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Städte stellen sich auf muslimische Bestattungen ein

Niedersachsen Städte stellen sich auf muslimische Bestattungen ein

Muslimische Beerdigungen sind auf vielen Friedhöfen in Niedersachsen Alltag, seit vor zehn Jahren das Bestattungsrecht angepasst wurde. Zwar werden derzeit noch viele Muslime zur Beisetzung in ihre Heimat überführt. Erwartet aber wird eine Trendwende.

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Das muslimische Gräberfeld auf dem Friedhof Stöcken.

Quelle: Hauke-Christian Dittrich/dpa

Hannover. Immer mehr Städte in Niedersachsen stellen sich auf muslimische Bestattungen ein, nachdem vor zehn Jahren die Möglichkeit zu Beerdigungen nach islamischem Ritus geschaffen wurde. Über ein Dutzend Städte haben inzwischen gesonderte Gräberfelder für Muslime eingerichtet, Laatzen und Neustadt treffen dazu gerade Vorbereitungen, wie Senay Celebi vom Landesverband der Muslime berichtet. Während in Hannover inzwischen mitunter fast täglich Muslime auf einem entsprechenden Friedhofsbereich beigesetzt werden, ist dies in kleineren Kommunen oft nur zwei Mal im Monat der Fall.

Während viele Muslime derzeit noch in ihren Herkunftsländern beerdigt werden, ist die Erwartung, dass die Zahl der Beisetzungen in Deutschland künftig steigt. 2006 war das Bestattungsrecht in Niedersachsen dahingehend geändert worden, dass es seitdem möglich ist, Tote auch nach islamischem Brauch ohne Sarg nur in einem Tuch zu beerdigen. Einige Städte wie etwa Hannover hatten schon früher praktische Regelungen zur Beisetzung von Muslimen getroffen.

Eine Statistik darüber, wie viele der hier lebenden Muslime sich in ihren Herkunftsländern bestatten lassen, gibt es nicht. Ebenso wenig wird landesweit oder bei den Kommunen darüber Buch geführt. Hohe Friedhofsgebühren seien ein Grund, sich für eine preisgünstigere Überführung in die Heimat zu entscheiden, sagt Verbandsexperte Celebi. Aber auch wenn die Kosten gleich seien, falle die Entscheidung oft noch zugunsten der Heimat aus. Anders sei dies, wenn die Verstorbenen noch jünger sind, berichten die Friedhofsverwalter. Die Angehörigen wollten dann einen Ort der Trauer in der Nähe. An der Nutzung der muslimischen Gräberfelder lässt sich der Trend ablesen.

Hannover hat separates Gräberfeld

Seit 1989 schon gibt es in der Landeshauptstadt ein separates Gräberfeld, das inzwischen mehrfach erweitert wurde. Wichtig ist unter anderem die Ausrichtung des Toten nach Mekka. Rund 1300 Muslime wurden dort inzwischen beigesetzt, auch auf anderen Friedhöfen wurden inzwischen Muslime bestattet. Dabei werde dann nach einer Grabstätte mit der passenden Ausrichtung gesucht, sagt Stadtsprecher Denis Dix. Eine Bestattung nur in einem Tuch ist dort normalerweise nicht oder nur mit kurzfristiger Genehmigung möglich.

In Lüneburg wurde ein muslimisches Gräberfeld 2008 auf Anregung der islamischen Gemeinde geschaffen, wie Friedhofsverwalter Kay Stockhaus sagt. "Das funktioniert, wir können ohne Sarg beisetzen, wir haben die Erlaubnis." 26 Beisetzungen gab es seit 2008. Oft noch gehe es für die ewige Ruhe zurück in die Heimat, für die Beisetzungskosten geschlossene Versicherungen ermöglichten dies.

Platz für 160 Beisetzungen gibt es auf dem auf dem Gifhorner Friedhof im vergangenen Jahr geschaffenen Bereich für Muslime, erst drei Bestattungen hat es seitdem dort gegeben, sagt Betriebsleiter Johann Harms. "Für die Zukunft wird das wohl anders sein." Der türkische Moscheeverband werbe für eine Beisetzung in Niedersachsen. Vorher schon habe es muslimische Beisetzungen auch auf dem evangelischen Friedhof gegeben.

Keine landesweite Regelung für ewiges Ruherecht

Trotz der Liberalisierung des Bestattungsrechts gibt es noch keine landesweite Regelung für ewiges Ruherecht, das die Muslime aus ihren Heimatländern kennen. Nach 25 Jahren oder einer Verlängerung auf 40 Jahre werden Gräber hierzulande meist geräumt. Auf dem Wolfsburger Nordfriedhof indes, wo es ein muslimische Grabfeld gibt, wurde die Satzung so geändert, dass die Toten dort auf ewig begraben liegen können.

In Hildesheim gab es auf dem entsprechenden Bereich des Nordfriedhofs inzwischen gut 150 muslimische Bestattungen. In der Satzung ist auch geregelt, dass die Gräber nicht begrünt oder geschmückt werden müssen. Allerdings sind die Angehörigen dennoch verpflichtet, die Grabstelle in einem ordentlichen Zustand zu halten.

Um auf die Bedürfnisse der Muslime einzugehen, wurde in Braunschweig vor zwei Jahren auf dem Stadtfriedhof ein rituelles Waschhaus eröffnet. Es soll eine würdevolle Bestattung der Toten gemäß islamischen Regeln ermöglich. Die zunächst zögerliche Nutzung habe sich nach einer Gebührensenkung erhöht, sagt Stadtsprecher Adrian Foitzik. 39 Waschungen gab es 2016, drei bis vier Mal pro Monat werde die Möglichkeit inzwischen genutzt.

Auch in Bremen gibt es auf zwei Friedhöfen einige Gräberfelder speziell für Muslime. Sie werden für einige Dutzend Beisetzungen jährlich genutzt.

dpa

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