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Razzia bei Islamisten in Hildesheim

Stundenlanger Einsatz Razzia bei Islamisten in Hildesheim

Mit einer Razzia ist das Landeskriminalamt (LKA) gegen mutmaßliche Islamisten in Hildesheim vorgegangen. Zwei Ehepaaren wurden die Pässe abgenommen. Sie planten offenbar die Ausreise nach Syrien oder in den Irak, um sich Terrormiliz IS anzuschließen.

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Hildesheim als Hochburg des Islamismus in Niedersachsen? Beamte durchsuchen bei der Razzia auch einen Gully.

Quelle: Abu Ajamieh

Hildesheim. Die Fahnder des LKA durchsuchten Donnerstagmorgen drei Wohnungen in der Hildesheimer Nordstadt und in der Fußgängerzone, um den mutmaßlichen Salafisten die Reisepässe abzunehmen. Nach Einschätzung des LKA wollten die zwei nach islamischem Recht verheiratete Ehepaare nach Syrien oder in den Irak ausreisen, um sich dort der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) anzuschließen. Die Durchsuchungen untermauern die Einschätzung des LKA, dass Hildesheim eine Hochburg des radikalen Islamismus in Niedersachsen ist.

Ein weiteres Mal rückt damit auch die Moschee des Deutschsprachigen Islamkreises in der Nordstadt in den Fokus. „Wir rechnen die Personen, um die es am Donnerstag ging, auf jeden Fall zum Umfeld dieser Moschee“, sagte LKA-Sprecher Frank Federau. Alle vier seien nach Einschätzung der Behörde bisher aber noch nicht im IS-Gebiet gewesen.

Stundenlange Durchsuchungen

Seinen Angaben zufolge hatte das Landeskriminalamt Hinweise bekommen, dass sich die Paare dem IS anschließen wollten. Daraufhin empfahlen sie der Stadt Hildesheim, den vier Personen die Reisepässe abzunehmen. Zwei der Betroffenen rückten ihre Papiere freiwillig heraus. Die beiden anderen weigerten sich, ihre Pässe abzugeben. Deshalb beantragte die Stadt einen Durchsuchungsbeschluss, das Amtsgericht segnete das Ansinnen ab.

Um 8 Uhr stürmten vermummte Einsatzkräfte in die Wohnungen. Zum Teil dauerten die Durchsuchungen stundenlang. Unterdessen tauchten immer mehr junge Männer aus dem Umfeld der nahen Moschee vor dem Haus auf und diskutierten mit den Polizisten - die Stimmung blieb aber friedlich.

Weil ein Passant darauf hinwies, jemand habe etwas in einen Gully geworfen, durchsuchten die Beamten auch diesen Schacht. Doch die Vermutung, einer der mutmaßlichen Salafisten habe seinen Pass dort verstecken wollen, bestätigt sich nicht. Zwei weitere Pässe konnten die Ermittler sicherstellen. Nach Informationen dieser Zeitung hat mindestens einer der Verdächtigen aber eine zweite Staatsbürgerschaft und besitzt damit einen zweiten Pass, den die Polizisten am Donnerstag nicht finden konnten.

Hildesheim im Fokus des LKA

Hildesheim steht schon länger im Fokus des Landeskriminalamtes. Von rund 60 Männern und Frauen, die nach Erkenntnissen der Ermittler bislang aus Niedersachsen ins IS-Gebiet ausgereist sind, kam jeder dritte aus Hildesheim. LKA-Präsident Uwe Kolmey hatte erst vor einigen Wochen bei einer Podiumsdiskussion in Hildesheim den Deutschsprachigen Islamkreis in der Nordstadt kritisiert: Wer sich gegenüber den Behörden derart verschlossen zeige und jeden Dialog verweigere wie die Verantwortlichen dieser Moschee, müsse sich nicht wundern, wenn er besonders beobachtet werde und öffentlich in ein schlechtes Licht gerate.

Dass die Behörden Pässe einziehen, weil sie fürchten, die Betreffenden wollten sich Terrororganisationen im Ausland anschließen, ist selten. Im Vorjahr hat das LKA dies nach eigenen Angaben 20 Mal angeregt, nur in zwölf Fällen kassierten die jeweiligen Kommunen die Papiere tatsächlich ein. In der Regel behalten die Behörden die Pässe sechs bis zwölf Monate ein, die Frist kann aber immer wieder verlängert werden.

Von Tarek Abu Ajamieh

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