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Schon wieder muss ein Haus abgerissen werden

Auf Salz gebaut Schon wieder muss ein Haus abgerissen werden

Unter der Stadt Lüneburg liegt ein Salzstock, der dafür verantwortlich ist, dass sich der Boden absenkt. Nun muss in der Stadt bereits das dritte Haus innerhalb weniger Jahre abgerissen werden.

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„Es besteht höchste Einsturzgefahr“: In Lüneburgs Altstadt müssen immer wieder Häuser abgerissen werden.

Quelle: Carolin George

Lüneburg. Schon wieder steht in Lüneburg ein historisches Haus kurz vor dem Einsturz. Erst vor wenigen Jahren hat die Stadt zwei Gründerzeitvillen in der Altstadt abreißen lassen. Sie standen so schief, dass nach den Einschätzungen von Statikern das Leben der Bewohner bedroht war. Jetzt ist das nächste Gebäude dran. Ein Biedermeierhaus von 1830 ist nicht mehr zu retten. Heute beginnt der Abbruch.

Kein Einzelfall

Das hell verputzte Fachwerkhaus ist kein Einzelfall für abbruchreife Häuser in Lüneburgs Altstadt. Schiefe Mauern, krumme Balken - was sich romantisch anhört und so typisch für Hunderte Lüneburger Häuser ist, kann auch gefährlich werden. Diese Gefahr haben die Lüneburger selbst heraufbeschworen. Unter ihrer Stadt liegt ein Salzstock, mehr als 1000 Jahre lang pumpten die Bürger Sole aus dem Untergrund. Das machte sie einst reich und mächtig. Den Tribut zahlen sie bis heute. Der Boden rund um den Stock senkt sich, weil Grundwasser Salz und Gips löst, Hohlräume entstehen und die Erde nachrutscht.

Der Boden in der Altstadt sackt ab, jedes Jahr. An manchen Stellen bloß um einige Millimeter, an anderen um die Länge eines Unterarms. Die mächtigen Säulen der 600 Jahre alten St. Michaeliskirche in Lüneburgs westlicher Altstadt sind über die Jahre um 70 Zentimeter aus dem Lot geraten.

Lebensgefahr 

„Lebensgefahr. Einsturzgefahr. Betreten verboten“ steht darum auch auf einem gelben Warnschild neben dem alten Fachwerkhaus, dem nun der Abriss droht. Hinter einer Scheibe hängt ein Zettel des Friseurs, der im Erdgeschoss noch im Dezember die Haare vieler Lüneburger schnitt. „Wir bedanken uns bei unseren langjährigen Kunden.“

Plante der Eigentümer des Denkmals Ende vergangenen Jahres noch eine umfangreiche Restaurierung, stießen die Fachleute bei ersten Arbeiten auf so massive Schäden, dass schnell klar wurde: Ein Erhalt des Hauses ist unmöglich. „Das Gebäude hat sich zur Straße hin um circa 60 Zentimeter geneigt, sodass höchste Einsturzgefahr besteht“, sagte ein Statiker dem NDR. Theoretisch hätte es schon zusammengebrochen sein müssen.

Konzept für Rückbau

Anstelle von Sicherung und Sanierung arbeiteten Stadt und Eigentümer daher ein Konzept für den Rückbau aus. Und das ist komplex. „Es mussten Grundwassermessstellen gesetzt werden, um mögliche Veränderungen des Grundwasserpegels dokumentieren zu können. Das ist Teil der Beweissicherung“, erklärt Stadtsprecherin Suzanne Moenck.

„Die Ursachenforschung ist abgeschlossen. Hier handelt es sich um ein Zusammenspiel aus der Bausubstanz, einer leichten Senkung und einem weichen Untergrund durch aufsteigendes Grundwasser oder eine Quelle.“ Die Stadt rechnet jedoch nicht damit, dass in der Umgebung demnächst weitere Häuser abgerissen werden müssen. „Dafür gibt es keinerlei Anlass. Hier handelt es sich um einen Einzelfall.“

Entsteht dort ein Neubau?

Ob auf dem demnächst leeren Grundstück an der Egersdorffstraße zwischen Rathaus und Frommestraße ein Neubau entstehen soll, ist offen. Bevor es dazu eine Antwort gibt, stehen laut Stadtverwaltung zunächst genaue hydrogeologische Untersuchungen an.

Von Carolin George

Gründerzeithäuser wurden abgerissen

Nur wenige Hundert Meter von der aktuellen Abbruchstelle entfernt mussten vor vier Jahren zwei mehrstöckige Wohnhäuser aus der Gründerzeit abgetragen werden. Gutachter hatten die Standfähigkeit der Häuser an der Frommestraße infrage gestellt.

Bis heute liegt das Grundstück brach, eine Genehmigung für einen Neubau ist nicht zu erwarten. Zu stark schlagen die Messinstrumente aus, zu sehr senkt sich der Untergrund an der Frommestraße. Es gibt einen Messpunkt, der innerhalb von fünf Jahren um 78,5 Zentimeter abgesackt ist. Abschließend erklären konnte sich den Sprung niemand, und Werte für die Zukunft prognostizieren mag heute in Lüneburg niemand mehr.     

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