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Outlet-Center Soltau will Größe verdoppeln

Land ist skeptisch Outlet-Center Soltau will Größe verdoppeln

Das Outlet-Center Soltau will wachsen. Die Betreiber berufen sich auf Studien, nach denen der Einzelhandel nicht leidet und der Tourismus gestärkt wird. Die Landesregierung indes sieht keinen Anlass für einen veränderten Raumordnungsplan.

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Häuser wie in einem Heidedorf: Fachwerk- und Reetdachanmutung des Outlet-Centers Soltau sollen Lust auf einen längeren Aufenthalt in der Region machen.

Quelle: Handout

Soltau. Die Betreiber des Designer-Outlet-Centers (DOC) an der Autobahn 7 im Heidekreis würden gern ihre Verkaufsfläche verdoppeln. „Die Mieternachfrage ist ungebrochen hoch“, sagte Investorin Sylvie Mutschler am Dienstag der HAZ. Die Geschäftsführerin der Schweizer Mutschler-Gruppe und die Betreiberfirma ROS Retail berufen sich auf zwei Studien zu dem umstrittenen Fabrikverkaufszentrum: Demnach hat das Outlet-Center an der Ausfahrt Soltau-Ost den Einzelhändlern in der Umgebung so gut wie nicht geschadet. Auf der anderen Seite hat es den Tourismus in der Heide sogar beflügelt. Während Soltaus Bürgermeister Wilhelm Ruhkopf (SPD) sich für die Erweiterung starkmacht, sieht die Landesregierung keinen Anlass für einen veränderten Raumordnungsplan.

Für das im August 2012 eröffnete erste niedersächsische Outlet-Center abseits einer Großstadt waren von Anfang an Begleitstudien vorgesehen, um die Auswirkungen auf die Region ermessen zu können. Eine Untersuchung der Wiesbadener Wirtschaftsberaterfirma Ecostra hat dem DOC in der Heide (9900 Quadratmeter Verkaufsfläche) Anfang des Jahres bescheinigt, dass von ihm „keine nachhaltigen negativen Auswirkungen auf die umliegenden Innenstädte ausgehen“. Eine zusätzlich von der Kölner Freizeit- und Tourismusberatung ift erarbeitete Studie „Regionalwirtschaftliche Effekte des Designer Outlet Soltau“ verstärkt nun dieses Ergebnis.

Schwerpunkt dieser von der Stadt Soltau und dem Heidekreis in Auftrag gegebenen Untersuchung sind die touristischen Auswirkungen des Einkaufszentrums, zu dessen Vorgaben stets eine enge Zusammenarbeit mit der Tourismus-Gesellschaft Lüneburger Heide gehörte – unter anderem wirbt diese in einem Informationsgebäude im Verkaufszentrum umfassend für die nahen Freizeitparks in Soltau, Walsrode und Hodenhagen, für Kutschfahrten durch die Heide und weitere Attraktionen. „Besonders auffällig ist, dass das Designer Outlet Soltau viele Besucher hat, die von weiter weg anreisen und somit neue Kaufkraft in die Region bringen“, sagt ift-Geschäftsführer Jan Kobernuß. Mehr als 70 Prozent der Kunden kommen demnach von außerhalb des Heidekreises, der sich bis zur Region Hannover und fast bis nach Hamburg erstreckt. Nach den Berechnungen gaben die Kunden 2013 außerhalb des Outlet-Centers 25,8 Millionen Euro aus. Fast die Hälfte davon entfiel auf Gäste, für die der Outlet-Besuch der Hauptgrund ihrer Anreise war. Das Outlet steht der Untersuchung zufolge auf Platz drei der beliebtesten Tourismusziele in der Region. Aus anderen Gründen angereiste Urlauber blieben wegen des Einkaufszentrums durchschnittlich einen Vierteltag länger in der Lüneburger Heide. Daraus ließen sich 42 500 Übernachtungen errechnen, die ursächlich dem Outlet-Center zugerechnet werden können. „Das sind echte zusätzliche Effekte für den Tourismus im Heidekreis“, meint Kobernuß.

Was die Befürchtungen der Kommunen in der Region betrifft, die sich zum Teil auch gerichtlich gegen den Bau gewehrt hatten, gibt die Ecostra-Untersuchung Entwarnung. Auf den Einzelhandel in den umliegenden Städten wie Celle und Lüneburg habe er keine auffallend nachteiligen Folgen gehabt. Einzig in der Soltauer Innenstadt hätten einzelne Läden aufgegeben – sie seien aber schon vorher wirtschaftlich angeschlagen gewesen. Auf der anderen Seite habe die Gastronomie profitiert. „Dass hier drei Geschäfte geschlossen haben, liegt nicht am Outlet-Center, sondern an Alters- und anderen Gründen“, meint Soltaus Bürgermeister Ruhkopf. Der Sozialdemokrat freut sich über 470 geschaffene Stellen und macht sich an der Seite der Investoren für eine Erweiterung des Einkaufszentrums stark. Angesichts der Aufstockungen in benachbarten Outlets wie Wolfsburg und Stuhr-Brinkum (Kreis Diepholz) sowie im 130 Kilometer entfernten, ebenfalls an der A 7 gelegenen schleswig-holsteinischen Outlet Neumünster könne nur ein größeres Verkaufszentrum in Soltau auf Dauer konkurrenzfähig sein. Unter anderem soll der rot-grünen Landesregierung eine entsprechende Stellungnahme zur Änderung des Landesraumordnungsprogramms zugehen. Diese wird derzeit im vom grünen Minister Christian Meyer geführten Landwirtschaftsministerium erarbeitet, auch die SPD-geführte Staatskanzlei ist beteiligt. Eine Erweiterung in der Heide ist dort zurzeit nach Angaben eines Ministeriumssprechers nicht vorgesehen. Der angestrebten Erweiterung stehe der Koalitionsvertrag entgegen, sagt er: „Die Landesregierung sieht Factory-Outlet-Center auch wegen ihrer Wirkung auf Einzelhandel, Umwelt, Verkehr, Flächenverbrauch und Versorgung in der Fläche sehr kritisch.“

Skeptisch ist auch Lüneburgs Oberbürgermeister Ulrich Mädge. Er meint, die florierende Lüneburger Altstadt könnte ohne das Outlet-Center noch besser dastehen. Dagegen zeigt sich die Industrie- und Handelskammer Lüneburg-Wolfsburg von den Studienergebnissen beeindruckt. „Mit dem Projekt in Soltau sollten zusätzliche Arbeitsplätze entstehen, der Tourismus sollte gefördert werden, es sollte neue Kaufkraft in die Region geholt werden“, sagt Hauptgeschäftsführer Michael Zeinert. „Alle diese Effekte sind eingetreten.“

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