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Nistendes Teichhuhn verhindert Schiffsbergung

Hameln Nistendes Teichhuhn verhindert Schiffsbergung

Weil ein Grünfüßiges Teichhuhn in seinem Schornstein nistet, kann ein im Hamelner Weser-Hafen gesunkenes Boot nicht wie vorgesehen geborgen werden. Der seltene Vogel steht unter Naturschutz und darf beim Brüten nicht gestört werden.

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Die Teichralle hat es sich auf ihrem Nest gemütlich gemacht.

Quelle: FN

Hameln. Wie die DeWeZet berichtete, ist die für Sonnabend geplante Bergung der vor mehreren Monaten im Hamelner Hafen gesunkenen „Liberty“ ein zweites Mal abgesagt worden. „Ein Huhn hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht“, sagt THW-Einsatzleiter Detlev Grabbe. Der Zugführer des Technischen Hilfswerks aus Hameln hatte am vergangenen Freitag gemeinsam mit seinen Helfern eine Erkundung durchgeführt und dabei eine Entdeckung gemacht. Im Warmhaltefach eines alten Kaminofens, der noch immer in dem Havaristen steht und nur etwa 20 Zentimeter aus dem Wasser ragt, hatte ein Vogel ein Nest gebaut.

Grünfüßige Teichralle steht unter Artenschutz

„Ich konnte ihn nicht identifizieren. Vorsichtshalber haben wir am Dienstag die Hafenbehörde informiert und dort nachgefragt, ob wir den Ofen mitsamt dem Vogelnest umsetzen dürfen. Heute gegen 13 Uhr kam das Aus“, sagte Grabbe am Mittwoch. Experten hatten herausgefunden, dass es sich um ein Teichhuhn, auch Teichralle genannt, handelt. Das grünfüßige Hühnchen – so die freie Übersetzung des lateinischen Namens – stehe unter Artenschutz und dürfe deshalb nicht beim Brüten gestört werden, erfuhr Grabbe von Helga Auhage, die in der Hafenbehörde der Stadt Hameln arbeitet. Die womöglich komplizierteste Schiffsbergung an der Oberweser ist damit auf unbestimmte Zeit verschoben worden. Es sei denn, der Pegel steigt und das Nest wird überflutet.

Das THW hatte am Freitagnachmittag eigentlich nur herausfinden wollen, wie viele Baustützen notwendig sind, um den 20 Meter langen maroden Rumpf des 1938 gebauten Weserkahns auszusteifen. Mitarbeiter des Abbruchunternehmens Otto hatten bereits im Vorfeld die Metall- und Holzaufbauten der einst zu einem Wohnschiff umgebauten Schute entfernt, um den tonnenschweren Havaristen besser heben zu können. „Wir hatten geplant, übermorgen unsere Lastwagen zu beladen und am Sonnabend ans Werk zu gehen“, erzählt Grabbe.

Der Rumpf der „Liberty“ sollte zunächst ausgepumpt und dann vom THW mit Ponton-Fähren zur ehemaligen Wesermühle geschleppt werden. An der Kaimauer wollte der heimische Bergungsexperte Andreas Schmidt aus Eimbeckhausen die leckgeschlagene Kornschute mit schwerem Gerät aus dem Wasser heben lassen. Dafür sollten am Sonnabendmorgen zwei große Kräne in Stellung gebracht werden. Nun muss wieder ein Tag gefunden werden, an dem alle Beteiligten Zeit haben. „Tja, da kann man nichts machen“, sagt Schmidt. „Ich habe den Vogel, der es sich da gemütlich gemacht hat, mal gegoogelt. Der steht auf der Roten Liste. Naturschutz geht vor.“ Schmidt rechnet nicht damit, dass die Schiffsbergung vor Ende Juni beginnen kann.

Von Ulrich Behmann

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