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Der Norden Schon Kita-Kinder fallen wegen Islamismus auf
Nachrichten Der Norden Schon Kita-Kinder fallen wegen Islamismus auf
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00:15 14.04.2017
„Dynamik der Szene“: Landesweit sollen jetzt die Kräfte im Kampf gegen den Islamismus gebündelt werden - unter Federführung des Verfassungsschutzes und des Landeskriminalamts. Foto: dpa Quelle: Britta Pedersen
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Hannover

Razzien, Festnahmen und ein Vereinsverbot: Verstärkt gehen die Behörden in Niedersachsen gegen radikale Islamisten vor. Zugleich aber werden große Anstrengungen bei der Prävention unternommen. Mit Erfolg, denn zwei Jahre nach dem Start muss die Präventionsstelle gegen islamistische Radikalisierung in Niedersachsen wegen der Vielzahl von Beratungsfällen erneut aufgestockt werden. Auch bei den muslimischen Verbänden, die an der Beratungsstelle beteiligt sind, hat die Wachsamkeit gegenüber radikalen Tendenzen zugenommen. Im Rahmen eines neuen Aussteigerprogramms des Verfassungsschutzes werden zudem bereits mehrere junge Männer beim Weg aus der salafistischen Szene begleitet.

Eltern radikalisieren ihre Kinder

„Im Moment haben wir ein hohes Fallaufkommen“, sagt der Leiter der Präventionsstelle, Christian Hantel, in Hannover. Derzeit kümmern sich die Experten um rund 100 radikalisierungsgefährdete junge Menschen. Die Zahl der Mitarbeiter der landesweit tätigen Beratungsstelle werde in Kürze um zwei auf dann insgesamt acht erhöht.

Inzwischen beschäftige die zweite Generation der Salafisten die Experten. Dabei handele es sich um die Kinder radikalisierter Eltern, die teils bereits in der Grundschule oder selbst im Kindergarten verhaltensauffällig werden.

Die Mehrzahl der radikalisierten jungen Leute ist zwischen zwölf und 30 Jahre alt, wie Hantel erläutert. Die bis 18-Jährigen machen 40 Prozent der Fälle aus, 42 Prozent sind zwischen 19 und 24 Jahre alt. Der Frauenanteil bewegt sich seit Längerem zwischen 22 und 28 Prozent, wobei die Radikalisierung bei jungen Frauen oft sehr unauffällig über das Internet verläuft. Etwa die Hälfte der Betroffenen hat einen muslimischen Familienhintergrund.

Das Auftreten der Sicherheitsbehörden lasse die Szene nicht unbeeindruckt, meint Hantel. Die Verhaftung des auch in Hildesheim aktiven Hasspredigers Abu Walaa im November, der als salafistischer Chefideologe und mutmaßlicher Unterstützer der Terrormiliz „Islamischer Staat“ in Deutschland gilt, habe Relevanz. Denn die Dynamik in der Szene sei auch personengebunden. Auch die Verurteilung von Mitwissern islamistischer Umtriebe, wie etwa im Fall der IS-Messer­angreiferin Safia S., bremse Extremisten aus.

„Moscheen sind wachsamer“

„Wir sind total ausgelastet, wir haben viel zu tun“, sagt auch Emine Oguz, Vorsitzende des Vereins für jugend- und familienpädagogische Beratung Niedersachsen, der Träger der Beratungsstelle ist. Die Beratungsstelle platze aus allen Nähten, zugleich sei aber ein gutes Netzwerk aufgebaut worden. Auch die Moscheegemeinden, in denen sich radikale Anwerber in der Vergangenheit mitunter unbemerkt unter die gewöhnlichen Besucher mischten, seien wachsamer geworden, betont Oguz, die zugleich stellvertretende Landesvorsitzende des türkischen Moscheeverbandes Ditib ist. „Man guckt jetzt stärker auf Leute, die man vorher noch nicht gesehen hat oder die nicht aus dem Herkunftsland der Besucher kommen.“

Aufmerksam seien die Moscheegemeinden auch nach dem Verbot des „Deutschsprachigen Islamkreis Hildesheim“ und der dazugehörigen Moschee, sagte Oguz. Möglicherweise wichen einige der radikalen Besucher nun auf andere Moscheen im Umkreis aus. An Brennpunkten der islamistischen Szene ist verstärkt auch die Präventionsstelle Politisch Motivierte Kriminalität (PPMK) des Landeskriminalamtes aktiv, sagt LKA-Experte Andreas Schwegel. Schulen, Jugendhilfe- und Flüchtlingseinrichtungen fragten häufig die Beratungsangebote der Präventionsstelle an, um mehr über Radikalisierungsprozesse zu erfahren.

Landesweit ist unterdessen eine „Kompetenzstelle Islamismusprävention“ unter Federführung des Verfassungsschutzes und des LKA im Aufbau. Das Ziel sei, die Kräfte zu bündeln, so Schwegel. „Wir stellen fest, dass die Auslastung der Akteure hoch ist, es gibt viel Info-Bedarf.“

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