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Schiffslotsen sitzen an der Deutschen Bucht im Funkloch

Frachter in Gefahr Schiffslotsen sitzen an der Deutschen Bucht im Funkloch

In der Deutschen Bucht gibt es bei Hochdruckwetter flächendeckende Funknetzprobleme: An Elbe-, Weser- und auch der Emsmündung haben die Schiffslotsen regelmäßig keinen Mobilfunk-Empfang. Noch ist kein Unfall wegen des ausfallenden Mobilfunks bekannt, doch die Politik sieht Handlungsbedarf.

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Schiffe in der Elbe werden von Lotsen gesteuert - doch das Mobilfunknetz fällt oft aus. 

Quelle: Marcus Brandt

Hamburg. Die Containerschiffe gleiten zielstrebig durch die Fluten der Elbe. Sechs Kolosse wollen geordnet, schnell und vor allem sicher in den Hamburger Hafen einlaufen.

Zugleich warten Dutzende Schiffe draußen in der Deutschen Bucht auf Einlass. Das bedeutet Stress - vor allem für die Lotsen, die den Schiffen den Weg durch die schmale Fahrrinne weisen müssen. Wenn dann die Technik versagt, kann es richtig eng werden. An Elbe-, Weser- und auch der Emsmündung haben die Lotsen regelmäßig keinen Mobilfunk-Empfang.

Nach Angaben des Chefs der Elblotsen in Hamburg, Ben Lodemann, sind die Netzprobleme in der Deutschen Bucht bei Hochdruckwetter flächendeckend. Mithilfe des mobilen Datenfunks verschaffen sich Lotsen normalerweise per Laptop einen Überblick über nahende Schiffe, Routen und Wasserstand. Gibt es Absprachebedarf, rufen sie im Hafenbüro an. Auch entlang der Weser gebe es mehrere Mobilfunklöcher, sagt der Chef der Lotsenbrüderschaft Weser 2/Jade in Bremerhaven, Ältermann Jörn Haase. Das gelte auch für den Nord-Ostsee-Kanal, sagt Stefan Borowski von den dortigen Lotsen.

Dazu kommt: Der schiffseigene Funk reiche auf der Elbe nicht von der Mündung bis zum Hamburger Hafen, sagt Lodemann. Auch die Telekom sieht das Netzabdeckungsproblem: „Mobilfunk, so wie er heute in Deutschland gebaut wird, kann die großen Entfernungen über Wasserflächen in der Deutschen Bucht nicht bedienen“, erklärt eine Sprecherin.

"Stille Post" als Alternative

Den Lotsen bleibe als Alternative oft nur die „stille Post“, so Lodemann: Sie funken ihr Stationsschiff an, das ruft bei der Lotsenzentrale an, die wiederum ruft beim Hafenbetriebsbüro an, und von dort nimmt die Information den gleichen Weg zurück. „Wir fahren das ganze System momentan aus dem Bauch heraus“, so Lodemann kürzlich im niedersächsischen Unterausschuss Häfen und Schifffahrt.

Unfälle wegen ausfallenden Mobilfunks sind dem deutschen Havariekommando und der Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung nicht bekannt. Dennoch hat die Politik in Niedersachsen das Thema für sich entdeckt. Der hafenpolitische Sprecher der SPD, Uwe Santjer, sagte schon Mitte April in der Plenarsitzung, es gehe um Leib und Leben von Besatzung, Passagieren und Uferbewohnern. Das niedersächsische Wirtschaftsministerium will die Funklöcher laut einer Sprecherin beim Hafendialog der deutschen Küstenländer ansprechen.

Wie wird es weitergehen? Die Lotsen ärgerten sich schon jahrelang über die Hürden der Bürokratie, sagt Lodemann. Nach einer Schiffskollision von 2011 im Nord-Ostsee-Kanal seien zwar Verstärkungsantennen auf den Deich gesetzt worden. Aber diese seien nicht in Betrieb gegangen, weil sich niemand bereitgefunden habe, sie mit Strom zu versorgen.

von Fabian May

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