Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Der Norden Freigänger soll Frau in Loccum getötet haben
Nachrichten Der Norden Freigänger soll Frau in Loccum getötet haben
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:38 15.04.2016
Von Karl Doeleke
Die Polizei hatte mit einem Großaufgebot nach der Frau gesucht. Quelle: Archiv
Anzeige
Hannover

Der 48-Jährige war offenbar ein schwieriger Fall für die Justiz. Er saß nicht im Gefängnis, sondern wurde als Alkoholkranker in der Maßregelvollzugsklinik in Bad Rehburg behandelt. Wie das Justizministerium bestätigte, war im Anschluss daran Sicherungsverwahrung vorgesehen. Der 48-Jährige gilt also als Täter, von dem eine Gefahr für die Allgemeinheit ausgehen könnte. Dennoch durfte er die Entzugsklinik seit Dezember 2014 ohne Begleitung verlassen. Als er die 23-Jährige tötete, befand er sich auf einem solchen unbegleiteten Freigang.

Seit Donnerstagnachmittag sitzt der 48-Jährige in Untersuchungshaft, wie die Staatsanwaltschaft in Verden am Freitagmorgen mitteilte. Sozialministerin Cornelia Rundt (SPD) informierte parallel die Abgeordneten des Landtags. „Die Landesregierung ist sehr betroffen. Wir wissen alle, wie schlimm ein solcher Mordfall für die Angehörigen ist“, sagte sie im Plenum.

Nach Angaben des Verdener Ersten Staatsanwalts Lutz Gaebel war der Beschuldigte aufgrund eines Urteils des Landgerichts Aurich aus dem Januar 2012 in der Entzugsklinik im Kreis Nienburg untergebracht – sein drittes Vergewaltigungsurteil nach 1999 und 2000. Immer beging er seine Taten unter Alkoholeinfluss. Zuletzt war der 48-Jährige zu vier Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt worden. Er sollte aber von seiner Alkoholsucht therapiert werden, hatte das Gericht angeordnet. Deshalb war er in der Entzugsklinik. Parallel zu seiner Festnahme wurde die Klinik durchsucht. Bei seiner Festnahme befand er sich wiederum auf einem Freigang.
Judith T. war zuletzt am 12. September lebend gesehen worden. Gut eine Woche später wurde die Leiche der jungen Frau im Wald entdeckt – der nackte Körper angeblich mit Zweigen bedeckt. Die Obduktion ergab, dass die 23-Jährige Opfer eines Gewaltverbrechens geworden war. Nach Informationen der HAZ haben DNA-Spuren die Ermittler auf die Spur des Mannes gebracht.

Nach Angaben des Sozialministeriums wurde der Beschuldigte nach seinen Freigängen regelmäßig darauf kontrolliert, ob er Alkohol getrunken hatte. Er sei nie auffällig geworden, habe die Klinik mitgeteilt. Auch nach der Tat im vergangenen September habe sich der Beschuldigte nach Angaben der Klinik in der Therapie nicht ungewöhnlich verhalten, erklärte Ministerin Rundt im Landtag. Sowohl eine interne Lockerungskonferenz als auch eine externe, mit drei Experten besetzte Kommission habe die Freigänge des 48-Jährigen empfohlen. Auch die Staatsanwaltschaft habe zugestimmt.

Beim CDU-Landtagsabgeordneten Reinhold Hilbers stößt das auf Unverständnis: „Ich kann nicht verstehen, wie ein Mensch mit so einer Historie so schnell Erleichterungen bekommt.“ Marco Genthe von der FDP bezweifelte, dass Lockerungen im Maßregelvollzug ausreichend überprüft werden.

Therapie, nicht Haft

Straftäter im Maßregelvollzug gelten als Patienten, nicht als Häftlinge. Ein Maßregelvollzugszentrum ist darum auch keine Haftanstalt, sondern eine besonders gesicherte Klinik, in der psychisch kranke oder süchtige Straftäter behandelt werden. Das passiert immer dann, wenn der Strafrichter zu dem Urteil kommt, dass der Angeklagte zum Zeitpunkt der Tat wegen seiner Krankheit oder der Sucht nicht oder nur vermindert schuldfähig war und deshalb nicht ins Gefängnis geschickt werden kann. Grundlage dafür sind die Paragrafen 63 und 64 des Strafgesetzbuchs. Bei Suchtkranken muss die Aussicht bestehen, dass sie überhaupt therapierbar sind.

In Niedersachsen gibt es mehrere solcher Kliniken: In Moringen bei Göttingen, Brauel bei Zeven, Bad Rehburg im Kreis Nienburg, in Wehnen bei Oldenburg, in Osnabrück, Hildesheim, Königslutter, Wunstorf und Lüneburg. Im vergangenen Jahr wurden dort zwischen 1250 und 1300 Patienten behandelt.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Schweres Unglück im Oberharz: Eine Frau hat mehrere Stunden mit lebensgefährlichen Verletzungen im Wald bei St. Andreasberg gelegen, bevor sie gefunden wurde. Die 53-Jährige war einen rund 100 Meter langen Abhang hinabgestürzt.

15.04.2016

In dem am Ostermontag von einem Großbrand zerstörten Geflügelschlachthof in Lohne im Kreis Vechta sollen bereits von kommender Woche an die ersten Angestellten von Wiesenhof wieder ihre Arbeit aufnehmen. Das teilte das Unternehmen mit. Dann sollen 350 Menschen in der Zerlegung und Verpackung beschäftigt werden.

Karl Doeleke 18.04.2016

Zwei schwule Königspinguine sind aus dem Berliner Zoo in den Hamburger Tierpark Hagenbeck umgezogen. Stan und Olli müssen sich nicht nur in der neuen Umgebung zurechtfinden, sondern auch an ihre neuen Namen. Was ihnen aber gefallen dürfte: Sie kommen in eine reine Männergemeinschaft. 

14.04.2016
Anzeige