Volltextsuche über das Angebot:

8 ° / 4 ° Sprühregen

Navigation:
Roma droht nach 17 Jahren die Abschiebung

Familien aus Göttingen Roma droht nach 17 Jahren die Abschiebung

Sie leben seit rund 17 Jahren in Göttingen, die meisten ihrer Kinder wurden in Deutschland geboren. Trotzdem sollen zwei Roma-Familien aus dem Kosovo jetzt abgeschoben werden - weil ihnen die Integrationsbereitschaft fehlt, urteilte ein Gericht.

Voriger Artikel
Mann hält Frau und Kinder stundenlang in Auto fest
Nächster Artikel
Einbrecher verwüsten Gymnasium in Hoya

Fehlende Integrationsbereitschaft: Familie aus Göttingen soll abgeschoben werden.

Quelle: dpa

Göttingen. Zwei seit 17 Jahren in Göttingen lebende Roma-Familien müssen mit ihrer Abschiebung in den Kosovo rechnen. Das Verwaltungsgericht in Göttingen lehnte in einer am Mittwoch bekanntgemachten Entscheidung ihre Anträge auf vorläufigen Rechtsschutz ab, mit denen sich die Familien gegen ihre Ausweisung gewehrt hatten (Az: 1 B 318/15 und 1 B 319/15). Betroffen von dem Gerichtsbeschluss sind auch 13 größtenteils in Deutschland geborene Kinder und Jugendliche.

Zahlreiche Göttinger Initiativen und Vereine setzen sich für ein Bleiberecht der Familien ein. Die beiden Roma-Familien hatten in der Vergangenheit keine Asylverfahren betrieben. Ihre Anträge auf Erteilung einer Aufenthaltserlaubnis wurden abgelehnt, zwei Eingaben an die Härtefallkommission des Landtags blieben erfolglos. Die Stadt Göttingen will die zuletzt bis zum 30. November geltenden Duldungen nicht verlängern.

Ihre Anträge auf Abschiebeschutz begründeten die Roma im Wesentlichen damit, dass sie in die Lebensverhältnisse der Bundesrepublik integriert seien. Das Verwaltungsgericht teilt diese Auffassung nicht. Die Antragsteller hätten in Deutschland zu keiner Zeit ihren Lebensunterhalt selbst sicherstellen können. Vorgelegte Arbeitsverträge seien entweder Scheinverträge gewesen oder hätten für unerlaubte Betätigungen bestanden. In seinem Beschluss bemängelt das Gericht weiter, dass die Eltern keine Schul- und Ausbildungsabschlüsse hätten und zum Teil der deutschen Sprache kaum mächtig seien. Es fehle auch an den Grundkenntnissen der Rechts- und Gesellschaftsordnung in Deutschland. Einige Kinder besuchten nicht regelmäßig die Schule, ohne dass die Eltern sie hierzu anhielten. Die Kammer berücksichtigte zudem, dass die Familienväter 2012 wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung zu einer zweijährigen Freiheitsstrafe verurteilt worden seien.

Einer Abschiebung stehe auch die Situation der Roma im Kosovo nicht entgegen. Zwar sei bekannt, dass diese schwierig und von Diskriminierungen geprägt sei. Ein Abschiebungsverbot könne sich aber nach dem Gesetz nur ergeben, wenn die Betroffenen „sehenden Auges in den Tod abgeschoben oder schweren Gesundheitsgefahren ausgesetzt“ würden. Hierfür habe das Gericht keinerlei Anhaltspunkte. Die Antragsteller können gegen die Entscheidung Beschwerde beim Niedersächsischen Oberverwaltungsgericht in Lüneburg einlegen. In der vergangenen Woche hatten rund 150 Menschen mit einer Mahnwache vor dem Verwaltungsgericht gegen eine Abschiebung der Roma demonstriert.

Von Reimar Paul

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Beschwerde des Flüchtlingsrats
Unrechtmäßige Abschiebung? „Sie muss wieder zurückgeholt werden.“

Hannover. Der Flüchtlingsrat hat die Abschiebung einer tschetschenischen Familie aus dem Landkreis Gifhorn als rechtswidrig bezeichnet. Die Familie sei in das Flugzeug gesetzt worden, obwohl das Asylverfahren noch gar nicht abgeschlossen war. Das Innenministerium will den Fall überprüfen.

mehr
Mehr aus Der Norden

Finden Sie, dass es momentan zu viele schlechte Nachrichten gibt? Das möchten wir gerne ändern, und zwar mit Ihrer Hilfe. Gemeinsam mit dem NDR, den Kieler Nachrichten, der Ostsee-Zeitung in Rostock und dem Hamburger Abendblatt sammeln wir die guten Nachrichten der Leser und Hörer. Teilnehmer können einen exklusiven Besuch der Elbphilharmonie in Hamburg gewinnen.  mehr

So schön ist Niedersachsen aus der Luft

Von Harz über Heide bis zur Nordsee: Die schönsten Luftaufnahmen von Niedersachsen.

Niedersachsen in Zahlen
  • Landeshauptstadt : Hannover
  • Ministerpräsident: Stephan Weil
  • Fläche : 47.634,90 km²
  • Einwohner : 7,791 Mio
  • Bevölkerungsdichte : 135 Einwohner je km²
  • Letzte Landtagswahl : 20. Januar 2013 
  • Nächste Wahl : 2018
  • Wirtschaft : Firmendatenbank
  • Geographie : Niedersachsen hat im Norden eine natürliche Begrenzung durch die Nordsee, die Unterelbe sowie den unteren Mittellauf der Elbe. Als Enklave vom Landesgebiet umgeben ist das Land Bremen.
  • Berühmte Niedersachsen : Gerhard Schröder, Diane Kruger, Lena Meyer-Landrut, Sigmar Gabriel, Christian Wulff, Otto Waalkes, Mousse T., Klaus Meine
Harz bereitet sich auf die Wintersaison vor

Im Harz laufen die Vorbereitungen für die Wintersaison.