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Der Norden Polizei in Celle beklagt drastische Personalnot
Nachrichten Der Norden Polizei in Celle beklagt drastische Personalnot
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02:15 15.07.2017
Von Gabriele Schulte
Der Polizei in Celle bleibt nicht einmal mehr Zeit für reguläre Streifenfahrten. Quelle: HAZ/Archiv
Celle

Eine unbesetzte Wache, keine Zeit für Streifenfahrten, Beamte im Dauerstress - die Polizei in Celle klagt über drastische Personaleinschnitte, die die Sicherheit in der Region gefährden könnten. Die Lage ist demnach erheblich schlechter als anderswo im Land: Von 320 Planstellen im Jahr 2012 waren bis 2016 gerade mal 270 übrig; für dieses Jahr ist eine weitere Reduzierung auf 252 geplant.

„Und mehr als jeder Zehnte ist krankgeschrieben“, sagen Gewerkschaftsvertreter. Naheliegend sei, dass dies mit Überlastung zu tun habe. Viele schleppten sich trotz Krankheit zum Dienst, wie ein Abteilungsleiter schildert: „Die wissen, dass ich sonst allein wäre“, sagte er der HAZ. Trotz der vielen Überstunden könne er niemandem freigeben. „Wenn das so weitergeht, bricht hier bald alles zusammen.“

Personalbestand besorgniserregend

Auch der Landkreis zeigt sich besorgt: „Der praktisch verfügbare Personalbestand liegt noch einmal deutlich unter dem schon reduzierten Planstellensoll“, sagt ein Sprecher. Die Polizei Celle werde ihre Aufgaben in dem Flächenlandkreis so auf Dauer nur sehr schwer bewältigen können. Landrat Klaus Wiswe (CDU) hat sich mit Brandbriefen an die Polizeidirektion Lüneburg, Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius und Ministerpräsident Stephan Weil (beide SPD) gewandt - bislang ohne Erfolg.

Die direkt Betroffenen halten sich als Beamte mit öffentlichen Äußerungen zurück, erzählen aber anonym von „unhaltbaren“ Zuständen. Mit so wenigen Einsatzkräften komme die Polizei in dem weiträumigen Landkreis oft zu spät am Tatort an: „Wir können nicht mehr festnehmen.“ Die 24-Stunden-Polizeiwache in Wietze könne nachts nur noch selten besetzt werden. Insgesamt sei der Frust so groß, dass vor allem junge Kollegen sich lieber schnell in eine Großstadt versetzen ließen, berichtet ein Vorgesetzter: „Mir brechen die Leute weg. Es wird immer schlimmer.“

Gewerkschaften fordern Personalgutachten

Mit rund 21.000 Stellen im Polizeivollzug hat Niedersachsen nach Angaben des Innenministeriums noch nie so viele Beamte im Einsatz gehabt wie zurzeit. Die Opposition im Landtag spricht dagegen von nur 18.000 Vollzeitstellen und verlangt eine deutliche Aufstockung. Die Ankündigung von Innenminister Boris Pistorius, zum 1. Oktober 120 Beamte der Bereitschaftspolizei zeitweise in die Fläche zu versetzen, sieht sie kritisch.
„Die Beamten fehlen dann in den Hundertschaften“, sagt Thomas Adasch von der CDU. Auch zusätzliche „Vorratseinstellungen“ von Polizeischülern seien aktuell wenig hilfreich.
Die Polizeigewerkschaften fordern eine landesweite Personalbedarfs-Analyse durch ein unabhängiges Wirtschaftsunternehmen. Für die Verteilung der Beamten an die Inspektionen sind die sieben Polizeidirektionen zuständig. Sie orientieren sich dabei an der Kriminalitätsrate, zu betreuender Bevölkerungszahl und Fläche. gs

„Keine Zeit für Ermittlungen“

Die Polizeigewerkschaften in der Region haben kürzlich eine gemeinsame Stellungnahme veröffentlicht. „Die landesweite Personalverteilung ist nicht sachgerecht“, meinen sie. Die Polizeidirektion Lüneburg, zuständig für acht Landkreise, sei insgesamt unterversorgt. Auch aus anderen Kreisen in diesem Bereich wie Harburg und Lüchow-Dannenberg kämen „alarmierende Berichte“. In Celle wird die Lage als besonders dramatisch geschildert. „Eine reguläre Streifenfahrt findet nicht mehr statt“, heißt es. Die Zeit reiche nur noch für die Einsätze, zu denen die Polizei etwa nach Unfällen gerufen wird. Straftaten würden nur noch verwaltet - „für Ermittlungen ist keine Zeit“. Dabei zeigten die Polizeistatistiken, dass in den letzten Jahren gerade von dieser Polizeiinspektion überdurchschnittlich erfolgreich Straftaten aufgeklärt wurden, wie Guido Jenke vom Bund Deutscher Kriminalbeamter in Celle hervorhebt. „Und im nächsten Jahr gab es dann wieder weniger Leute“, klagt er.

Beamte aus Lüneburg springen ein

Die Polizeidirektion Lüneburg verweist darauf, dass manche Aufgaben, wie etwa der Notruf, inzwischen „losgelöst von Inspektionsgrenzen“ wahrgenommen würden; einige Aufgaben seien in Celle weggefallen. „Eine aktuelle Überprüfung hat keine Hinweise auf eine besondere Belastung der Polizeiinspektion ergeben“, sagt ein Sprecher - was wiederum vor Ort wütende Reaktionen hervorruft.

Freitag kann sich der Innenminister selbst ein Bild verschaffen. Pistorius hat sich kurzfristig entschlossen, die Polizeiinspektion Celle im Rahmen seiner politischen Sommerreise zu besuchen, wie sein Sprecher bestätigt: „Der Minister wird sich mit den Beamtinnen und Beamten informell austauschen.“

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