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Pegida-Anhänger hetzen gegen Schlachter

Rechte Attacken gegen Piepmeier Pegida-Anhänger hetzen gegen Schlachter

Die Landschlachterei Piepmeier in Elsfleth wird derzeit im Internet schwer beschimpft. Dem Traditionsunternehmen aus dem Oldenburger Land wird von Anhängern der islamfeindlichen Pegida-Bewegung Tierquälerei vorgeworfen. Der Grund für die Anfeindungen ist offensichtlich: Die Schlachterei arbeitet halal, also nach den Regeln des Koran.

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Rolf Piepmeier (rechts) beim 60-jährigen Betriebsjubiläum seiner Landschlachterei.

Quelle: HAZ (Archiv)

Elsfleth. Auslöser der Attacken, die bis zu Bedrohungen reichen, ist offenbar ein Kommentar des Pegida-Gründers Lutz Bachmann. Er ruft bei Facebook indirekt zum Boykott der Produkte aus der Schlachterei auf: „Wer hier kauft, befürwortet den qualvollen Tod von Tieren!“, schreibt Bachmann. Er ist ein schillernder Vertreter der rechten Szene, der auch schon mal als Hitler im Netz posiert.

Halal ist ein arabisches Wort und bedeutet so viel wie erlaubt. Unter anderem gehört zum korrekten Schlachten ein Schnitt durch Halsschlagader, Speise- und Luftröhre. Der 73 Jahre alte Betriebsinhaber Rolf Piepmeier reagiert gelassen auf die Anfeindungen von „Rechtsaußen“. „Ich kenne Lutz Bachmann überhaupt nicht.“ Piepmeier betont, dass in seinem Betrieb die Tiere vor dem Töten betäubt würden, wie es in Deutschland das Tierschutzgesetz vorschreibt.

Shitstorm auf Facebook

Das hält Anhänger der Pegida-Bewegung und andere aber nicht davon ab, die Landschlachterei zu attackieren. Die Auseinandersetzung im Netz ist dabei höchst unfair: Die Facebook-Aktivitäten des Schlachters übernimmt bisher ein 15-Jähriger ehrenamtlich. Plötzlich hatte er mit schlechten Bewertungen zu kämpfen – obwohl die Leute „noch nie bei uns zu Besuch waren, geschweige denn etwas bei uns einkauften“, sagte der Junge aus Elsfleth der „Nordwest-Zeitung“. Er hatte zunächst keine Erklärung dafür, bis ihm jemand Bildschirmfotos geschickt habe. „Diese zeigten an, wer zu diesem Shitstorm auf die Seite aufrief: Lutz Bachmann.“

Landschlachterei bekommt Unterstützung

Doch die Landschlachterei bekam auch Rückendeckung. Seit vergangenem Dienstag haben rund 600 Facebook-Nutzer ihre Unterstützung für Piepmeier ausgedrückt, indem sie bei Facebook auf „Gefällt mir“ klickten oder aufmunternde Kommentare hinterließen. Doch dadurch seien die Anfeindungen „noch schlimmer geworden“, wie der 15-Jährige sagte. Er will, dass sein Name nicht genannt wird. „Jetzt gibt es schon ernst zu nehmende Drohungen.

Piepmeier kann der Hetze auch Positives abgewinnen. „Das ist gute Werbung.“ Er schlachtet seit 1964 halal, zunächst für Gastarbeiter in Nordenham. In der BSE-Krise 2000 habe ihn das sogar vor der Pleite bewahrt. Seitdem schlachtet er nur noch nach den Regeln des Koran – angeblich als einziges Traditionsunternehmen im Land.     

Was erlaubt der Koran?

Muslime dürfen, so legt es der Koran fest, Fleisch nur essen, wenn die Tiere nach bestimmten Vorgaben geschlachtet wurden. Nur dann ist das Fleisch halal, was so viel bedeutet wie zulässig. Sinn der Regeln ist, das Tier so schonend wie möglich und nicht wie eine Sache zu behandeln. Dazu gehört, dass kein Tier sehen soll, wie ein Artgenosse getötet wird. Es muss getränkt, gefüttert und beruhigt werden. Das Messer muss scharf sein. Der Schlachter muss ein vorgeschriebenes Gebet sprechen, zumindest „im Namen Allahs“ sagen. Der Schnitt durch die Kehle muss das Tier schnell töten. Nach dem Tierschutzgesetz muss das Tier außerdem betäubt werden. Laut Bundesverfassungsgericht müssen islamische Schlachter aber eine Ausnahmegenehmigung dafür erhalten. In Niedersachsen bekommt nur ein Betrieb zum Opferfest diese Genehmigung.

Der Pümpel-Mann

Lutz Bachmann (42) gilt als der Mann, der die umstrittene Pegida-Bewegung in Dresden ins Leben gerufen hat. Pegida steht für „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“. Bachmann und seine Organisation veranstalteten Großdemonstrationen in Dresden, an denen zeitweise fast 20 .000 Menschen teilnahmen, darunter auch Neonazis und Hooligans. Bachmann wetterte dabei lautstark gegen kriminelle Ausländer und den Islam. Auch auf Facebook setzt er sich gern in Szene. Weit vor der Pegida-Zeit zeigte er sich mit Hitler-Bärtchen oder einem Pümpel auf dem Kopf, mit dem eigentlich verstopfte Toiletten sauber gemacht werden. Ebenfalls auf Facebook räumte Bachmann seine kriminelle Vergangenheit ein. Er wurde 1998 wegen Einbruchs zu einer Haftstrafe von dreieinhalb Jahren verurteilt. Bachmann sitzt noch immer im Pegida-Vorstand.

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