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Rätsel um tote Pottwale in der Nordsee gelöst

Walsterben Rätsel um tote Pottwale in der Nordsee gelöst

Das Rätsel um die im Januar und Februar an der Nordseeküste verendeten Pottwale scheint gelöst zu sein. Nach dem Tod von Dutzenden Pottwalen analysierten Kieler Forscher die Mageninhalte der Meeressäuger. Sie glauben, eine Erklärung für das Sterben der Giganten gefunden zu haben: Sie sind ihrer Beute hinterhergeschwommen.

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Auch am Strand von Wangerooge strandeten im Januar Pottwale.

Quelle: Peter Kuchenbuch-Hanken

Kiel. Dieser Pottwal war wohl ein Vielfraß. „Aus seinem Magen haben wir die Schnäbel von etwa 21.000 Tintenfischen gepickt“, sagt Meeresbiologe Uwe Piatkowski vom Kieler Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung. Dieser Mageninhalt entspreche der Biomasse von etwa 4,2 Tonnen Tintenfisch. Nachdem mehrere Dutzend Pottwale an den Küsten der Nordsee gestorben waren, lagern jetzt unzählige Proben in einem Raum des Instituts. Seit Anfang Februar suchen Piatkowski und seine Studenten nach der Ursache für den Tod der Tiere.

Süßlich und faulig riecht es in dem Raum mit Blick auf die Kieler Förde. Hier sortieren die Experten Proben aus 13 Pottwalen, die an der Küste Schleswig-Holsteins verendet waren. Das ist Fummelarbeit und viel Zählerei, die Mägen sind voll mit Tintenfisch-Schnäbeln. Das sind die unverdaulichen Ober- und Unterkiefer von Kalmaren. Kalmare sind mit Abstand die Lieblingsspeise der Pottwale. „Das gleicht fast einer Sisyphusarbeit“, sagt Piatkowski. Insgesamt 110 490 Schnäbel zählten die Forscher. Und sie entdeckten zahlreiche Knochen von Fischen wie dem Seeteufel oder Kabeljau.

Anfang des Jahres waren nach Angaben der Nationalparkverwaltung Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer rund 30 Jungwale in der südlichen Nordsee verendet, darunter 13 an der schleswig-holsteinischen Küste. Aber auch in Niedersachsen, den Niederlanden, in Großbritannien und in Frankreich strandeten Pottwale.

Piatkowski glaubt, dass die heftigen Stürme im Nordostatlantik im Januar die Tiere in die Nordsee geleitet haben. „Diese Stürme haben Wassermassen nach Süden getrieben und damit unter Umständen auch die Beute der Tiere - die Kalmare“, sagt er. „Denen sind die Pottwale offenbar hinterhergeschwommen.“ In den flachen Gewässern der Nordsee gerieten sie dann in Gefahr. „Denn wenn es flacher wird als 50 Meter, haben die Pottwale Probleme mit ihrem Sonarsystem“, sagt der Meeresbiologe. In der Folge drangen sie immer weiter in die südliche Nordsee vor und strandeten im Wattenmeer.

Mitarbeiter der Tierärztlichen Hochschule Hannover zerlegen am Meldorfer Strand die verendeten Pottwale.

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Nach Angaben der Meeresforscher waren die Tiere fit und gut genährt. Sie hatten sich vor allem von vier Tintenfischarten ernährt. „95 Prozent des Mageninhalts gehen auf den Nordischen Köderkalmar und den Europäischen Flugkalmar zurück“, sagt Piatkowski. Beide kommen hauptsächlich in der Norwegischen See, im Barentsmeer und den Gewässern bei Island vor, dem Hauptweidegebiet junger Pottwalbullen. Typisch dafür sind die kleinen schwarzen Schnäbel der Köderkalmare, die Student Philipp Neitzel zu Dutzenden aus der glibbrig-schleimigen Magenprobe zieht. Der 23-Jährige ist seit dem Start des Projekts dabei. „Immer fünf oder sechs Stunden am Tag“, sagt er. An den üblen Geruch gewöhne man sich recht schnell. Denn: „Wann hat man den schon mal die Chance, einen Pottwal-Magen zu sortieren?“

Meeresforscher Piatkowski geht davon aus, dass die im Januar entdeckte erste Gruppe der verendeten Wale bereits in der Norwegischen See ihre letzte Mahlzeit hatte. Aufgrund der Funde in den Mägen sei davon auszugehen, dass sich die Anfang Februar verendeten Wale dagegen etwas länger in der Nordsee aufhielten. „Wir haben in den Mägen teilweise Sand und Schlick aus dem Wattenmeer gefunden“, sagt er. Vermutlich hätten die Tiere ihren Kopf in den sandigen Untergrund gerammt, um Beute aufzuscheuchen.

Von André Klohn

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