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Angeklagter Staatsanwalt fühlte sich überlastet

Prozessbeginn in Aurich Angeklagter Staatsanwalt fühlte sich überlastet

Ein Oberstaatsanwalt aus Aurich steht seit Montag in eigener Sache vor Gericht, weil er Verfahren nicht bearbeitet haben soll. Er habe sich von seiner Arbeit überlastet gefühlt, berichtet der Angeklagte. Die Akten sollen teils so lange liegen geblieben sein, bis die Taten verjährt waren.

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Der Angeklagte Oberstaatsanwalt Klaus V. (links) spricht mit seinem Anwalt Folkert Adler am vor Prozessbeginn im Landgericht in Aurich.

Quelle: Carmen Jaspersen/dpa

Aurich. Angeklagt ist der Jurist in sieben Fällen wegen Rechtsbeugung. Unter anderem soll er Steuerdelikte, Verfahren wegen leichter Körperverletzungen und Einbruchsdelikte nicht bearbeitet haben.

Der wegen Rechtsbeugung angeklagter Oberstaatsanwalt aus dem ostfriesischen Aurich hat sich von seiner Arbeit offensichtlich überlastet gefühlt. Der Angeklagte berichtete am Montag am Landgericht Aurich detailliert, wie ihm immer mehr Aufgaben übertragen wurden. Der 52-Jährige soll über Jahre hinweg Strafverfahren nicht bearbeitet haben.

Der Jurist soll die Akten von sieben Verfahren so lange liegen gelassen haben, bis die Taten verjährt waren. Ursprünglich waren 24 Fälle von Rechtsbeugung angeklagt. Aufgeflogen war der Oberstaatsanwalt 2014 bei einer Geschäftsprüfung. Der Angeklagte schilderte, wie sein Büro geräumt wurde. Niemand habe mehr mit ihm gesprochen: "Da habe ich den Boden unter den Füßen verloren."

Daraufhin habe er erstmals ärztliche Hilfe gesucht. Er erinnere sich, wie der Arzt zu ihm sagte: "Sie sind schon ziemlich spät gekommen." Seither sei er krankgeschrieben. Zum Schutz seiner Privatsphäre wurde die Öffentlichkeit vom Prozess ausgeschlossen, als er von seiner psychischen Erkrankung und von seinem Familienleben berichten sollte.

Der Angeklagte hatte jahrelang auch als Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Aurich fungiert. 2010 war er zum Oberstaatsanwalt befördert worden. Zu dem Zeitpunkt hatte er laut Anklage bereits Fälle unbearbeitet im Aktenschrank deponiert.

Nach Angaben des Angeklagten wurde schon 2012 erstmals gegen ihn ermittelt. Nachdem er aber Fälle fristgerecht nachgearbeitet habe, sei das Verfahren der Staatsanwaltschaft Osnabrück gegen ihn eingestellt worden.

Für das Strafverfahren musste das Landgericht Aurich erst einen neutralen Richter finden: 4 Richter hatten einen Antrag auf Befangenheit gestellt. Schließlich sprang ein zur Vertretung versetzter Richter ein. Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt.

lni

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