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Falsche Polizisten entführen Reeder

Prozessbeginn Falsche Polizisten entführen Reeder

Ein Reeder aus Ostfriesland lässt sich von falschen Polizisten täuschen und wird verschleppt. Die Entführer wollen Lösegeld - und zwar per Überweisung auf ein Bankkonto. Nach 36 Stunden lassen sie den Reeder frei. Nun müssen sich die Entführer vor Gericht verantworten. Unter den Angeklagten: Eine 90-jährige Frau.

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Eine wegen erpresserischen Menschenraubs und besonders schwerer räuberischer Erpressung angeklagte 90-Jährige im Verhandlungssaal im Landgericht von Aurich.

Quelle: dpa

Aurich. Auf einer einsamen Straße in Ostfriesland überholt ein schnelles Auto den Wagen eines Reeders. Der Mann wird mit einer Kelle zum Anhalten aufgefordert. Doch die Verkehrskontrolle ist eine Falle: Als Polizisten verkleidete Kriminelle schaffen es so, den Geschäftsmann aus Leer zu überrumpeln. Sie verschleppen ihn am 19. April dieses Jahres in ein Ferienhaus. Erst nach 36 Stunden kommt der Reeder wieder frei.

Seit Mittwoch nun müssen sich vier Verdächtige wegen der Entführung vor dem Landgericht Aurich verantworten. Die Anklage wirft den 30, 38 und 41 Jahre alten Männern erpresserischen Menschenraub und besonders schwere räuberische Erpressung vor.

400.000 Euro Lösegeld erpresst

Geholfen haben soll ihnen eine 90 Jahre alte Frau aus Iserlohn im Sauerland: Ihr 67 Jahre alter Sohn aus dem Raum Dortmund gilt als Drahtzieher der Entführung. Der Mann soll nach 400.000 Euro Verlust aus einem Geschäft in Saudi Arabien noch eine offene Rechnung mit dem Reeder gehabt haben. Deswegen habe er die Entführung geplant, heißt es zum Motiv für die Tat in der Anklageschrift.

Die 90-jährige Mutter wirkt auf der Anklagebank im Gerichtssaal eher zurückhaltend. Zu den Vorwürfen will sich die alte Frau mit dem schneeweißen Haar nicht einlassen, sie trägt ein Hörgerät und bleibt fast die ganze Zeit still. Beim Prozessauftakt fehlt ihr 67-jähriger Sohn. Er ist derzeit verhandlungsunfähig, der Prozess gegen ihn wird abgetrennt. Auch die drei anderen Angeklagten wollen sich am Mittwoch zu den Vorwürfen nicht äußern. Sie sollen die Entführung vorbereitet und ausgeführt haben.

"Das Opfer litt Todesangst", sagt Staatsanwalt Helge Ommen. Der Reeder wurde mit Handschellen gefesselt und geschlagen. "Die Entführer drohten auch, ihm mit einem Küchenmesser Ohr und andere Körperteile abzuschneiden", sagt der Staatsanwalt. Der Reeder muss einen Schuldschein über eine Million Euro unterschreiben. Sein Geschäftsführer aus der Firma wird genötigt, diese Summe auf ein Bankkonto zu überweisen. Dieses Konto soll die 90-Jährige extra zu diesem Zweck eingerichtet haben.

Der ausgeklügelte Plan geht schief

Bis hierhin läuft für die Entführer alles nach Plan: Sie bekommen per SMS eine Nachricht, die die Geldüberweisung belegen soll. Daraufhin wird der Reeder freigelassen. Eine Polizeistreife entdeckt den Mann nahezu unverletzt am Emstunnel bei Leer an der Autobahn 31. Doch dann macht die Bank die Überweisung rückgängig. Das Geld kommt nicht an, dafür aber die Polizei: Sie verhaftet die Mutter im sauerländischen Iserlohn sowie ihren Sohn und einen weiteren Verdächtigen.

Zwei andere Beteiligte wollen trotz des Fehlschlages nicht aufgeben: Sie drohen dem Entführungsopfer mit Gewalt und fordern erneut Geld, diesmal in bar. Am vereinbarten Treffpunkt in Münster wartet jedoch nur die Polizei und nimmt auch diese beiden fest. Noch nicht gefasst sind drei weitere Verdächtige: Sie sollen ebenfalls in die Entführung verstrickt sein. Die Ermittlungen dazu laufen noch. Das Auricher Landgericht hat für die bis Dezember geplanten Verhandlungen strenge Sicherheitsvorkehrungen getroffen.

Der Prozess wird am 9. November fortgesetzt.

dpa

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