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Dient der Delmenhorster Wohnblock dem Sozialbetrug?

Nach unbezahlten Rechnungen Dient der Delmenhorster Wohnblock dem Sozialbetrug?

Nachdem die Bewohner des Delmenhorster Wohnblocks Wollepark zwei Tage lang ohne Wasser auskommen mussten, ermitteln nun Polizei und Staatsanwaltschaft. Dabei drängt sich die Frage auf: Werden die 350 Bewohner des Hochhauses für einen groß angelegten Sozialbetrug ausgenutzt?

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Die Stadt will sich nicht erpressen lassen und erlauben, dass die Bewohner des Wohnblocks als Geiseln in dem Streit genommen werden.

Quelle: dpa

Hannover/Delmenhorst. Das Wasser fließt wieder - doch die Menschen im Delmenhorster Wohnblock Wollepark können noch nicht aufatmen.  Der Streit um die unbezahlten Wasser- und Gasrechnungen ist nur aufgeschoben, die nächste Sperrung droht ihnen bereits. Und die Frage steht im Raum: Werden die 350 Bewohner des Hochhauses für einen groß angelegten Sozialbetrug ausgenutzt?

Zwei Tage lang waren die Gebäude in dem als Brennpunkt geltenden Stadtteil ohne Trinkwasser. Die Anwohner mussten mit Kanistern Wasser aus einer nahe gelegenen Zapfstelle holen. Dazu wurden Dixi-Klos vor dem Wohnblock aufgestellt. Ein Zustand, den das Landgericht Oldenburg am Mittwoch beendete, indem es die Stadtwerke anwies, die Wasserversorgung wiederherzustellen.

Forderungen über 235 000 Euro

Doch die Stadtwerke wollen hart bleiben: „Fakt ist, dass die Forderungen nach wie vor in der vollen Höhe ausstehen und noch kein Geldeingang zu verzeichnen ist“, heißt es in einer am Donnerstag veröffentlichten Pressemitteilung. Man erwarte die vollständige Begleichung der offenen Rechnungen für Gas und Wasser. Nach früheren Angaben soll es sich dabei um 185 000 Euro handeln, dazu kommen Altschulden aus dem Jahr 2015 in Höhe von 50 000 Euro. „Sollte diese Forderung nicht ausgeglichen werden, dann werden wir Ende des Monats die Versorgungssperre durchführen“, schrieben die Stadtwerke am Donnerstag.

Die Stadt will sich nicht erpressen lassen und erlauben, dass die Bewohner des Wohnblocks als Geiseln in dem Streit genommen werden. Der Verdacht steht im Raum, dass die Vermietergesellschaft das Geld von den Bewohnern einkassiert, ihrerseits aber die Rechnungen nicht begleicht. Wer genau die Eigentümer des Wohnblocks sind, ist unklar. Es soll sich um 50 bis 70 Personen handeln, die von einer Vermietergesellschaft vertreten werden. Diese hat ihren Sitz in Bremen - an der Adresse eines Geschäfts für Importwaren und Gold.

Der Fall erinnert an eine Sozialbetrugsmasche, die im Ruhrgebiet um sich greift: Dort kaufen Sozialbetrüger Schrottimmobilien und belegen sie mit osteuropäischen Familien. Den Erwachsenen geben sie zum Schein Minijobs, allerdings nur, damit diese zum Amt gehen und Aufstocker-Sozialleistungen beziehen können. Dieses Sozialgeld kassieren sie dann von den Bewohnern ein und nutzen sie und das Sozialsystem damit aus.

Ob das in Delmenhorst auch der Fall ist, will derzeit niemand bestätigen. Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln. Diese Untersuchungen stünden aber noch ganz am Anfang und würden daher nicht kommentiert, erklärten beide Behörden. Darüber hinaus zeigt die Polizei in dem Haus Präsenz, weil sie glaubt, dass es für Straftäter zum Rückzugsort geworden ist.

Bewohner unter Druck

Rund 350 Einwohner sollen in dem Wohnblock Wollepark in Delmenhorst leben, darunter 80 Kinder. Wie viele es genau sind, weiß keiner. Einige wohnen auf engstem Raum: So teilen sich drei Familien mit insgesamt 14 Personen eine 60-Quadratmeter-Wohnung mit drei Zimmern.

Ein Großteil der Bewohner sind Einwanderer aus Bulgarien oder Polen, Flüchtlinge sind dabei und auch arabischsprachige Migranten. Viele beziehen Sozialhilfe, über die Gas- und Wasserkosten abgedeckt sind.

Nach übereinstimmenden Angaben wird das Geld aber nicht an die Stadtwerke direkt überwiesen, stattdessen müssen die Bewohner ihre Miete samt Nebenkosten an den Vermieter zahlen – in bar. Die Bewohner würden stark unter Druck gesetzt, heißt es von Betreuern und Integrationslotsen.  

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