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"Drachenboot war gestern"

Stehpaddeln erobert den Norden "Drachenboot war gestern"

Stehpaddelboards werden immer beliebter. Seinen Ursprung hat das Stehpaddeln in der Südsee. Polynesische Fischer fuhren so vor Tahiti übers Meer. Erstmals wird am 7. August auf der Hanse Sail in Rostock ein SUP-Rennen über 6 bis 8 Kilometer veranstaltet.

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SUP steht für Stand Up Paddling oder Stehpaddeln: Man steht auf einem etwa 60 Zentimeter breiten und mehr als drei Meter langen Brett und bewegt sich mit einem überlangen Stechpaddel vorwärts.

Quelle: dpa

Klempenow . Lola strahlt, als sie wieder an Land steigt. Der Bikini der 16-Jährigen ist bei ihrer ersten Ausfahrt im Stehpaddeln trocken geblieben. Dabei war sie beim Aufsteigen auf das wacklig scheinende Board in Klempenow (Mecklenburgische Seenplatte) sicher, dass sie sofort in die Tollense fallen würde.

"Es ist einfacher, als ich dachte", sagt die blonde Schülerin aus Leipzig. Das Brett liege stabil auf dem Wasser. "Das ist eine coole Alternative zum Windsurfen, was man auf dem Fluss ja nicht machen kann", sagt Lola Neubert. Jacob Persch, der gleichzeitig mit ihr ein SUP-Board - SUP steht für Stand Up Paddling oder Stehpaddeln - ausprobiert, findet ebenfalls Spaß an dem noch recht jungen Sport. Man steht auf einem etwa 60 Zentimeter breiten und mehr als drei Meter langen Brett und bewegt sich mit einem überlangen Stechpaddel vorwärts. "Allerdings stelle ich mir Windsurfen cooler vor", meint der 16-Jährige.

Herr über die Bretter ist Stephan Büschel. Er betreibt unterhalb der Burg Klempenow an der Tollense eine Kanustation. Seitdem er das Stehpaddeln für sich entdeckte, fahre er kaum noch Kanu, sagt der sportliche 62-Jährige, der seit seiner Kindheit die Sommer im Paddelboot verbrachte. Die Tollense ist ein idyllisches, kurvenreiches Wiesenflüsschen, das in Neubrandenburg beginnt und in Demmin in die Peene mündet. "Ich hatte immer die Idee, dass man auf dem Fluss auch surfen müsste", erzählt er. Windsurfen geht nicht: Das Surfbrett braucht eine zu große Stabilisierungsflosse. Die wäre hinderlich auf einem Fluss mit vielen Wasserpflanzen.

"Mich hat die Vorstellung gereizt, auf einem Brett über dem klaren Wasser zu stehen, in die Tiefe zu gucken und die Fische zu sehen", erzählt er. Sogar einen tauchenden Biber habe er so schon beobachtet. Zudem könne man in die Ferne schauen. Seinen Ursprung hat das Stehpaddeln in der Südsee. Polynesische Fischer fuhren so vor Tahiti übers Meer. Auf Hawai, wo das Surfen erfunden wurde, stellen sich Surflehrer wegen des besseren Überblicks auf das Paddelbrett.  

Ein Dutzend Leihstationen für Stehpaddel-Boards

Stehpaddel-Boards kann man in Mecklenburg-Vorpommern an gut einem Dutzend Orten bei Surfstationen ausleihen, vor allem an der Küste, aber auch im Binnenland. Ähnlich viele Anbieter haben Schleswig- Holstein und Niedersachsen.  

Kein Sport ohne Wettkämpfe: Erstmals wird am 7. August auf der Hanse Sail in Rostock ein SUP-Rennen über 6 bis 8 Kilometer veranstaltet. Am Folgetag gehen Mannschaften aus etwa 15 Firmen aus Rostock und Umgebung beim ersten Teamsport-Cup in Deutschland überhaupt an den Start. Jeweils vier Paddler sind in einer Mannschaft, erläutert der Initiator und Arzt Philip Michel. Sie üben mit drei Trainern der MedPrevio GmbH Rostock, deren Geschäftsführer Michel ist.

Er will das Stehpaddeln als Firmen- und Mannschaftssport etablieren. "Drachenboot war gestern", sagt er provozierend. SUP sei ein Sport, der leicht zu erlernen und wenig verletzungsträchtig sei. Ein 50-jähriger untrainierter Büroangestellter könne sich aufs Brett stellen und lospaddeln. "Das passt zu 100 Prozent", meint er. In Rostock sieht man die Stehpaddler auf der Warnow und ihren Kanälen.

Als weiterer Wettkampf im Norden steht am 4. September auf der Binnen- und Außenalster die erste offene SUP-Meisterschaft Hamburgs in den Disziplinen Sprint und Long Distance auf dem Programm. Berlin war im Juli Austragungsort der Deutschen SUP-Meisterschaften. Michel zufolge gilt SUP als die am stärksten wachsende Trendsportart weltweit. Es würden bereits mehr SUP-Boards als Windsurfbretter verkauft.

Stephan Büschel legte sich im vorigen Jahr die ersten aufblasbaren Bretter zu. Mit elf Kilo Gewicht seien sie zusammengefaltet so groß wie ein Rollkoffer. Man könne gut Tagestouren auf den Brettern unternehmen - ein Netz bietet Platz für Handtuch und Proviant.

dpa

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