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Neues Projekt soll Tourismus im Harz stärken

„EinHarz“ Neues Projekt soll Tourismus im Harz stärken

Der Harz ist bei Touristen wieder ganz oben, aber Städte und Gemeinden müssen sowohl ihre Wirtschaftskraft als auch das Image stärken. Mit dem Projekt „EinHarz“ soll 25 Jahre nach der Einheit das Mittelgebirge endlich zu einer Region zusammenwachsen.

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Aufwärts Richtung Brocken: Wanderer auf dem Ilsestein. Das Kreuz erinnert an die Befreiungskriege, auch Heinrich Heine erwähnt den „Ilsenstein“ in seiner „Harzreise“.

Quelle: dpa

Wenn sich an diesem Herbstferien-Wochenende Hunderte Wanderer auf dem kahlen Gipfel des Brockens mit Bier, Bratwurst und einem kräftigen Schluck Schierker Feuerstein stärken, blicken sie auf eine zerklüftete, wilde Landschaft. Aus 1141 Metern Höhe sehen sie – bei guten Wetterbedingungen – die Kaiserstadt Goslar im Norden, den schroffen Westharz mit seinen endlosen Nadelwäldern, das Städtchen Wernigerode mit seinem märchenhaften Schloss und die grünen Bergwiesen im Osten.

Der Harz, Deutschlands nördlichstes und lange geteiltes Mittelgebirge, steht 25 Jahre nach der deutschen Einheit vor großen, strukturellen Herausforderungen. Einst florierende Ferienorte des Westharzes wie Braunlage, Bad Grund, St. Andreasberg und Wildemann kämpfen mit ausbleibenden Besuchern, mit einer alternden Bevölkerung und leer stehenden Geschäften. Nur wenige Kilometer weiter östlich boomen Orte wie Schierke oder Hasselfelde. Der Ostharz punktet nicht nur mit einer traumhaften Landschaft, sondern auch mit Attraktionen wie dem Brocken, dem wildromantischen Bodetal, den Rübeländer Tropfsteinhöhlen und den Harzer Schmalspurbahnen, die schnaufend und rauchend Nostalgie verbreiten. Im Dreiländereck bei ­Hohegeiß stoßen drei Bundesländer aneinander: Sachsen-Anhalt, Niedersachsen und Thüringen. Das macht politische Absprachen nicht einfacher. Oft genug arbeiten die rot-grüne Regierung in Hannover, das schwarz-rote Kabinett in Magdeburg und die von der Linkspartei geführte Koalition in Erfurt an unterschiedlichen Projekten, von Einheit kaum eine Spur.

Ausgerechnet ein ehemaliger CSU-Politiker aus Bayern hat nun dazu angesetzt, den Harz stärker zu einen. Oliver Junk, 39 Jahre alt, seit vier Jahren Bürgermeister von Goslar und mittlerweile in der CDU, treibt das Projekt „EinHarz“ mit Energie voran. „Wir sind hier nicht nur Luchs- und Wolfserwartungsland“, sagt der Jurist mit der markanten Brille, „wir wollen eine Region werden.“ Junk trifft sich deshalb regelmäßig mit seinen Bürgermeisterkollegen aus Osterode, Wernigerode, Nordhausen und Sangerhausen sowie Vertretern von mehr als 35 Kommunen. Noch in diesem Jahr soll der Verein „EinHarz“ gegründet werden, der dann mittelfristig zu einer sogenannten Regiopolregion, einer kleinen Schwester der Metropolregion, werden soll.

Fünf Themenkomplexe haben die Harzer Schrittmacher als vordringlich markiert: Wirtschaft, Verkehr, Wissenschaft, Tourismus und Image. Vor allem junge und gebildete Arbeitskräfte wollen die Visionäre wieder in die Berge locken, denn die Kommunen leiden unter Wegzug, Auszehrung, Überalterung. Gerade erst stand die „sterbende Stadt“ Osterode im Blickpunkt des medialen Interesses: Der Landkreis im Südharz hat laut Statistischem Bundesamt eine der schlechtesten Quoten in ganz Deutschland. Nirgends sonst kommen auf jeden Todesfall so wenige Geburten wie hier. Von Niedergang will Bürgermeister Klaus Becker dennoch nichts wissen und verweist auf die vielen kulturellen und touristischen Angebote in der Region. Der 55-Jährige, der zeitweise in München und im texanischen El Paso lebte, schwärmt von der hohen Lebensqualität seiner Harzer Heimat. Das Projekt „EinHarz“ hat er von der ersten Minute begleitet, „da ist richtig Dampf drin“.

Der Harz blickt neuerdings selbstbewusster in die Zukunft. Das muss den Holländern, die mit ihren gelben Nummernschildern seit Jahren ein vertrauter Anblick auf Harzer Straßen sind, niemand mehr sagen. Denn der Urlaub in der Mitte Deutschlands – ob mit oder ohne Campingwagen – ist schon lange kein Geheimtipp mehr. Immer öfter hängen an verlassenen Einfamilienhäusern „te koop“-Schilder – zu kaufen. Wo Deutsche wegziehen, rücken Niederländer nach. Und die reichhaltige Auswahl an Lakritze in vielen Supermärkten zeigt, dass auch die Dänen den Weg in das erste Mittelgebirge hinter der deutschen Grenze gefunden haben.

Die Erreichbarkeit der Harz­orte steht deshalb ganz oben auf der „EinHarz“-Agenda. Mit Hochdruck, so Verkehrsexperte Holger Wengler aus dem thüringischen Nordhausen, arbeite man an der Verkehrsplanung der Zukunft. Ein sogenannter Harzring soll das Gebirge aus allen Himmelsrichtungen über Autobahnen und Schnellstraßen erschließen, auch die Bahn will künftig neue durchgehende Strecken anbieten. Denn seit langer Zeit steigen die Besucherzahlen wieder, die Tourismusoffensiven der vergangenen Jahre scheinen zu greifen.
Das nächste große Ding soll im Herzen des Mittelgebirges, direkt auf der überwachsenen deutsch-deutschen Grenze zwischen Braunlage und Schierke entstehen: In Norddeutschlands größter Skiarena sollen Wintersportler auf drei Pisten zwischen Kleinem Winterberg und Wurmberg abfahren und mit einer neuen Seilbahn von Schierke aus wieder zurückgondeln. Naturschützer befürchten das Schlimmste, schließlich müssten für die neuen Pisten 20 Hektar Wald gefällt werden, zudem würden weitere Schneekanonen in Stellung gebracht.

Rund 20 Kilometer weiter nördlich von Braunlage, in Bad Harzburg, hat die nächste Attraktion des Harzes geöffnet: Der 4 Millionen Euro teure Baumwipfelpfad hat sich schon kurz nach der Eröffnung als Besuchermagnet erwiesen. Mehr als 100.000 Wipfelwanderer drängten sich in den ersten knapp vier Monaten auf den Brücken und Stegen hoch oben in den Kronen. In Kürze soll ein Baumwurzelpfad folgen, im benachbarten Torfhaus kann in auf bayerisch getrimmten Wirtshäusern anschließend bis in die Nacht gefeiert werden. Wird aus dem betulichen Wanderparadies Harz mit seinen rustikalen Waldgaststätten und urigen Wildfütterungen nun nach und nach eine schrille Event-Location?

Sanfter Naturschutz und neue touristische Angebote schlössen sich nicht aus, meint Goslars Bürgermeister Junk. Auch beim Thema Wandern hat Junk Reformbedarf ausgemacht. Das Netz der Wege, das oft mit dem der asphaltierten Forststraßen identisch ist, soll ausgedünnt werden. Im Gegenzug könnten attraktive Wanderwege wie der Harzer Hexenstieg entstehen, der immer mehr Menschen anlockt.

Die „EinHarz“-Vision zieht auch ­einen Schlussstrich unter die oftmals emotionalen Aus­einandersetzungen dies- und jenseits der früheren Zonengrenze. Für bundesweite Beachtung etwa sorgte der putzige Namensstreit zwischen der Samtgemeinde Oberharz (West) und der fusionierten Stadt Oberharz am Brocken (Ost). Mittlerweile haben Gerichte die Klagen der Westharzer abgewiesen. Selbst der Hinweis, dass der Osten des Gebirges traditionell als Unterharz bekannt sei, zog bei den Magdeburger Richtern nicht. „Da war auch viel Neid im Spiel“, erinnert sich Junk, aber das sei Geschichte. Mittlerweile arbeiten die Technische Universität Clausthal sowie die Hochschulen in Wernigerode und Nordhausen eng zusammen. Ziel: Junge, qualifizierte Arbeitskräfte kommen in den Harz – und bleiben.

An die, die trotzdem dem Harz den Rücken kehren werden, hat Osterodes Bürgermeister Klaus Becker kürzlich einen Brief geschrieben – an alle Abiturienten der Südharz-Stadt: „Die meisten von Ihnen werden Osterode am Harz zunächst verlassen und in einer anderen deutschen Stadt oder auch im Ausland Ihren nächsten Lebensabschnitt verbringen“, so Becker. Aber er hoffe, dass der eine oder andere später wieder in den Harz zurückkommt – wie er selbst.

Von Harald John

Auf dem Hexenstieg durchs wilde Bodetal

Die Herbstferien sind für viele ein Anlass, in diesen Tagen in den Harz zu fahren – zumal für das Wochenende Sonne angekündigt ist.

Wer wandern möchte, kann das beispielsweise auf dem Hexenstieg tun, der auf 97 Kilometern Länge von Osterode bis nach Thale führt. Die sehenswerteste Etappe führt über 10 Kilometer von Treseburg durch das wildromantische Bodetal bis nach Thale. Von hier aus geht es mit der Seilbahn hoch auf den Hexentanzplatz oder zur Roßtrappe, wo es trubelig zugehen kann. Ruhigere Alternativen sind der Selketalstieg im Ostharz und der Karstwanderweg im Südharz. Für Familien gibt es die Harzer Wandernadel, an 222 Stellen können Stempelabdrücke im Wanderpass gesammelt werden. Schon für acht Stempel gibt es eine Wandernadel in Bronze. Das motiviert all jene, denen Wandern sonst zu langweilig ist.

Wen es auf den Brocken zieht, der sollte sich gut überlegen, welche Route er nimmt. Der beliebteste Weg führt 8 Kilometer vom Torfhaus über den Goetheweg auf den Gipfel. Kürzer ist der steile Aufstieg von Schierke, am schönsten die Strecke von Ilsenburg aus auf den Spuren Heinrich Heines.

In Bad Harzburg lockt die neueste Attraktion, der Baumwipfelpfad. In 20 Metern Höhe geht es durch die herbstlichen Baumgipfel des Harzes. Von hier aus ist es nicht mehr weit zum Luchsgehege an der Rabenklippe.

Alle Informationen zum Harz: www.harzinfo.de; www.hexenstieg.de; www.harzer-wandernadel.de; Harzer Schmalspurbahnen: www.hsb-wr.de/startseite; alle Termine, dazu Wanderkarten zum Herunterladen: www.nationalpark-harz.de.

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