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Weil will die Schulen „entrümpeln“

Philologentag Weil will die Schulen „entrümpeln“

Seit die Landesregierung die Unterrichtsverpflichtung für Lehrer an Gymnasien von 23,5 auf 24,5 Wochenstunden hochgeschraubt hatte, waren die Pädagogen, die sich am Rande ihrer Belastbarkeit sehen, dagegen Sturm gelaufen - beim Philologentag am Mittwoch in Goslar stehen die Zeichen wieder auf Versöhnung.

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Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) spricht bei der Eröffnung des Philologentages in der Kaiserpfalz in Goslar.

Quelle: dpa/Pförtner

Goslar.  „Mit Ihnen kann man reden“, sagt Horst Audritz, Vorsitzender des Philologenverbandes, zu Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) beim Philologentag in Goslar, und dieser beendet seine Rede mit einer Aufforderung an die Gymnasiallehrer. „Ich freue mich auf die weitere Zusammenarbeit.“

Von Kooperation zwischen Land und Lehrern war bis zum Sommer wenig zu spüren: Seit die rot-grüne Landesregierung die Unterrichtsverpflichtung für Lehrer an Gymnasien von 23,5 auf 24,5 Wochenstunden hochgeschraubt hatte, waren die Pädagogen, die sich am Rande ihrer Belastbarkeit sehen, Sturm gelaufen – mit Demonstrationen, Protestbriefen und einem Klassenfahrtenboykott. Drei Viertel der Schulen hatten sich daran beteiligt. Genutzt hat das nichts.
Die Kehrtwende kam erst durch eine Klage vor dem Oberverwaltungsgericht in Lüneburg. Dort bekamen die Lehrer Recht, und das Land wurde verpflichtet, die Unterrichtsverpfichtung wieder zu senken. „Dafür zolle ich Ihnen meine sportliche Anerkennung“, sagt Weil am Mittwoch in Goslar, „unabhängig von meiner persönlichen Meinung.“

Die dringend notwendige Entschuldigung bei den Lehrern sei er schuldig geblieben, bemängelten Kai Seefried (CDU) und Björn Försterling (FDP) aus der Landtagsopposition. Ein Schulexperte sei er nicht, gibt der Ministerpräsident zu, aber manchmal helfe die Sicht von außen, „trotz aller Bäume noch den Wald zu erkennen“. Untergangsstimmung sei fehl am Platz, den Gymnasien gehe es gut. Der Anteil der Gymnasialschüler sei seit 2005 von 24,1 auf 28,7 Prozent gestiegen. „Gymnasien bleiben die mit Abstand wichtigste Schulform im Land.“ Am Ende entschieden die Eltern die Abstimung mit den Füßen, welche Schulform eine Zukunft habe, nicht die Politik.

Horst Audritz sieht die Gymnasien in doppelter Gefahr – strukturell durch die  rechtliche Aufwertung der Gesamtschulen und innerlich durch die Verflachung der Lehrpläne bei wachsender Beliebtheit des Gymnasiums bei den Eltern: „Das Gymnasium kann keine Schule für 70 Prozent eines Jahrgangs sein oder gar für alle.“

Wie berichtet will das Land alle 86 000  Pädagogen zu ihrer Aufgabenlast befragen. Weil spricht von einer „Entrümpelungsaktion“, die den Lehrern wieder mehr Zeit für den Unterricht lasse. Es gehe nicht nur um die Entlastung von Verwaltungsaufgaben, sagt Gitta Franke-Zöllmer vom Verband Bildung und Erziehung. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft will weniger Unterricht und mehr Anrechnungsstunden für Lehrer aller Schulformen. Beamte haben eine 40-Stunden-Woche. „Mehr sollten auch wir Lehrer nicht arbeiten, sagt Audritz.

Kommentar

Der nächste Konflikt droht

Ministerpräsident Stephan Weil hat beim Philologentag die Probleme weggelächelt. Seine Rede war launig, es gab freundlichen Applaus. Kein Vergleich mit den Buhrufen, die Kultusministerin Frauke Heiligenstadt im Vorjahr geerntet hatte.
Das Land will die Lehrer nach ihren Aufgaben befragen und mit den Bildungsverbänden ausloten, wie man wieder mehr Zeit für Unterricht gewinnt. Das ist ein Ansatz. Etwas Ähnliches hatte schon der CDU-Kultusminister Bernd Althusmann versucht, es kamen viele Anregungen, die am Ende in Expertenrunden versandeten.
Das kann sich diese rot-grüne Regierung nicht leisten. Denn der nächste Konflikt um die Arbeitszeit kündigt sich schon an: Nicht nur die Gymnasiallehrer, sondern auch die Pädagogen an Grundschulen klagen über massive Überlastung – und die haben mit 28  Wochenstunden immer noch die höchste Unterrichtsverpflichtung.

Von Saskia Döhner

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