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Polizei nimmt Tuner ins Visier

Schwerpunktmäßige Kontrollen Polizei nimmt Tuner ins Visier

Heulender Motor, knallender Auspuff - für die einen sind getunte Autos Ausdruck von Individualität und Kreativität, für die anderen bloß Lärmbelästigung. Der rechtliche Unterschied liegt häufig in einer Grauzone. Die Polizei nimmt die Tuner jetzt verstärkt ins Visier.

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In Helmstedt stellte die Polizei bei der Kontrolle getunter Autos erhebliche Mängel fest.

Quelle: dpa (Archiv)

Wolfsburg/Hannover. „Everybody needs a hobby“, heißt es an einer Stelle des James Bond-Films „Skyfall“ aus dem Jahr 2012 - Jeder braucht ein Hobby. Und ähnlich wie für den britischen Film-Agenten zählt für viele Deutsche dazu vor allem eins: ein schönes und schnelles Auto. Dabei legen vor allem junge Menschen gerne selbst Hand an. Die Tuning-Szene lebt. Seit 2013 hat sich nach Beobachtung des Verbandes der Automobil Tuner (VDAT) der deutsche Tuning- und Zubehörmarkt nach der Negativentwicklung der Krise erholt. 

Dabei gehe es den meisten Schraubern nicht um die Leistungssteigerung ihrer Fahrzeuge, sagte Verbands-Geschäftsführer Harald Schmidtke. „Genau wie in der Mode geht es den Tunern in erster Linie um die Individualität des Fahrzeugs.“ Entsprechend stünden Rad-Reifenkombinationen, Tieferlegungen sowie Folien und Karosserieteile in der Gunst der Käufer weit oben.  

Massive Mängel bei Kontrollen in Helmstedt

Doch sind es vor allem die schwarzen Schafe der Szene, die die Schlagzeilen beherrschen - und verschreckte Anwohner mit lautem Motorengehäul und krachenden Auspuffanlagen um den Schlaf bringen. Auch in Niedersachsen. Vor einigen Wochen kontrollierte die Wolfsburger Polizei schwerpunktmäßig getunte Autos in Helmstedt. Bei knapp drei Vierteln der 39 überprüften Fahrzeuge wurden erhebliche Mängel festgestellt. 20 Fahrzeuge wurden stillgelegt. 

„Ein Fahrer hatte einen verstärkten Rahmen in seiner Karosserie verbaut“, sagte Wolfsburgs Polizeisprecher Sven-Marco Claus. „Das ist saugefährlich. Bei Unfällen knallt der mit dem Kopf dagegen und könnte sogar sterben.“ Die Polizei Wolfsburg hat daraufhin die Kontrollen solcher Fahrzeuge ausgeweitet. Seit einigen Wochen kümmert sich ein zehnköpfiges Team um das Thema.  

Expertengruppe in Hannover gebildet

Auch bei anderen Polizeiinspektionen haben sich Expertengruppen gebildet. In Braunschweig und Hannover etwa sind es vor allem junge Kollegen, die sich bei rechtlichen Fragen zum Tuning auf dem aktuellen Stand halten. „Pro Inspektion haben wir zwei, drei Beamte, die sich regelmäßig treffen und austauschen“, sagte der Sprecher in Braunschweig.  

Denn die Grenzen zwischen legalen und illegalen Umbauten sind fließend. “„Tuning“ ist in der Straßenverkehrsordnung als solches nicht erfasst“, erklärte der zuständige Fachreferent beim Tüv Nord, Bernd Stürmer. „Es gibt dort nur allgemeine Bauvorgaben für Fahrzeuge.“ Verboten sei zum einen alles, was Verkehrsteilnehmer gefährde. Zum anderen könnten aber auch Veränderungen des Abgas- und Geräuschverhaltens beim Auto unrechtmäßig sein.  

Demnach liegt der Fahrgeräusch-Grenzwert laut Stürmer bei maximal 75 Dezibel. „Bei jeder Erhöhung von drei Dezibel verdoppelt sich aber der Schalldruck und damit auch die gefühlte Lautstärke bei Menschen“, erklärte er. Deshalb lässt sich oft nur schwer feststellen, wer etwa mit einem verbotenen Auspuffsystem unterwegs ist und wer sich trotz Lautstärke noch an die Vorschriften hält. „Immer wieder bekommen wir Anfragen von Tunern, die wissen wollen, ob sie bestimmte Veränderungen vornehmen dürfen oder nicht.“  

Zu Menschen, die mit dröhnenden Motoren durch die Innenstädte rollen, hat auch VDAT-Geschäftsführer Schmidtke seine Meinung. Bezogen auf die Region Wolfsburg sagte er: „Möglicherweise hat sich dort, wie leider in einigen anderen Städten der Republik auch, eine sogenannte Poser-Szene gebildet.“ Diese Menschen würden Automobilbegeisterung völlig falsch verstehen. „Das braucht keiner und von derartigem Handeln distanziert sich der VDAT und seine Mitglieder sehr konkret.“

Nach tödlichem Unfall immer wieder Thema auch in Hannover

Auch in Hannover sind die Tuner immer wieder Thema. Ende Oktober vergangenen Jahres hatten sich mehr als 1000 Fans schneller und aufgemotzter Autos zum vorerst letzten Mal an der Aral-Tankstelle an der Vahrenwalder Straße getroffen. Sie hatte jahrelang als Treffpunkt der Szene gedient, wurde mittlerweile aber abgerissen.

Vier Jahre zuvor war dort bei einem Carfriday-Rennen ein 24-Jähriger gestorben. Er war Teilnehmer des Spektakels und beim Überqueren der Straße unter eine Stadtbahn geraten. Seitdem werde „die Szene ständig beobachtet“, hieß es von Seiten der Polizei.

lni

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