Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Der Norden Wie Bremen männliche Grundschullehrer lockt
Nachrichten Der Norden Wie Bremen männliche Grundschullehrer lockt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:36 07.09.2017
Kristian Bunte am Schreibtisch in einer Grundschule. Es gibt nicht viele Lehrer die an einer Grundschule arbeiten, er ist im Kollegium der einzige Mann.  Quelle: dpa
Bremen

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes waren im Schuljahr 2015/2016 unter den rund 105 000 Vollzeit-Lehrkräften an Grundschulen gerade mal 17 300 Männer. Das bundesweit einmalige Projekt „Rent a Teacherman“ der Universität Bremen soll das ändern. Es „vermietet“ seit fünf Jahren sozusagen Lehramtsstudenten an männerlose Grundschulen.

Projekt gegen Stereotypen

Die Idee dazu hatte der Erziehungswissenschaftler Christoph Fantini. Viele Kinder würden in der Kita und der Grundschule nicht auf einen einzigen Mann treffen. „Dadurch entstehen sehr stereotype Bilder in ihren Köpfen: Männer sind stark und machen was mit Maschinen. Frauen sind schlau. Deshalb können sie studieren und Lehrerin werden“, sagt Fantini.

An 10 der 17 Bremer Grundschulen ohne männliche Lehrkraft sind seine Studenten im Einsatz. Manche Schulen mussten dafür erst noch eine Herrentoilette einrichten. Die Studenten leiten Sport- oder Theater-AGs, unterstützen die Lehrerinnen und übernehmen den Sexualkundeunterricht für die Jungen. Sobald sie ihren Bachelor haben, dürfen sie an zwei Tagen in der Woche auch alleine vor der Klasse stehen. Zwölf Lehramtsstudenten beschäftigt Fantini zurzeit. „Diese tauchen inzwischen auch auf Kollegiumsfotos auf“, sagt Fantini. Das Bremer Bildungsressort wertet das Projekt ebenfalls als Erfolg und will es weiterhin finanziell unterstützen.

Dass mehr Männer an Grundschulen unterrichten sollten, findet auch Ilka Hoffmann von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. Das Bremer Projekt sieht sie dennoch kritisch. „Ich halte es für problematisch, dass männliche Studierende an Schulen unterrichten dürfen, weibliche dagegen nicht.“ Außerdem greift ihr das Projekt zu kurz. „Es gibt nicht nur das Rollenvorbild Mann. Das Lehrerzimmer muss insgesamt bunter werden.“ Dazu gehörten auch Lehrer mit ausländischen Wurzeln oder Behinderungen.

Uni Hamburg vermittelt Praktika

Auch andere Universitäten wollen mehr Männer für die Grundschulen begeistern. Die Uni Hamburg informiert zum Beispiel Schüler über die Arbeit von Grundschullehrern und vermittelt Praktika. An der Uni Hildesheim gibt es Workshops für Lehramtsstudenten, die für Geschlechterfragen sensibilisieren. „Angehende Lehrer sind Multiplikatoren“, sagt Sabrina Zourelidis vom Gleichstellungsbüro. „Um die Stereotypen zu durchbrechen, setzen wir an der Ausbildung an.“

Kristian Bunte arbeitete drei Jahre lang als „Teacherman“. Seit Anfang dieses Schuljahres ist er Lehrer für Mathe und Naturwissenschaften an einer Grundschule im Bremer Norden. „Ich habe das Gefühl, dass Jungen schneller den Kontakt zu mir suchen. Deshalb habe ich gleich einen Draht zu denen.“ Auch deshalb sind männliche Lehrkräfte nach Ansicht von Fantini so wichtig. Sie sind nicht nur Rollenvorbilder für die Jungen, sondern auch Vertrauenspersonen - mit denen sie über Sexualität sprechen können oder durch die sie sich auf Klassenfahrten aufgehoben fühlen.

dpa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Rolling Stones treten am Sonnabend vor 82.000 Besuchern in Hamburg auf. Schon in den Tagen zuvor halten sich die Rocker in der Hafenstadt auf, und treffen dabei einen alten Bekannten: den Gitarrenspezialisten Thomas Weilbier. 

10.09.2017

Bisher ist der Harz nicht gerade bekannt für schicke Boutique-Hotels und coole Design-Unterkünfte. Doch das soll sich ändern. Investoren planen Unterkünfte, die es so in der Gegen noch nicht gibt und die Gäste von weit her anlocken sollen.

09.09.2017

Niedersachsen und Hamburg wollen die Einrichtung neuer Baustellen besser abstimmen. Dabei solle künftig auch Software helfen, hieß es nach einem Treffen von Niedersachsens Wirtschafts- und Verkehrsminister Olaf Lies und Hamburgs Wirtschafts- und Verkehrssenator Frank Horch in Seevetal (Kreis Harburg).

06.09.2017