Volltextsuche über das Angebot:

23 ° / 12 ° wolkig

Navigation:
Neuer Widerstand gegen Endlager in Salzgitter

Umweltministerin Hendricks vor Ort Neuer Widerstand gegen Endlager in Salzgitter

Eine Erweiterung des Atommüll-Endlagers Schacht Konrad bei Salzgitter ist nach wie vor nicht vom Tisch. Das hat Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) am Dienstagnachmittag in Salzgitter erklärt. Mit ihrer Ankündigung ist sie dort auf Proteste gestoßen.

Voriger Artikel
Merkel würdigt Marine in Kiel
Nächster Artikel
Kein Recht auf kostenlosen Zugang zum Strand

„Politisch undenkbar“: Demonstranten empfangen Bundesumweltministerin Barbara Hendricks in Salzgitter.

Quelle: dpa

Salzgitter. „Wir wollen die Erweiterung nicht, ich halte sie auch für äußerst unwahrscheinlich, aber ich kann sie nicht ausschließen.“

Die Ministerin war in die Region gekommen, um mit Bürgerinitiativen, Demonstranten und Kommunalpolitikern zu reden. Doch sie enttäuschte die hochgesteckten Erwartungen. Eine Neubewertung von Schacht Konrad werde es nicht geben. Auch der Forderung, der schwach- und mittelradioaktive Atommüll müsse so eingelagert werden, dass er auch wieder aus dem Schacht herausgeholt werden könne, erteilte sie eine Absage. Hendricks bekam Rückendeckung vom Präsidenten des Bundesamtes für Strahlenschutz, Wolfram König: „Die Rückholbarkeit ist Stand der Technik für hoch radioaktive Abfälle, aber nicht für die, die in Schacht Konrad eingelagert werden sollen.“ Nach bisherigen Planungen sollen vom Jahr 2022 an 303.000 Kubikmeter schwach- und mittelradioaktive Abfälle im Schacht Konrad landen. Für hochradioaktiven Müll, der ursprünglich nach Gorleben sollte, soll bis 2031 ein anderes Endlager gefunden werden.

Die Demo-Organisatoren von der Arbeitsgemeinschaft Schacht Konrad und der IG Metall hatten große Hoffnungen mit dem Hendricks-Besuch verknüpft: Sie fordern, geplante Endlager und andere potenzielle Standorte nach aktuellen wissenschaftlichen Kriterien gleichberechtigt neu zu prüfen und die Rückholbarkeit der Abfälle zu garantieren. Wenigstens solle Hendricks eine Verdopplung der Konrad-Kapazitäten klipp und klar ausschließen.

Salzgitters Oberbürgermeister Frank Klingebiel betonte, dass der Protest gegen Schacht Konrad inzwischen über die Stadtgrenzen hinausgehe. Der Christdemokrat überreichte Hendricks einen „Appell der Region“, hinter den sich auch die Landkreise Peine, Goslar, Wolfenbüttel und Helmstedt sowie die Städte Braunschweig und Wolfsburg sowie zwölf weitere Kommunen gestellt hatten.

Die Ministerin lächelte freundlich, wich aber inhaltlich nicht von ihrer Linie ab. Für Schacht Konrad gebe es seit 2002 einen Planfeststellungsbeschluss, das Verfahren habe gut 20 Jahre gedauert. Gerade in dieser langen Dauer sah Ursula Schönberger als Vertreterin der Endlager-Gegner einen Beleg, dass Schacht Konrad nicht auf dem neuesten Stand von Wissenschaft und Technik sei. Die Ministerin widersprach: „Das zeigt doch gerade, wie intensiv das alles geprüft worden ist.“

Streit gab es auch um den Vergleich mit der Asse. Braunschweigs Oberbürgermeister Ulrich Markurth meinte, die Menschen in der Region seien beim Endlager Asse „verarscht worden“ und hätten daher kaum noch Vertrauen in Aussagen der Politik zum Atommüll-Endlager. Hendricks hielt dagegen: „Die Verfahren sind überhaupt nicht vergleichbar.“ Wer hier die Asse als Beispiel anführe, schüre die Unsicherheit in der Bevölkerung.

Hendricks betonte, sie verstehe die Sorgen in der Region. Anderenorts drängten aber Betreiber und Anlieger der Zwischenlager, den Atommüll endlich an seinen endgültigen Bestimmungsort zu bringen. „Sicherheit ist dabei wichtiger als Zeit“, betonte sie und versprach: „Vor der Inbetriebnahme wird Konrad nach neuesten technischen und wissenschaftlichen Erkenntnissen überprüft und bei Bedarf nachgerüstet.“ Wolfsburgs Oberbürgermeister Klaus Mohrs gab Hendricks mit auf den Weg: „Ich halte es immer noch für politisch undenkbar, das zu realisieren.“     

Von Tarek Abu Ajamieh

Schacht Konrad

Die frühere Eisenerzgrube Schacht Konrad in Salzgitter ist als nationales Endlager für schwach- und mittelradioaktiven Atommüll vorgesehen. Diese Abfälle entstehen beim Betrieb und Abriss von Atomkraftwerken, in Forschungseinrichtungen und in der Medizin. Der Bund ließ die Grube von 1975 an als mögliche Lagerstätte untersuchen. 1982 stellte das Bundesamt für Strahlenschutz einen Genehmigungsantrag für das Endlager. Rund 300 000 Bürger erhoben dagegen erfolglos Einwendungen. Die Genehmigung wurde 2002 erteilt. Gerichte wiesen Klagen von Anwohnern und Kommunen ab, das Bundesverwaltungsgericht gab 2007 grünes Licht. Konrad ist das einzige Endlager in Deutschland, das nach dem Atomrecht genehmigt wurde. Der Umbau kostet nach Schätzungen rund 1,6 Milliarden Euro. Die Inbetriebnahme ist für das Jahr 2022 vorgesehen.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Der Norden
So schön ist Niedersachsen aus der Luft

Von Harz über Heide bis zur Nordsee: Die schönsten Luftaufnahmen von Niedersachsen.

Niedersachsen in Zahlen
  • Landeshauptstadt : Hannover
  • Ministerpräsident: Stephan Weil
  • Fläche : 47.634,90 km²
  • Einwohner : 7,791 Mio
  • Bevölkerungsdichte : 135 Einwohner je km²
  • Letzte Landtagswahl : 20. Januar 2013 
  • Nächste Wahl : 2018
  • Wirtschaft : Firmendatenbank
  • Geographie : Niedersachsen hat im Norden eine natürliche Begrenzung durch die Nordsee, die Unterelbe sowie den unteren Mittellauf der Elbe. Als Enklave vom Landesgebiet umgeben ist das Land Bremen.
  • Berühmte Niedersachsen : Gerhard Schröder, Diane Kruger, Lena Meyer-Landrut, Sigmar Gabriel, Christian Wulff, Otto Waalkes, Mousse T., Klaus Meine
Drei weiße Löwenbabys im Serengeti-Park geboren

Seltener Nachwuchs in Hodenhagen: Im Serengeti-Park sind gleich drei weiße Löwenbabys geboren worden.