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Hameln feiert umstrittenen Straßenbelag

Pflasterfest Hameln feiert umstrittenen Straßenbelag

Seit 2013 feiert die Rattenfängerstadt im Sommer das Pflasterfest. Die Feier ist ein Nachfolger des Altstadtfests und wird zu Ehren der Natursteine aus chinesischem Granit veranstaltet, die vor fünf Jahren verlegt wurden – gegen den Widerstand großer Teile der Hamelner Bevölkerung.

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Ausgeschwemmte Fugen: Das Pflaster wurde schon zur Stolperfalle.

Quelle: Moers

Hameln. Wenn der Vorsitzende des Hamelner Naturschutzbundes, Ralf Hermes, die Reklame für das große Stadtfest am Wochenende sieht, nagt es an ihm. „Welche Stadt feiert schon ihr Pflaster?“ Hermes ist ein ausgesprochener Kritiker des Pflasterfests. Ihn stört schon die Bezeichnung. „Das ist eigentlich ein Hohn, bedenkt man, wie viele Leute damals gegen das teure Pflaster protestiert haben“, erinnert Hermes an die nicht unproblematische Geschichte des Straßenbelags in der historischen Fußgängerzone.

Chinesischer Granit verlegt

Seit 2013 feiert die Rattenfängerstadt dort im Sommer das Pflasterfest. Die Feier ist ein Nachfolger des Altstadtfests und wird zu Ehren der Natursteine aus chinesischem Granit veranstaltet, die vor fünf Jahren verlegt wurden - gegen den Widerstand großer Teile der Hamelner Bevölkerung.

Ralf Hermes war dabei, als 2009 das Bürgerbegehren „Mit Herz und Verstand für Hameln - keine teure Fußgängerzone“ formierte. „Es gab mehr als 10.000 Gegner der Pflastersanierung“, sagt er. Zu teuer, nicht nötig, eine reine Luxus­anschaffung, kritisierten die Gegner damals den Beschluss. Nur wenige Hundert Stimmen fehlten ihnen am Ende. Das Pflaster kam wie geplant – und hatte unerwünschte Nebenwirkungen.

Immer wieder entstehen große Lücken zwischen den Steinen, da die Fugen regelmäßig absacken. Es gab schon Stürze und Verletzungen, etwa weil Frauen mit Absätzen gestolpert waren. Einmal im Jahr lässt die Stadt darum „nachschlämmen“. Dabei wird ein Minealgemisch mit Sprühwasser und Bürste in die Hohlräume gekehrt. Was das die Stadt kostet, nachdem 2018 die Gewährleistung ausgelaufen sein wird, ist noch unklar. Genauso wie der Betrag, den der kostbare Natursteinbelag bisher verschlungen hat. „Wir haben noch keine Endabrechnung vorliegen. Weil Mitarbeiter im Urlaub sind, verzögert sich die Endabnahme. Manchmal ist da schwer durchzublicken, wenn so viele in der Verwaltung beteiligt sind“, versucht Stadtsprecherin Janine Herrmann zu erklären, dass die für den Sommer angekündigte Abrechnung weiter aussteht – Jahre nach dem Verlegen. 2005 schätzte die Verwaltung die Kosten der Sanierung auf 3,5 Millionen Euro. Zwischen 5 und 5,7 Millionen Euro lag der „Deckel“, den der Rat dem Projekt 2009 zugestand.

Gefeiert wird trotzdem

Ob die Latte gerissen wurde oder nicht – gefeiert wird trotzdem. „In der öffentlichen Wahrnehmung ist das kein Thema mehr. Irgendwann zählt für die Besucher nur noch, dass es schön aussieht“, sagt Stadtmanager Dennis Andres. Das Pflasterfest sollte die Hamelner nach langer Plan- und Bauzeit mit ihrer aufgehübschten Fußgängerzone versöhnen.

Mehr als 100.000 Besucher erwartet die Stadt zwischen dem 25. und 27. August. Dabei lohnt es sich durchaus, einen Blick auf den Boden zu werfen – um die an einigen Stellen eingelassenen goldenen Ratten zu entdecken und natürlich, um nicht über eine Fuge zu stolpern.

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