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Rentner gräbt Stolperstein gleich zweimal aus

Gedenken an NS-Opfer Rentner gräbt Stolperstein gleich zweimal aus

191 Stolpersteine erinnern in Emden an die Opfer des Nationalsozialismus - doch einem Rentner passt das so gar nicht. Bereits zum zweiten Mal hat er den Stolperstein vor seinem Haus ausgegraben. Der Grund: Er könnte auf ihm ausrutschen.

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"Der Stein vor meinem Eingang ist eine Zumutung", meint ein Rentner aus Emden.

Quelle: AK Stolpersteine Emden

Emden. 191 Stolpersteine erinnern in Emden an die Opfer des Nationalsozialismus – auch an Johann Wilkens, der für die Kommunistische Partei (KPD) warb und 1943 in einer Strafdivision in Tunesien ums Leben kam. Wilkens’ Gedenkstein sorgt nun für besonderes Aufsehen: Bereits zum zweiten Mal wurde der Messingblock ausgegraben – vom Bewohner des Hauses, vor dem der Stolperstein liegt.

„Den Stein direkt vor meinen Eingang zu legen ist eine Zumutung“, sagte Anwohner Hans Bär der HAZ. Auf der glatten Messingplatte könne er ausrutschen. Zudem ärgere er sich, wenn er den Stein sehe – dieser solle schließlich an einen Kommunisten der mittlerweile verbotenen KPD erinnern. „Das ist doch Volksverdummung. Gibt es nicht Wichtigeres?“ Also grub der 73-Jährige den Stolperstein zwei Wochen, nachdem er verlegt worden war, wieder aus und legte ihn noch sichtbar unter seine Hecke.

„Das ist respektlos“, meint Edda Melles vom Arbeitskreis Stolpersteine in Emden. Zuvor war auch in diesem Fall alles wie immer gelaufen: Per Schreiben hatte sie den Anwohner vorab über das Vorhaben informiert, ihm auch eine Biografie des Opfers in den Briefkasten geworfen. Anfang Dezember dann wurde der Stein wie üblich in den Bürgersteig vor den Hauseingang gesetzt.

Nachdem Bär den Stein ausgegraben hatte, habe auch ein Gespräch mit ihm keine Lösung gebracht. Am vergangenen Montag dann wurde der Stolperstein erneut vor den Eingang gesetzt. Dort blieb er zwei Stunden, dann hatte der Rentner ihn wieder ausgebuddelt – und laut Augenzeugenberichten die Rosen der trauernden Angehörigen weggefegt sowie den Stein in seine Auto-Auffahrt eingelassen. „Der sitzt da wunderbar drin.“

Solch ein Verhalten hat Künstler Gunter Demnig, der das Projekt ins Leben gerufen hat, noch nicht erlebt. „Das ist nicht hinnehmbar, schließlich ist das ein Teil der deutschen Geschichte.“ Rentner Bär dagegen spricht von einem „Vorwand für Aufmerksamkeit“.

Rechtlich gehören der Stolperstein und der Bürgersteig, in dem er sitzen sollte, der Stadt Emden. „Wir werden das Gespräch suchen“, kündigt Stadtsprecher Eduard Dinkela an. Derweil zieht Bär Konsequenzen. „Ich baue meinen alten Hauseingang zu und werde künftig über die Auto-Auffahrt gehen.“ So könne der Stolperstein wieder in den Bürgersteig gesetzt werden. Was aber, wenn der Stein dann vor den neuen Eingang kommen soll? „Mal schauen, was dann passiert“, sagt Bär.

Manuel Lauterborn

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