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Besichtigung auf privatem Rettungsschiff

Flüchtlingshilfe Besichtigung auf privatem Rettungsschiff

Im letzten Jahr sind rund 3700 Menschen auf der Flucht im Mittelmeer ertrunken. Klaus Vogel, Kapitän zur See, will nicht mehr tatenlos zusehen und sich mit dem Rettungsschiff "Aquarius" auf ins Mittelmeer machen. In Bremerhaven kann das Schiff am Donnerstag besichtigt werden.

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Kapitän Klaus Vogel stellt das künftige Rettungsschiff vor.

Quelle: Ingo Wagner/dpa

Bremerhaven. Lange hat Kapitän Klaus Vogel sorgenvoll die Ereignisse im Mittelmeer verfolgt. Die immer neuen Schreckensnachrichten von Flüchtlingen, die die Überfahrt nach Europa nicht überlebten, machten den gebürtigen Hamburger betroffen. Nachdem die italienische Marine ihre Operation «Mare Nostrum» zur Flüchtlingsrettung nach nur einem Jahr einstellte, war für ihn klar: «Ab jetzt sterben noch mehr Menschen.» Tatenlos zusehen wollte er nicht. Er beschloss, selbst Flüchtlinge in Seenot aus dem Meer zu ziehen.

Vogel, der die letzten 15 Jahre auf Handelsschiffen zur See gefahren ist, schrieb dafür ein Konzept und begeisterte viele Menschen für seine Idee. Zusammen mit der Französin Sophie Beau gründete der 59-Jährige den Verein «SOS Méditerranée» und sammelte rund 750 000 Euro ein, um zunächst für drei Monate ein Schiff chartern und damit Leben retten zu können. Dafür kündigte er seinen gut bezahlten Job bei der Reederei Hapag Lloyd. «Das Mittelmeer darf kein Friedhof für Flüchtlinge bleiben», sagt Vogel, der nicht nur das Kapitänspatent hat, sondern auch einen Doktortitel in Geschichte.

An diesem Donnerstag steuert er die «Aquarius» von Bremerhaven aus Richtung Mittelmeer. Zuvor ist das mit Schnellbooten, Rettungsinsel und Krankenstation ausgestattete Schiff bei einem «Open Ship» zu besichtigen.
Das 77 Meter lange Schiff kann 200 Flüchtlinge an Bord nehmen. «Im Notfall auch bis zu 500», sagt Vogel. Darin unterscheidet es sich von der «Sea Watch I», einem ebenfalls privaten Seenotrettungsschiff. Die «Sea Watch I» kann Flüchtlinge nicht an Bord aufnehmen, sondern nur auf Rettungsinseln versorgen.

Der Verein sammelt zurzeit Spenden für ein größeres Schiff. Ebenfalls zur Seenotrettung aufbrechen wird demnächst die private «Sea Eye», ein 24 Meter langer ehemaliger Fischkutter.

An Bord der «Aquarius» kümmert sich ein Team aus Ärzten, Krankenschwestern und einem Dolmetscher von «Ärzte der Welt» um die Flüchtlinge. «Viele sind stark unterkühlt und unterernährt oder haben Atemwegsprobleme», sagt Francois De Keersmaeker, Direktor der Organisation. Vor allem die Kinder seien geschwächt. Im Gegensatz zu «Ärzte ohne Grenzen», die bereits Tausende von Menschen aus Seenot gerettet haben, ist es für «Ärzte der Welt» der erste Einsatz auf hoher See. Angesichts der steigenden Zahl an Tragödien sei klar gewesen, dass sich das Engagement nicht auf das Land beschränken könne, so De Keersmaeker.

Das Team der «Aquarius» sucht vor allem zwischen Libyen und Italien nach Booten. Werden Flüchtlinge gefunden, will Klaus Vogel sie so schnell wie möglich ans Festland fahren. «Die Rettungsleitstelle in Rom sagt uns, wo wir sie hinbringen sollen.» So wie sie das auch tue, wenn Handelsschiffe oder die Marine Bootsflüchtlinge aufnehmen. In der Regel würden die Menschen nach Kalabrien oder Sizilien gebracht.

Vogel ist sich bewusst, dass er viel Leid sehen wird. «Das sind Noteinsätze, die fordern, die aber auch Kraft geben, weil man viele Menschen rettet», betont der Wahl-Berliner.

Ziel des Vereins sei es, dauerhaft eine zivile Seenotrettung im Mittelmeer zu etablieren. Als Vorbild diene die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS), die in Nord- und Ostsee aktiv ist und rein aus Spenden finanziert wird. Da nationale Alleingänge im Mittelmeer nicht sinnvoll seien, habe der deutsche Verein «SOS Méditerranée» inzwischen auch ein französisches Pendant und bald ein italienisches. So werde die Grundlage dafür geschaffen, die Rettungsaktionen nicht nach nur drei Monaten beenden zu müssen. «Ich hoffe, dass wir genug Geld sammeln können, um weiter zu machen», sagt Klaus Vogel. «Denn die Lage wird tendenziell eher schlimmer.»

Janet Binder/dpa

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