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Bauern suchen Hilfe beim Sorgentelefon

Misstrauen gegen Landwirte Bauern suchen Hilfe beim Sorgentelefon

Die Kritik an der konventionellen Landwirtschaft trifft zunehmend auch die Kinder der Landwirte. Es seien keine Einzelfälle mehr, dass Kinder von der Schule nach Hause kämen und berichteten, dass sie beschimpft worden seien, sagt Ludger Rolfes, Leiter des niedersächsischen landwirtschaftlichen Sorgentelefons.

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Das Sorgentelefon für landwirtschaftliche Familien.

Quelle: dpa

Hannover. Seit 20 Jahren betreut Rolfes den heißen Draht für Landwirte im Bereich 
Weser-Ems. Generationenkonflikte und Nachfolgesorgen stünden damals wie heute im Vordergrund der Beratungen, sagt Rolfes, aber das Klagen über das Mobbing gegen Kinder, „das nimmt zu“. Eltern berichteten, dass ihre Kinder weinend von der Schule kämen, wo sie als „Umweltverschmutzer“ oder „Tierquäler“ beschimpft worden seien. Bei den Vorbereitungen zu einer Erstkommunionsfeier in einem katholischen Dorf sei es zu einem kleinen Eklat gekommen, weil einige Eltern den örtlichen Landwirt sogar bei diesem Fest gemieden hätten, sagt Rolfes. „Da geht ein Riss quer durchs Dorf. Das ist schon heftig, wenn das auf dem Rücken der Kinder ausgetragen wird.“

Mobbing - weil sie vom Hof kommen

Agnes Witschen, Vorsitzende des Landfrauenverbands Weser-Ems, bestätigt die Tendenz. Vor eineinhalb Jahren habe der Verband einen Kongress veranstaltet, als plötzlich eine Frau aufgestanden sei und erzählt habe, wie ihre Kinder von Mobbing betroffen seien. „Wir haben dann mal eine Umfrage gemacht und festgestellt, dass es kein Einzelfall ist. Das ist schon so, dass Kinder in der Schule ausgegrenzt und gemobbt werden, weil sie vom Hof kommen“, berichtet Witschen. Sie kenne auch Fälle, in denen die Familien sich irgendwann entschieden hätten, ihre Kinder auf eine andere Schule zu schicken, um das Mobbing zu beenden. Das habe geklappt, weil die Jugendlichen auf der neuen Schule den Beruf ihrer Eltern verheimlichen würden.

Es habe eine Entfremdung zwischen Landwirtschaft und Gesellschaft stattgefunden, meint Rolfes. Die Medienberichte über Missstände in der konventionellen Tierhaltung trügen dazu bei, ebenso aber auch die schwindende Präsenz von Landwirten im Dorfleben. „Früher war der Landwirte eine Größe im Dorf. Seine Hilfe war gefragt“, sagt Rolfes. Mittlerweile sei alles anonymer geworden. Selbst die Ställe, die in früheren Jahren allen offen gestanden hätten, seien jetzt aus Hygienegründen verschlossen – das fördere das Misstrauen.

Die Kommunikation mit den Dorfbewohnern verbessern

Früher hätte man in jeden Stall und jeden Hof einfach hineinspazieren können, und dann sei da jemand gewesen, mit dem man plaudern konnte, meint auch Witschen. „Das ist heute nicht mehr so.“ Auch auf dem Land verändere sich die Dorfgemeinschaft, die Bindungskraft des Vereinslebens lasse nach – und nicht zuletzt gebe es auch immer weniger Landwirte. Um die Kommunikation zwischen Landwirten und anderen Dorfbewohnern zu verbessern, raten die Landfrauen zu Transparenz und bieten auch Kurse an unter dem Motto „Wie sag ich’s dem Verbraucher?“. Die würden sehr gut nachgefragt, sagt Witschen.

Auch das Landwirtschaftsministerium setzt auf Transparenz. Die Landwirtschaft habe mit einem Negativimage zu tun, „die Problematik ist da“, sagt ein Sprecher des Landwirtschaftsministeriums. Das Land begrüße daher jede Transparenz-Initiative und fördere diese auch. So würden etwa Schulbesuche auf Höfen mit EU-Mitteln finanziert.

„Ich finde es unglaublich, dass Kinder in der Schule wegen des Berufs ihrer Eltern gemobbt werden, auch wenn diese sich absolut rechtskonform und korrekt verhalten. Die Ursache dafür liegt nicht zuletzt in der nicht eben sachlichen Kampagne aus dem Lager der Grünen“, sagte der verbraucherschutzpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Frank Oesterhelweg. Er kündigte eine Große Anfrage seiner Fraktion im Landtag zur Förderung des Sorgentelefons durch das Landwirtschaftsministerium an.     

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