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Der Norden Wer sind die Täter von Salzhemmendorf?
Nachrichten Der Norden Wer sind die Täter von Salzhemmendorf?
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00:15 13.02.2016
Von Karl Doeleke
Die Angeklagten am Mittwoch im Gerichtssaal. Quelle: dpa
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Hannover

Die Staatsanwaltschaft Hannover wirft den beiden 25 und 31 Jahre alten Männern und der 24 Jahre alten Frau gemeinschaftlichen versuchten Mord sowie gefährliche Brandstiftung vor. Noch vor dem Beginn des Prozesses kündigte der Verteidiger von Dennis L. an, dass sein Mandant ein Geständnis ablegen werde. 

Laut Anklage haben sie am 28. August 2015 gegen 2 Uhr morgens einen Brandsatz in das Fenster einer Wohnung im Erdgeschoss eines alten Schulgebäudes in Salzhemmendorf im Kreis Hameln geworfen - zu einer Zeit, als immer mehr Flüchtlinge aus Syrien Schutz vor dem Krieg in ihrer Heimat in Deutschland suchten.

Das Haus bewohnten damals rund 40 Menschen - Deutsche wie Flüchtlinge aus Syrien, Eritrea und Simbabwe, im Erdgeschoss lebte Margret D. aus Simbabwe mit ihren drei Kindern. In dem Zimmer, in das der aus Sägespänen, einer Flasche und Benzin gebastelte Brandsatz flog, schlief normalerweise eines der Kinder - in jener Nacht war der Junge aber im Nachbarzimmer zu seiner Mutter ins Bett gekrochen. Nur durch Zufall und weil Nachbarn schnell die Feuerwehr riefen, wurde niemand verletzt.

Die Tat rief große Empörung in Niedersachsen hervor. "Das was hier geschehen ist, hat bewusst in Kauf genommen, dass Kinder, Frauen und Männer verbrennen können", sagte Ministerpräsident Stefan Weil noch am selben Tag. Er sprach schon damals von versuchtem Mord und der Hoffnung, dass "die Täter einer wirklich harten Bestrafung zugeführt werden". Noch am Abend wurden die drei mutmaßlichen Täter festgenommen. Alle drei machten im Internet keinen Hehl aus ihrer Sympathie für Bands und Protagonisten der rechten Szene. Sie belasteten sich in Vernehmungen zum Teil gegenseitig.

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Unbekannte haben einen Brandanschlag auf eine Wohnung von Asylbewerbern verübt. Ein Molotowcocktail sei in der Nacht zum durch ein Fenster in die Wohnung geworfen worden, teilte die Polizei mit.

Nach Überzeugung der Anklage handelten die drei aus fremdenfeindlicher Gesinnung. Sie haben ihre Beteiligung an der Tat gestanden, äußerten sich bisher jedoch nicht zu ihren Motiven. Darüber dürfte der Prozess vor der 13. Großen Strafkammer des Landgerichts Hannover Auskunft geben. Ein Urteil könnte am 26. Februar gefällt werden.

Margret D. tritt als Nebenklägerin und Zeugin im Prozess auf. Sie war im Oktober 2014 mit ihren drei Kindern nach Salzhemmendorf gekommen. Ihr Mann war in Simbabwe getötet worden, eines der ärmsten Länder der Erde. Das Auswärtige Amt spricht von einer "ausgesprochen schwierigen politischen, wirtschaftlichen und sozialen Lage" in Simbabwe und einem "repressiven Staat". Vertraute beschreiben die 30-Jährige als traumatisiert.

Nach allem, was bisher über die Täter bekannt ist, trafen sich Dennis L. (31), Sascha D. (25) und Saskia B. (24) am Abend vor der Tat im fünf Kilometer entfernten Lauenstein. In einer Garage putschten sich die Männer mit Bier, zwei Flaschen Weinbrand und Rechtsrock der Bands Kategorie C, Sturmwehr und Nordfront auf. Saskia B. trank keinen Alkohol und fuhr die Männer zu der Flüchtlingsunterkunft im Zentrum von Salzhemmendorf.

Dennis L. hat in seiner Vernehmung eingeräumt, den Brandsatz in das Fenster geschleudert zu haben. Er will nicht gewusst haben, dass in dem Haus Flüchtlinge lebten. Zudem will er bewusst das Zimmer gewählt haben, in dem niemand schlief. Ihm sei wegen des vielen Alkohols nicht klar gewesen, dass durch die Tat Menschen hätten sterben können. Dennis L. bestreitet, was Saskia B. über ihn ausgesagt hat: Er habe gesagt, wenn der "Neger" brenne, dann feiere er richtig. Dennis L. und Saskia B. haben die Tat in ihren Vernehmungen beide bereut.

Auch Sascha D. hat seine Beteiligung gestanden. Ihn setzte Saskia B. danach in der Nähe der Freiwilligen Feuerwehr ab. Er nahm am Löscheinsatz teil. D. scheint die stärkste Verquickung mit der rechtsextremen Szene zu haben. Er ist wegen Zeigens des Hitlergrußes vorbestraft und offenbar in der rechten Szene unterwegs.

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