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Der Norden Wer machte Ernst Albrecht zum Ministerpräsidenten?
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00:15 18.01.2016
Von Michael B. Berger
Plötzlich Ministerpräsident: Ernst Albrecht (links) wird überraschend gewählt. Quelle: Foto: dpa (Archiv)
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Hannover

An Dramatik waren die Szenen im Landtag kaum zu übertreffen. Der Sozialminister habe seinen Kopf in beiden Händen vergraben. „Der sonst so beherrschte Mann schluchzte“, notierte Zeitzeuge Hans-Peter Sattler in der HAZ. Und weiter: „Justizminister Hans Schäfer weinte. Finanzminister Helmut Kasimier saß totenbleich in der Abgeordnetenbank.“ Und auf der CDU-Seite fielen sich die Abgeordneten in die Arme und jubelten dem Kollegen Ernst Albrecht zu. Der war wie durch ein Wunder am 15. Januar 1976 zum ersten christdemokratischen Ministerpräsidenten Niedersachsens gewählt worden.

Vor vierzig Jahren hatte im altehrwürdigen Landesparlament die Stunde der Dunkelmänner geschlagen. Denn der frühere Bahlsen-Manager Albrecht hatte eigentlich gar keine Mehrheit. 78 Stimmen brachte die Koalition von SPD und FDP, eine von vielen sozialliberalen Koalitionen, die damals in den Ländern herrschten, offiziell zu Buche, 77 Stimmen die opponierende CDU. Doch als die Wahl des Ministerpräsidenten anstand, konnte der Favorit aus dem Regierungslager, Finanzminister Helmut Kasimier, in zwei Wahlgängen nur 75 Stimmen auf sich ziehen, während Albrecht sogar 78 Stimmen bekam. „Lähmendes Entsetzen“, notiert HAZ-Chronist Sattler, herrschte auf der bisherigen Regierungsbank. Niemand werde wohl je erfahren, was im Favoriten Kasimier innerlich vorgegangen sei, als im Landesparlament Hannover „große Politik“ gemacht worden sei.

Stimmten frustrierte SPD-Mitglieder für Albrecht?

In der Tat ist an diesem Tag in Hannover durch schmutzige auch große Politik gemacht worden, denn mit dem Fall Niedersachsens verlor der sozialdemokratische Bundeskanzler Helmut Schmidt seine Bundesratsmehrheit. Tatsächlich hat bis heute niemand erfahren, wer die drei gewesen sind, die dem SPD-Mann Kasimier die Gefolgschaft verweigerten. Der Finanzminister sollte Alfred Kubel ersetzen, der in der Koalition mit der FDP nach den Landtagswahlen 1974 zwar knapp die Regierungsmacht gesichert hatte, jedoch ein Jahr später aus gesundheitlichen Gründen seinen Rücktritt erklärt hatte. „Ich bin mir ziemlich sicher, dass die U-Boote aus der SPD kamen“, sagt der langjährige Europaabgeordnete und SPD-Forscher Klaus Wettig.

Es spreche viel dafür, dass drei entschiedene Gegner der vorangegangenen Kreisreform umgekippt seien, sagt Wettig, damals Adlatus des mächtigen hannoverschen SPD-Bezirksvorsitzenden Peter von Oertzen. Wettig nennt auch Namen, etwa den des Holzmindener Abgeordneten Reinhold Schultert oder den des Alfelders Wilhelm Hische. Oder Kurt Klay aus Bad Gandersheim, dessen Landkreis Alfeld dem Landkreis Hildesheim zugeschustert wurde. Möglicherweise habe auch die Tatsache, dass vor der Abstimmung schon die Ministerposten verteilt worden waren, zum Frust bei einem Sozialdemokraten geführt. In einem letzten Versuch bot die SPD den damaligen Bundesbauminister Karl Ravens als Albrecht-Gegner auf. Vergeblich, im dritten Wahlgang gab es sogar vier „U-Boote“.

„Es wird immer ungeklärt bleiben, wer sie waren“, meint Walter Hirche, damals noch junger stellvertretender Vorsitzender der FDP-Landtagsfraktion. Von Oertzen habe relativ schnell die „Jagd nach den Abtrünnigen“ abgeblasen. Wettig: „Es war ein Wendepunkt in der Geschichte der Bundesrepublik - und alles wegen der Kreisreform.“

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