Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Der Norden Razzien in Laatzen, Lehrte und Göttingen
Nachrichten Der Norden Razzien in Laatzen, Lehrte und Göttingen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:54 05.12.2017
Nach den G20-Krawallen durchsuchte die Polizei bei einer bundesweiten Aktion unter anderem das Rote Zentrum in Göttingen. Quelle: dpa
Anzeige
Hannover/Göttingen

Wo die Polizei in Laatzen und Lehrte im Einsatz war und ob etwas gefunden wurde, steht noch nicht fest. Auch über die Durchsuchungen in Braunschweig liegen noch keine Informationen vor. Festnahmen gab es dort ebensowenig wie in anderen Städten in Deutschland.

Mit einer großen Zahl an Einsatzkräften durchsuchte die Polizei in Göttingen unter anderem das Rote Zentrum, Lange Geismar-Straße, und ein Privathaus am Düstere-Eichenweg. Sie suchte Beweise dafür, dass die Krawalle beim G20-Gipfel in Hamburg von langer Hand geplant gewesen seien. Die Durchsuchungen wurden von Protesten der Linken und der Grünen Jugend begleitet.

Die Durchsuchung in Göttingen hätte sich nicht gegen die Arbeit des linken Zentrums in Göttingen gerichtet, sondern nur gegen dort wohnende Personen, sagte Soko-Leiter Jan Hieber.

Die Polizei brach nach Augenzeugenberichten am frühen Morgen Haus- und Wohnungstüren mit Rammböcken auf, um ins Innere des Hauses in der Langen Geismarstraße zu gelangen. Dabei sei ein Bewohner verletzt und ins Krankenhaus gebracht worden. Polizeisprecher Ulf Wundrack von der Polizei in Hamburg, die für den bundesweiten Einsatz verantwortlich ist, bestätigte, dass eine Person ins Krankenhaus gebracht worden ist. Er widerspricht aber der Aussage, dass sie durch den Polizeieinsatz verletzt worden sei. „Die Person hat über Atemnot geklagt und ist mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht worden.“

Zur Galerie
Bei einer bundesweiten Aktion hat die Polizei 24 Gebäude in acht Bundesländern durchsucht, um Beweise in Zusammenhang mit den G20-Krawallen zu sichern. In Göttingen wurden drei Objekte durchsucht.

Passanten beschrieben das Verhalten der Beamten am Dienstag als „aggressiv“. „Punkt 6 Uhr“, sei die Polizei angerückt, berichtet ein Anwohner in der Langen Geismarstraße. Dicht an dicht standen die Einsatzwagen ab der Göttinger Stadthalle hinab bis in die Lange Geismarstraße. Nur Anwohner wurden durchgelassen, der Verkehr umgeleitet.

Auch das Haus eines Göttinger Kreistagsabgeordneten war Ziel der Razzia. Dort saß die Familie gegen 6 Uhr beim Frühstück, als rund 25 Polizisten “gegen die Hintertür bollerten”, so der Familienvater. Die Einsatzkräfte stürmten die Wohnung und zeigten anschließend den Durchsuchungsbefehl vor.

Insgesamt 25 Objekte wurden in Deutschland durchsucht, die Ermittlungen richteten sich dabei gegen 22 Beschuldigte. Die Polizei geht davon aus, dass bei den G20-Krawallen in Hamburg der Zug eines sogenannten Schwarzen Blocks durch die Elbchaussee, bei dem es zu brennenden Autos und Sachbeschädigungen kam, vorbereitet gewesen sei. Konkret geht es um Angriffe auf Beamte mit Steinen und Feuerwerkskörpern am Morgen des 7. Juli. Dafür sucht sie nun weitere Belege.  „Demnach gibt es Belege für geheime Depots mit Vermummungsmaterial, schwarzer Kleidung und Pyrotechnik, die Linksautonome systematisch am Rande von Demonstrationsrouten angelegt haben“, so der Sprecher. Solche Vorbereitung ermöglichten es Linksextremen offenbar, sich an den Gipfeltagen in unauffälliger Kleidung und ohne verdächtige Gegenstände durch die Stadt zu bewegen und dem Zugriff der Polizei immer wieder zu entziehen.

Soko-Leiter Hieber sagte dem NDR, dass den Erkenntnissen der Polizei zufolge militante Proteste von erfahrenen Leute angeführt würden, die sich mit der Situation vor Ort auseinandersetzten. Das bedeute auch, „dass die Hamburger Szene speziell Verantwortung getragen hat für Logistik in allen Bereichen, das schließt durchaus auch die militanten ein“.

Die Sonderkommission geht davon aus, dass Hamburger Linksextremisten eine Rolle bei der Anbahnung der Krawalle spielten. Es habe eine monatelange Vorbereitung gegeben, daraus sei ein Netzwerk gebildet worden. „Das sind Kennverhältnisse, die irgendwann auch ein gewisses Vertrauen haben. Wir sprechen hier nicht von einer feststrukturierten und auf Dauer vielleicht in jedem Fall angelegten Struktur, das wäre aus meiner Sicht übertrieben. Aber es ist ein Netzwerk, was auf Zeit geknüpft wird“, so Hieber.

Die Ermittler gehen nach Polizeiangaben davon aus, dass Teile der Ausschreitungen am Rand des G20-Gipfels im Juli dieses Jahres in Hamburg von Linksautonomen gezielt geplant und organisiert wurden. Ziel der Durchsuchungen sei gewesen, Beweise zu sichern und kriminelle Strukturen aufzudecken.

Die Durchsuchungen standen Polizeiangaben zufolge im Zusammenhang mit Ausschreitungen während eines Polizei-Einsatzes im Hamburger Stadtteil Bahrenfeld am Rande des G20-Gipfels. Bundespolizisten gingen damals gegen etwa 200 Demonstranten vor. Die mit Steinen, Werkzeugen und Böllern bewaffnete Gruppe soll eine Hundertschaft angegriffen haben, die die Straße abgesperrt hatte.

In acht Bundesländern hatte die Polizei insgesamt 24 Objekte durchsucht. Das linke Hamburger Kulturzentrum „Rote Flora“ ist bei dem Einsatz am Dienstag nicht durchsucht worden.

Im Zusammenhang mit Plünderungen von Geschäften bei den G20-Krawallen hatte die Polizei bereits am 27. September 14 Objekte in Hamburg und Schleswig-Holstein durchsucht. Damals erklärte Hamburgs Polizeipräsident Ralf Martin Meyer, die Behörden gingen davon aus, am Ende bei rund 3000 Ermittlungsverfahren zu landen. Es läge eine zweistellige Terabyte-Zahl an Daten vor, darunter gut 25.000 Einzelvideos von Polizeibeamten, sagte Hieber.

 

Von Michael Brakemeier/dpa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Auf dem Land gibt es nicht nur einen Ärztemangel, sondern auch ein Apothekensterben. Die Zahl der Apotheken ist in den vergangenen acht Jahren um acht Prozent gesunken – hauptsächlich im Nordwesten Niedersachsens.

05.12.2017

Schwerer Unfall auf einer Kreisstraße zwischen Wolfsburg und Gifhorn: Zwei junge Männer sind bei einem Überhol-Manöver tödlich verunglückt und eine Frau wurde lebensgefährlich verletzt.

05.12.2017

Wohl weil sie ihn abwies hat ein offiziell 17-Jähriger eine junge Frau aus Celle auf offener Straße niedergestochen. Jetzt tauchen Zweifel am wahren Alter das Mannes auf. Die 21-Jährige ist auf dem Weg der Besserung

07.12.2017
Anzeige