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Der Norden "Endlich 40-Stunden-Woche auch für Lehrer"
Nachrichten Der Norden "Endlich 40-Stunden-Woche auch für Lehrer"
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00:15 03.12.2016
Von Saskia Döhner
Philologenverbandschef Horst Audritz meint, dass Lehrer dringend entlastet werden müssten. Quelle: Swen Pförtner
Goslar

Die 40-Stunden-Woche müsse für alle Pädagogen, unabhängig von der Schulform, gelten, sagte Audritz. Dazu müssten bürokratische und ineffektive Aufgaben abgeschafft werden. Es könne nicht sein, dass es immer mehr Querschnittsaufgaben wie interkulturelle Kompetenz, Deutsch als Zweitsprache und Inklusion, aber immer weniger Fachunterricht gebe. Audritz trat für mehr Anrechungsstunden, für eine generelle Senkung der Unterrichtsverpflichtung - derzeit liegt die Pflichtstundenzahl für Gymnasiallehrer bei 23,5 Pflichtstunden - und für eine Alterermäßigung für Lehrer ab 55 Jahre ein.

Der Philologenchef warnte erneut vor dem Bildungsabbau und der Leistungsverflachung an den Gymnasien. Immer mehr Abiturienten, die mit einem Schnitt von 1,0 ihre Abschlussprüfung ablegten, bei gleichzeitig einer wachsenden Zahl von Studienabbrechern sei eine  erschreckende Entwicklung. Er sprach von "Bildungsinflation". Diese "Erleichterungspädagogik" spiegle sich auch in der Politik von Rot-Grün wider, etwa in der Abschaffung der Laufbahnempfehlung nach der Grundschule, der Reduktion der schriftlichen Klausuren in der Oberstufe und die Einführung einer sogenannten Präsentationsprüfung im Abitur.

Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) hielt dagegen, dass sich kein Bundesland so ausführlich mit den Themen Arbeitszeit und Belastung für Lehrer befasse wie Niedersachsen. Vieles sei in Bewegung, die Schulinspektion und die Vergleichsarbeiten würden reformiert. Ein Expertengremium zur Arbeitszeit werde nächste Woche seine Arbeit aufnehmen. Das Land stehe kurz vor dem Abschluss eines "Gesamtpakets mit den Kommunalverbänden", das die Beschäftigung von Schulsozialarbeitern und EDV-Systemadministratoren sicherstelle.

Der Landeselternrat übte indes massive Kritik an den Reformplänen des Landes für die Schulinspektion. Danach sollen Schulen künftig selbst bestimmen, in welchen Themenfeldern sie begutachtet werden wollen. Elternratsvorsitzender Stefan

Bredehöft kritisierte, dass die Schulqualität gesenkt werde, wenn Schulen selbst über die Inspektion entschieden: "Nicht jede Schule steht dem jetzigen dialogbasierten Ansatz offen gegenüber und nimmt die Ergebnisse, ja vielleicht auch Kritik, als Entwicklungschance an.“

Inklusion

Inklusion bedeute nicht zwangsweise "eine Schule für alle", ist Philologenchef Horst Audritz überzeugt. Die UN-Behindertenrechtskonvention zwinge den Unterzeichnerstaaten keine bestimmte Schulform auf oder gar die Abschaffung des Förderschulsystems. Sie plädiere für differenzierte Lösungen, bei denen das Kindeswohl im Vordergrund zu stehen habe, sagte Audritz. In Förderschulen würden Sonderpädagogen die Kinder in kleinen Lerngruppen unterstützen und nicht nur ein paar Stunden zweimal in der Woche wie in inklusiven Regelschulen. Grundschullehrer würden von großen Problemen mit lerngestörten Kindern im Unterricht berichten. Es seien dringed Kurskorrekturen an der Inklusion in Niedersachsen notwendig.

Die Gymnasien würden natürlich den Schülern offenstehen, die imstande seien, das Abitur zu erreichen. Dort aber Kinder aufzunehmen, die die staatlich festgelegten Ziele dieser Schulform niemals erreichen könnten, widerspreche nicht nur dem Bildungsauftrag der Gymnasien, sondern verstoße auch gegen das Kindeswohl: "Ein Schüler, der dem Unterricht auf gymnasialen Niveau in keiner Weise folgen kann, wird dadurch zwangsläufig permanent frustriert, bestenfalls dauerhaft gelangweilt."

Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) sagte, der gemeinsame Unterricht von Kindern mit und ohne Handicaps habe Vorteile für beide Seiten. Das Sozialklima werde spürbar besser, auch wenn die Schüler das Bildungsziel Abitur nicht erreichen könnten. Es sei gut, dass die Schulen für alle Kinder offenstünden. Derzeit gehen von rund 15.000 behinderten Kindern, die Regelschulen besuchen, nur 374 auf ein Gymnasium. Das heißt an jedem Gymnasium mit zum Teil 1000 Schülern gibt es nur ein bis zwei Kinder mit Handicap.

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