es leicht zu knacken? Solche Äußerlichkeiten spielen für die Wahrscheinlichkeit eines Wohnungseinbruchs eine entscheidende Rolle, wie eine neue Polizeistudie zeigt.

Voriger Artikel
„Es erwischt sie eiskalt“
Nächster Artikel
Tochter erwürgt pflegebedüftige Mutter

Alte Fenster? Einbrecher suchen bevorzugt Wohnungen auf, die nicht gut gesichert sind. Foto: dpa

Quelle: Daniel Maurer

Osnabrück. "Natürlich ist die augenscheinliche Einschätzung begrenzt“, sagte am Donnerstag Marco Ellermann von der Polizeidirektion Osnabrück, die die Studie zusammen mit dem Landeskriminalamt (LKA) erstellt hat. Aber dieser erste Eindruck könne auf den Täter bereits eine abschreckende oder anziehende Wirkung haben. Wie hoch die zu erwartende Beute ist, spiele dagegen keine entscheidende Rolle.

Seit Juli hat eine Forschungsgruppe unter Leitung des LKA-Kriminologen Alexander Gluba 200 Wohnungen in Stadt und Landkreis Osnabrück sehr genau in Augenschein genommen - stellvertretend für andere urbane und ländliche Regionen in Niedersachsen. In die Häuser war in den meisten Fällen einmal, in einigen mehrfach eingebrochen worden - teilweise kurz nacheinander. Wie die gerade abgeschlossene Untersuchung zeigt, ist die Frage nach den zuvor getroffenen Sicherungsvorkehrungen zentral. „Schon einfache technische Maßnahmen wie beispielsweise Bewegungsmelder senken das Risiko“, sagt Studienleiter Gluba.

Bei den mehrfach von Einbrüchen betroffenen Gebäuden fiel auf, dass die Häuser und deren Umgebung sich überdurchschnittlich oft in einem unordentlichen Zustand befanden. Anhaltspunkte waren beispielsweise ungepflegte Beete, herumliegender Müll, Graffiti an der Wand, kaputte Fenster oder abblätternde Fassaden. „In einem Fall war die Hauseingangstür aus Holz so verschlissen und das Material so ermüdet, dass sie ohne jeden Aufwand zu öffnen war und quasi dauerhaft offen stand“, berichtet Projektmitarbeiterin Nina Hermes.

Manche Studienergebnisse entsprachen nicht den Anfangsannahmen der Forscher. So scheint es Einbrüche nicht zu fördern, wenn sich etwa eine Arztpraxis oder ein Geschäft mit im Haus befinden. Die Vermutung war, dass der leichtere Zugang zum Gebäude und die geringere soziale Kontrolle Einbrechern die Arbeit erleichtern.

Die zu erwartende Beute habe offenbar keine Rolle gespielt. Zu den Umfängen von Diebesgut wollte sich die Polizeidirektion nicht äußern. „In der Regel haben es die Täter auf handliche Wertgegenstände abgesehen wie Handys, Laptops, Tablets, Bargeld und Schmuck“, sagt Sprecher Ellermann. „Alles, was sich schnell und gut weiterverkaufen lässt.“ Wohnungseinbrüche könnten aber auch zu gravierenden psychischen Folgen bei den Einbruchsopfern führen. In solchen Fällen rät die Polizei, sich an Opferschutzorganisationen zu wenden.

Die Polizeidienststellen beraten kostenlos, wie man Einbrecher abschrecken kann. „Darüber hinaus gibt die Kreditanstalt für Wiederaufbau günstige Darlehen und Zuschüsse für Investitionen in den Einbruchschutz“, sagt Ellermann. Geht es nach Innenminister Boris Pistorius (SPD), werden die staatlichen Zuschüsse noch ausgeweitet. Bei seinen Länderkollegen hat er sich kürzlich dafür eingesetzt, Schutzmaßnahmen an Neubauten verpflichtend einzuführen.

In vier von zehn Fällen bleibt es beim Versuch

In Niedersachsen wurde 2014 annähernd jeder vierte Einbruch aufgeklärt. In fast jedem zweiten Einbruchsfall kam es nicht zur Vollendung: Den Angaben des Landeskriminalamts zufolge bleiben rund 40 Prozent der Taten im Versuchsstadium stecken – auch deshalb, weil sich die Bewohner immer öfter um den Schutz ihrer Wohnung kümmern und Sicherungsmaßnahmen in den Wohnungen und Häusern eingebaut werden.



Der Anteil der Mehrfacheinbrüche machte gemessen an den Gesamteinbruchszahlen der Jahre 2011 bis 2014 im Bereich der Polizeidirektion Osnabrück rund 3 Prozent aus. Landesweit liegt der Anteil nach Angaben des Sprechers auf einem ähnlich niedrigen Niveau.



Als Einbruchschutz empfiehlt das Landeskriminalamt unter anderem, in gute Verriegelungen zu investieren. Beim Verlassen der Wohnung sollten die Bewohner die Tür nie nur ins Schloss fallen lassen, sondern sie zweifach abschließen. Gekippte Fenster und Balkontüren seien von Einbrechern leicht zu öffnen.

gs

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Der Norden

Finden Sie, dass es momentan zu viele schlechte Nachrichten gibt? Das möchten wir gerne ändern, und zwar mit Ihrer Hilfe. Gemeinsam mit dem NDR, den Kieler Nachrichten, der Ostsee-Zeitung in Rostock und dem Hamburger Abendblatt sammeln wir die guten Nachrichten der Leser und Hörer. Teilnehmer können einen exklusiven Besuch der Elbphilharmonie in Hamburg gewinnen.  mehr

So schön ist Niedersachsen aus der Luft

Von Harz über Heide bis zur Nordsee: Die schönsten Luftaufnahmen von Niedersachsen.

Niedersachsen in Zahlen
  • Landeshauptstadt : Hannover
  • Ministerpräsident: Stephan Weil
  • Fläche : 47.634,90 km²
  • Einwohner : 7,791 Mio
  • Bevölkerungsdichte : 135 Einwohner je km²
  • Letzte Landtagswahl : 20. Januar 2013 
  • Nächste Wahl : 2018
  • Wirtschaft : Firmendatenbank
  • Geographie : Niedersachsen hat im Norden eine natürliche Begrenzung durch die Nordsee, die Unterelbe sowie den unteren Mittellauf der Elbe. Als Enklave vom Landesgebiet umgeben ist das Land Bremen.
  • Berühmte Niedersachsen : Gerhard Schröder, Diane Kruger, Lena Meyer-Landrut, Sigmar Gabriel, Christian Wulff, Otto Waalkes, Mousse T., Klaus Meine
Weihnachtsfeier in Flüchtlingslager Friedland

Weihnachtliche Stimmung im Grenzdurchgangslager Friedland: Zur Weihnachtsfeier mit den Flüchtlingen am Freitag kam auch Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius.