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Der Norden "Wir sind keine Brutstätte des Rechtsextremismus"
Nachrichten Der Norden "Wir sind keine Brutstätte des Rechtsextremismus"
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00:28 03.09.2015
Durch den Brandanschlag auf ein Flüchtlingsheim in Salzhemmendorf ist die örtliche Feuerwehr in Erklärungsnot. Quelle: Kreisfeuerwehr Hameln-Pyrmont
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Salzhemmendorf

Anlass für Nachfragen bietet die Tatsache, dass einer der drei Verdächtigen von Salzhemmendorf, der 24-jährige Sascha D., selbst Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr des Ortes war. Der junge Mann sitzt seit Sonnabend in Untersuchungshaft - wie seine mutmaßlichen Komplizen, der 30-jährige Dennis L. und die 23 Jahre alte Saskia B. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass sie den Anschlag in der Nacht zu Freitag ohne Beteiligung von anderen Personen durchgezogen haben.

Facebook-Einträge zeigen Verbindungen zu Rechtsextremen auf

Facebook-Einträge von Mitgliedern der 33 Köpfe starken Feuerwehrkameradschaft könnten Hinweise darauf liefern, dass es ein Netz von Rechtsextremen innerhalb der Feuerwehr gibt. Allerdings verschwand das Profil des Verdächtigen Sascha D. am Montag im Laufe des Tages. Auch der Jugendwart der Feuerwehr ließ seine Facebook-Seite am Montag löschen, nachdem bekannt wurde, dass er über Facebook mit dem Neonazi Andre K. befreundet ist. Bis dahin hatte er dort, genau wie alle drei Verdächtigen, die jetzt wegen versuchten Mordes in Untersuchungshaft sitzen, seine Vorliebe für Rechtsrockbands gezeigt.

Gegen Saskia B. liegen nach Angaben der Polizei bisher keine Erkenntnisse über Verbindungen in die rechtsextreme Szene vor. Doch auch bei ihr findet sich bei Facebook in der „Gefällt mir“-Liste ein Link auf die Fanseite von Hannes Ostendorf. Der Sänger der rechtsextremen Hooliganband Kategorie C wurde 1991 für einen Brandanschlag auf ein Flüchtlingsheim in Bremen verurteilt. Das Faible für den bekannten Hooligan teilt sie mit diversen Personen in ihrer Freundesliste, von denen offenbar auch mehrere Mitglied in der Freiwilligen Feuerwehr sind.

Dennoch tritt Ortsbrandmeister Thomas Hölscher dem Eindruck entgegen, die Feuerwehr sei eine Keimzelle von Rechtsextremen. „Wir fühlen uns als Brutstätte des Rechtsextremismus verunglimpft, das sind unsere Feuerwehrkameraden definitiv nicht“, sagt Hölscher, der im Zivilberuf Kämmerer des Ortes ist. Er sei „aus allen Wolken gefallen“, als er erfahren habe, dass Sascha D. einer der drei Verdächtigen des Brandanschlags gewesen sei.

Nach Probezeit wieder aufgenommen

Am Montag hatten Hölscher und der Bürgermeister des Ortes, Clemens Pommerening, in einer Pressemitteilung eingeräumt, dass Sascha D. lange vor dem Anschlag in Salzhemmendorf straffällig geworden war - und dennoch wieder in die Feuerwehr durfte. Er habe seinerzeit Container angezündet. „Er war einige Zeit - zwei, drei Jahre - bei uns raus und hat beteuert, er habe seine Lehren aus der Sache gezogen“, sagte Hölscher der HAZ. „Dann haben wir ihn nach einer einjährigen Probezeit wieder aufgenommen.“ Er selbst habe um seine Wiederaufnahme gebeten. „Und da das auch ein Akt der Integration ist, haben wir ihn aufgenommen.“

Der Ortsbrandmeister betont, dass die Feuerwehr am Ort eine „Art Schmelztiegel“ sei. Anzeichen für Rechtsradikalismus, die er durchaus deuten könne, habe er nicht wahrgenommen. Auch Bürgermeister Pommerening äußert sich ähnlich. Er betonte gestern erneut, dass es in seinem Ort keine aktive rechtsradikale Szene gebe. „Natürlich gibt es bei uns auch Leute mit Glatzen und Springerstiefeln, aber das ist durch die Meinungsfreiheit gedeckt.“

Nach den erfolgreichen Festnahmen arbeitet die 30-köpfige Sonderkommission der Hamelner Polizeiinspektion mit Hochdruck weiter. „Wir werden die Geschehnisse weiter aufhellen“, sagt Polizeichef Ralf Leopold der HAZ. Er bestätigte, dass seine Beamten am Sonnabend weitere Hausdurchsuchungen gemacht haben. Man erhalte jetzt auch einige Hinweise über rechte Kontakte. „Wenn das aus einer rechten Szene heraus geschehen wäre, wäre das fatal.“ Dafür gebe es aber noch keine Belege.

Von Michael B. Berger, Jörn Kießler und Christian Zett

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