Volltextsuche über das Angebot:

13 ° / 3 ° Regenschauer

Navigation:
So hat Eckhart Pohl den Sender NDR 1 modernisiert

Radiomacher geht in Ruhestand So hat Eckhart Pohl den Sender NDR 1 modernisiert

„Radio ist schnell, präzise – und man kann Gefühle produzieren“, sagt der Radiomacher Eckhart Pohl. Seit 1992 prägt er den Sender NDR 1. Jetzt geht der Programmdirektor in den Ruhestand und hinterlässt einen modernisierten Sender.

Voriger Artikel
Ermittlungen nach Lungentransplantationen
Nächster Artikel
Grüne wollen Waffen aus Privathäusern verbannen

„Ich habe Demut vor dem Publikum lernen müssen“: Eckhart Pohl geht zum 1. Dezember in den Ruhestand.

Quelle: Eberstein

Hannover. „Früher“, sagt Eckhart Pohl, „hätte ich nicht die geringste Wette darauf abgegeben, dass ich bei einem Schlagersender landen würde.“ Dabei ist er seit 19 Jahren an Bord bei NDR 1 Radio Niedersachsen. Der Wellenchef: Graue Haare, grauer Bart, Hornbrille, kluge Reflexionen über den Medienbetrieb auch ohne Manuskript – auf dem Campus der Universität Oxford hätte Pohl auch eine passable Figur abgegeben.

So hängen an der Wand seines eher nüchternen Büros im Landesfunkhaus Hannover nicht die Wildecker Herzbuben oder Poster von Helene Fischer, sondern Bilder der Satiriker Kurt Tucholsky, Georg Christoph Lichtenberg und Karl Kraus, der Massenmedien überaus kritisch beäugte. „Die ,Fackel‘ von Karl Kraus habe ich zweimal gelesen“, sagt Pohl: „Wenn ich in Rente bin, lese ich sie zum dritten Mal.“ Er wird bald Zeit für „seinen“ Kraus haben, denn zum 1. Dezember geht Pohl in Rente und der Berlin-Reporter Ludger Vielemeier übernimmt seinen Job.

Die Top-5-Songs des NDR 1

Volksmusik und Schlager werden noch gespielt, sind im Programm von NDR 1 Radio Niedersachsen aber längst nicht mehr so präsent wie vor einigen Jahren noch. Nach Angaben des Senders sind folgende fünf Titel die zuletzt meistgespielten Songs im Programm:
Amy MacDonald: This Is the Life
Men At Work: Down Under
Boney M.: Daddy Cool
Manfred Mann: Mighty Quinn
Sarah Connor & Henning Wehland: Bonnie & Clyde

Dem NDR hat der Intellektuelle in der Wellenleitung nicht geschadet. Seit Anfang der Neunzigerjahre steht Radio Niedersachsen, das Spötter einst als „Kuckuckssender“ oder auch als „die klingende Heizdecke vom Maschsee“ bezeichneten, in der Hörergunst ganz vorn. Dabei spielen die klassischen Schlager und die Volksmusik, mit der der Sender startete, heute eine wesentlich geringere Rolle als damals. Dafür hört man Dylan, Beatles, Janis Joplin. Musik aus den Jugendtagen des älteren Publikums.

„Seit 2000 schrumpft die Schlagerklientel, seitdem sind wir in einem ständigen Programm der Modernisierung“, sagt Pohl. Nur wer sich verändere, bleibe bestehen. Die Musikfarbe heute sei „immer noch melodiös“, aber insgesamt wesentlich rhythmischer. Und vor allem wohlkalkuliert. So gibt es eine Feinsteuerung für jeden Tag, morgens eine etwas konservativere Musik als nachmittags. „Menschen benutzen das Radio auch zum Stimmungsmanagement“, sagt ein Hörfunkchef, der sich ganz gut auf die Stimmung von Menschen versteht. Auch das hat er lernen müssen, der vom politischen Journalismus kam. „Ich habe lernen müssen, ein wenig Demut vor dem Publikum zu entwickeln. Wir können nicht ein Radioprogramm machen für eine kleine Schicht der sehr Anspruchsvollen, sondern für die breite Masse.“

Bevor Eckhart Pohl die Demut kennenlernte, hat er schreiben gelernt. Mit 15 Jahren als freier Mitarbeiter der „Einbecker Morgenpost“ und der „Einbecker Presse“. Auch als Student der Germanistik, Anglistik und Kommunikationswissenschaften in Göttingen ist der Lehrersohn stets Reporter geblieben, hat den „Presse- und Informationsdienst“ gegründet. Die Liste seiner journalistischen Stationen ist lang – und eindrucksvoll. Zeitungen, Fernsehen in Hamburg, und immer wieder Radio. Das „Messejournal“ hat er gemacht – und geliebt. Überhaupt das Radio. „Ein wunderbares Medium: schnell, präzise – und man kann Gefühle produzieren“, sagt Pohl.

Lea Rosh hat ihn, der 20 Jahre als freier Journalist gearbeitet hat, 1992 nach Hannover geholt. Da staunten die Hamburger Kollegen, dass da einer nach Hannover geht. „Ich sollte hier die Politikredaktion aufbauen, später kam noch die Wirtschaft hinzu.“ Und als 1997 die damalige Hörfunkchefin Marlis Fertmann zum Fernsehen wechselte, wurde Pohl Programmdirektor. „Da ist man plötzlich mit einem Programm konfrontiert, dass aus Musik, Unterhaltung, Verpackung, ja auch Aroma besteht – und muss sich darauf einstellen.“

Es hat ihm Spaß gemacht, auch zu experimentieren. Etwa, wie weit man mit Comedy gehen kann. Denn NDR 1 sei ein Sender, sagt Pohl, der keinen Spott mit seinem Publikum treibe, stets auf Augenhöhe informiere, unterhalte. Es gebe Radioprogramme, sagt Pohl, der Medienmensch und Medienkritiker, da moderierten die Leute nach Drehbuch. „Das meist missbrauchte Wort im deutschen Radio ist authentisch.“ Die Moderatoren von NDR 1 hingegen, sagt er, seien aus Fleisch und Blut.

Ob er, der Vollblutjournalist, denn keine Angst vor der Rente habe? Nein, sagt der 65-Jährige. „Ich habe noch viele lose Enden in meinem Leben.“ Und Bücher, eine Frau, eine halb fertige Doktorarbeit und noch einen 14-jährigen Sohn im Hause. „Ich habe kein Problem mit Haushalt, koche gern das Mittagessen.“ Und dann wartet noch die „Fackel“ von Karl Kraus.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Der Norden

Finden Sie, dass es momentan zu viele schlechte Nachrichten gibt? Das möchten wir gerne ändern, und zwar mit Ihrer Hilfe. Gemeinsam mit dem NDR, den Kieler Nachrichten, der Ostsee-Zeitung in Rostock und dem Hamburger Abendblatt sammeln wir die guten Nachrichten der Leser und Hörer. Teilnehmer können einen exklusiven Besuch der Elbphilharmonie in Hamburg gewinnen.  mehr

So schön ist Niedersachsen aus der Luft

Von Harz über Heide bis zur Nordsee: Die schönsten Luftaufnahmen von Niedersachsen.

Niedersachsen in Zahlen
  • Landeshauptstadt : Hannover
  • Ministerpräsident: Stephan Weil
  • Fläche : 47.634,90 km²
  • Einwohner : 7,791 Mio
  • Bevölkerungsdichte : 135 Einwohner je km²
  • Letzte Landtagswahl : 20. Januar 2013 
  • Nächste Wahl : 2018
  • Wirtschaft : Firmendatenbank
  • Geographie : Niedersachsen hat im Norden eine natürliche Begrenzung durch die Nordsee, die Unterelbe sowie den unteren Mittellauf der Elbe. Als Enklave vom Landesgebiet umgeben ist das Land Bremen.
  • Berühmte Niedersachsen : Gerhard Schröder, Diane Kruger, Lena Meyer-Landrut, Sigmar Gabriel, Christian Wulff, Otto Waalkes, Mousse T., Klaus Meine
Warnwesten sollen Tauben schützen

Die Tauben von Besitzer Günter Schmidt werden regelmäßig von Wanderfalken bedroht. Jetzt tragen die Tiere Warnwesten.