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Der Norden Kein Personal: Erzieher und Kitas schlagen Alarm
Nachrichten Der Norden Kein Personal: Erzieher und Kitas schlagen Alarm
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00:31 01.04.2018
Niedersachsens Kommunen und Erzieher schlagen Alarm: Es gibt kaum noch Betreuer für die Kitas. Stellen können nicht besetzt werden. Quelle: dpa
Hannover

Vier Jahre Ausbildung, eine Reihe von Praktika und keinen Cent Vergütung: Das erwartet denjenigen, der Erzieher werden möchte. Das Kultusministerium will Ausbildung und Beruf nun attraktiver machen. Das Schulgeld an privaten Kollegs will das Kultusministerium ab dem neuen Schuljahr übernehmen, die Ausbildung soll in Teilzeit absolviert werden können. So können sich Auszubildende nebenher etwas dazu verdienen.  Ansätze, die von den Trägern und Leitern der Kita gerne gesehen werden, die dramatische Situation in den Einrichtungen jedoch nicht schnell genug ändern können.

„Früher wäre das nicht denkbar gewesen, aber wir sind nun auf Zeitarbeiter angewiesen“, sagt Sozialpädagoge Thomas Müller vom Bündnis für Kinder und Familien in Niedersachsen. Die Erzieher, die in Rente gehen würden, könnten kaum ersetzt werden. Der Eifer der angehenden Erzieher scheint zwar ungebremst –laut Kultusministerium befinden sich in Niedersachsen momentan rund 14 000 Schüler auf dem Ausbildungsweg zum Erzieher.  „Es gibt trotzdem nicht genug Nachwuchs, nicht alle die Ausbildung“, sagt Müller. „Wir haben sogar die Erfahrung gemacht, dass rund die Hälfte der Absolventen gar nicht in die Kitas geht, sondern gleich weiter zum Studieren“, sagt Hubert Bartke vom Bistum Osnabrück, Träger von rund 220 Kitas.

Die Kommunen befürchten, dass sie für ihre Kindergärten, Horte und Krippen nicht genügend Erzieher finden werden und schlagen Alarm: „Wir haben ein dramatisches Problem“, sagt Bartke. Im Rahmen des sogenannten QuiK-Programms des Landes erhalten die Kommunen 300 Millionen Euro, um die Kitas im Land besser mit Personal auszustatten –Quereinsteiger sollen in den Tagesstätten aushelfen. „Für die Stellen gibt es aber kein qualifiziertes Personal“, sagt Myriam Meißner, Sprecherin der Stadt Celle. Celle gelinge es gerade so, den Bedarf zu decken –jedoch nur, wenn nie ein Erzieher krank werden würde. Ein „eklatanter Mangel an Erziehern“ sei absehbar. „Das Land hat die Kommunen mit dieser Problematik allein gelassen“, sagt Meißner. Bliebe alles beim Alten, würde man künftig nicht mehr ausreichend Personal haben, um die Aufgaben zu erledigen.

 In Niedersachsen allein fehlen laut der aktuellsten Hochrechnung der Bertelsmann Stiftung 3300 Erzieher im Jahr 2016. In Schleswig-Holstein waren es 1900, in Hamburg 3600 und in Mecklenburg-Vorpommern 6700 Erzieher. Immer wieder kommt es vor, dass Kitas tagelang geschlossen werden müssen. „Wenn die Erzieher krank werden, können wir die gesetzliche Betreuung nicht leisten –die Eltern müssen ihre Kinder wieder abholen“, sagt Bartke

Die Große Koalition beschäftigt sich mit dem Thema, hatte im Koalitionsvertrag noch angekündigt, die Ausbildung zu einem dualen Modell reformieren zu wollen. „Um dem Fachkräftemangel in der frühkindlichen Bildung entgegenzuwirken, sollen zusätzliche Ausbildungsplätze in Vollzeit und Teilzeit geschaffen werden“, heißt es außerdem im Koalitionsvertrag. „Das Land arbeitet aktiv daran, dass auch in Zukunft gut ausgebildete Fachkräfte für die niedersächsischen Kindertagesstätten zur Verfügung stehen“, sagt Sprecherin Tanja Meister vom Kultusministerium. Seit 2013 habe die Landesregierung die Schulplätze um 450 pro Jahr ausgebaut. Man arbeite derzeit intensiv daran, alternative Ausbildungsformen zu entwickeln und „flächendeckend einzuführen“. Zum Schuljahr 2018/2019 startet Niedersachsen nun ein neues Programm, wie das Kultusministerium am Donnerstag mitteilte. Die Ausbildung wird reformiert. 500 zusätzliche Ausbildungsplätze werden demnach geschaffen. Auch das Schulgeld wird übernommen –jährlich seien das etwa fünf Millionen Euro. 

 Für CDU-Schulexpertin Mareike Wulf ist eine sogenannte Dualisierung der Ausbildung der richtige Weg: „Gerade die Verzahnung mit der Praxis macht die Erzieherausbildung attraktiver“, sagt sie. Angehende Erzieher und Sozialassistenten könnten zukünftig nicht nur einen Ausbildungsvertrag mit einer Fachschule schließen, sondern dazu mit einem Träger. Die Schüler könnten so Geld verdienen, statt Gebühren zu zahlen. „Ähnliche, bereits erfolgreiche Modelle gibt es für Quereinsteiger in den Erzieherberuf", sagt Wulf

Für die Kitas kommen diese Überlegungen fast zu spät. Die berufsbildenden Schulen versuchen in der Zwischenzeit selbst zu helfen: Die Alice-Salomon-Schule in Hannover beantragt im Schulausschuss eine Erweiterung ihres Ausbildungszweiges. Berufsschüler könnten so in Teilzeit eine Ausbildung zum sozialpädagogischen Assistenten machen und mit einem Nebenjob Geld dazu verdienen.

Von Tomma Petersen

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