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Der Norden Hier trennt Amerika und Rußland nur ein Kilometer
Nachrichten Der Norden Hier trennt Amerika und Rußland nur ein Kilometer
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00:16 05.05.2017
Das Ortsschild von Amerika wird öfters gestohlen. Renke Siefken (li.) und Amerikas Ortsvorsteher Hermann Behrends.
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Friedeburg

„Jetzt kann ich meine Krawatte wieder ablegen“, sagt Hermann Behrends, Ortsvorsteher von Amerika, und lacht. „Gerade war ich ja noch auf Staatsbesuch in Rußland.“ Zusammen mit dem Ortsvorsteher von Rußland, Hans-Hermann Lohfeld, schaut er vom Amerikaplatz mit seinem Totempfahl über die Wiesen rüber ins Nachbarland, oder besser gesagt den Nachbarortsteil.

Um von Rußland nach Amerika zu gelangen, braucht man in der Gemeinde Friedeburg (Landkreis Wittmund) in kein Flugzeug zu steigen. Man braucht nur gutes Schuhwerk. Die beiden Ortsteile liegen weniger als einen Kilometer voneinander entfernt. „Statt den Pazifik muss man bei uns nur einen Graben überqueren“, sagt Hans-Hermann Lohfeld. „Hier ist alles ein wenig kleiner.“

Sticheleien gehören dazu

Und tatsächlich haben die beiden Ortsteile zusammen nur rund 300 Einwohner - die „Russen“ sind dabei mit 238 deutlich in der Überzahl. Doch anders als die großen Länder leben alle friedlich neben- und miteinander. „Wir pflegen eine gute Nachbarschaft“, sagt Hermann Behrends. „Trotzdem gehören kleine Sticheleien dazu“, ergänzt Lohfeld. So werde bei gegenseitigen Besuchen die Frage nach einem Visum öfter gestellt. Beim alljährlichen Fischerstechen, einem Paddelwettkampf auf dem Kanal, duellieren sich die Einwohner. Doch auch dort sind keine ernst zu nehmenden Ausschreitungen zu erwarten. „Es geht um die Ehre“, sagt Lohfeld. „Wer als Erstes im Wasser landet, hat verloren.“ Im letzten Jahr konnten sich die „Russen“ länger in ihren Booten halten und haben gewonnen.

Karger Boden in Rußland

Während Amerika mit seinen weit auseinander liegenden Höfen eher zersiedelt ist, hat Rußland mit seiner Hauptstraße, dem Russlandweg, eher einen dörflichen Charakter. Auch wenn sich die Bewohner heute kaum unterscheiden, haben die Ortsteile und ihre Namen ganz unterschiedliche Geschichten. „Über die Entstehungsgeschichte beider Namen gibt es mehrere Überlieferungen“, weiß Renke Siefken. Er ist Gästeführer und wandert regelmäßig mit Gruppen auf einem Rundwanderweg über die Grenze. „Der Boden in Rußland soll sehr karg und unfruchtbar gewesen sein“, sagt Siefken. „Außerdem soll dort ein armer Bauer gewohnt haben, der eine raue Art hatte.“ Währenddessen konnten Kolonisten das Gebiet von Amerika erschließen und urbar machen. „Weil sie aber nicht genug Geld hatten, konnten sie nicht ins richtige Amerika auswandern“, erklärt Siefken.

Die beiden Ortsvorsteher machen sich gemeinsam auf den Weg nach Rußland, vorbei an neu gebauten Einfamilienhäusern, alten Höfen und Wiesen. Alljährlich wandern auch zahlreiche Touristen auf einer der drei eingerichteten Routen. „Nach erfolgreicher Wanderung kann man sich bei uns eine Urkunde abholen“, sagt Susanne Schäfer von der Touristeninformation in Friedeburg.

Sie brennen den Schnaps selbst

Oftmals bestreiten die Touristen den Weg gemeinsam mit Siefken. Er hat in seinem Rucksack immer zwei Flaschen Schnaps dabei. „In Rußland trinken wir Wodka und in Amerika Whiskey“, sagt er. Tatsächlich wird in dem kleinen Ortsteil Wodka von einem Spirituosen-Hersteller produziert. „Vor einigen Jahren fuhren hier regelmäßig russische Lastwagen vor und wurden mit Hochprozentigem beladen“, weiß Lohfeld.

Damit die sehr guten nachbarschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Ortsteilen noch besser werden, gibt es Überlegungen, einen direkten Weg über die Felder anzulegen. „Den könnten wir dann ,Trumpelpfad‘ nennen“, scherzt Lohfeld. Auch Behrends gefällt die Idee. Doch einen Vergleich mit dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump und dessen russischen Amtskollegen Wladimir Putin kann Behrends nicht leiden.

Julia Polley

Interview: Welche kuriosen Ortsnamen gibt es in Niedersachsen?

Herr Udolph, warum werden Orte nach einem Land benannt?

Zur Person

Prof. Dr. Jürgen Udolph, emeritierter Namensforscher an der Universität Leipzig.

Es gibt drei Motive für die Entstehung. Bei den Orten mit Länderbezug wie zum Beispiel Amerika und Rußland handelt es sich immer um kleine Ortschaften oder Ortsteile, die weit entfernt von einer größeren Stadt liegen. Wenn jemand aus diesem Ort ausgewandert ist, wurde dieser nach dem Auswanderungsland benannt. Häufig handelt es sich aber nur um einen Wunschnamen. Die Bewohner wollten auswandern, sind aber nicht weit gekommen oder konnten es sich nicht leisten. Dann haben sie ihr Wunschland gegründet.

Welche Orte mit Länder- oder Städtebezug gibt es in Niedersachsen?

Es gibt einige. Zum Beispiel Ägypten in der Samtgemeinde Neunkirchen oder Jerusalem im Landkreis Verden. Wer nach Kamerun möchte, braucht nur in den Landkreis Lüchow-Dannenberg zu fahren. Norwegen kann man im Landkreis Cloppenburg besuchen. Amerika und Rußland gibt es in ganz Deutschland mehrfach.

Wie entstehen skurrile Orte wie zum Beispiel Affendorf?

Sprache ist lebendig und verändert sich ständig. Häufig sind solche Ortsnamen über 1000 Jahre alt und in einer Sprache entstanden, die wir heute nicht mehr kennen. Das jeweilige Wort wird deshalb an ein uns bekanntes und gängiges angepasst. So entstehen Ortsnamen, die uns skurril vorkommen.

Das heißt, aus den Namen lässt sich etwas über die Geschichte des Ortes erfahren?

Ortsnamen enthalten viele wichtige Informationen über die Geschichte des Ortes und seiner Bewohner. Sie sind ein wichtiger Baustein, wenn es um die Erforschung der Geschichte geht.

Interview: Julia Polley

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