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Der Norden Schüler bewerten Lehrer am Handy
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00:24 06.07.2015
Von Kristian Teetz
 „Kein Kontrolltool“:  der ehemalige Lehrer Sebastian Waack hat die App „Edkimo“ entwickelt. Quelle: Privat
Lüneburg

Die Schüler schauen nicht zur Tafel, sondern tippen auf ihrem Smartphone herum. Eigentlich wird das im Unterricht nicht gern gesehen. Aber Lehrerin Katinka Baren-Friedrich hat ihre Klasse dazu aufgefordert. Die Jungen und Mädchen sollen den Unterricht von Baren-Friedrich bewerten, die am Gymnasium Oedeme in Lüneburg unterrichtet. Mit der App „Edkimo“, einer Anwendungssoftware für Mobilgeräte, die an der Uni Lüneburg entwickelt wurde, geht das schnell und spielerisch.

„Unser Kollegium testet die App gerade“, sagt die Lehrerin. Die Schulen seien ja sowieso angehalten, jährlich eine interne Evaluation durchzuführen. Dieser Fragebogen sei nun in die App eingearbeitet worden. Dazu gehören Fragen wie: Findet Ihr die Leistungsbewertung gerecht? Ist der Unterrichtsstoff zu schwer?

Sie halte das Projekt für absolut sinnvoll, sagt Baren-Friedrich. „Wir Lehrer können auf diese Weise gut nachvollziehen, ob die Schüler dem Unterricht gut folgen können oder ob er ihnen zu schwer war.“ Nach jeder Stunde halte sie ein Feedback zwar nicht für sinnvoll. Aber in regelmäßigen Abständen sei es sehr gut denkbar. „Wichtig ist vor allem, dass sich ein Gespräch mit den Schülern über die Bewertung anschließt“, sagt die Lehrerin für Politik und Englisch. Sie finde, es sei bedeutend, an den Schulen eine Feedback-Kultur zu etablieren.

Der Entwickler: ein Lehrer

Das ist auch der Ansatz von Sebastian Waack. Der ehemalige Lehrer hat „Edkimo“ am Gamification Lab der Leuphana-Universität Lüneburg entwickelt. „Edkimo“ solle helfen, den „Unterricht aus Sicht der Lernenden wahrzunehmen“, sagt Waack. Er betont, dass die App „kein Kontrolltool für Lehrer sein soll“. Es gehe nicht darum, die Pädagogen zu benoten, „sondern um das Feedback und die anschließenden Diskussionen“. Es sei zudem wichtig, dass die Lehrer immer freiwillig an der Bewertung teilnehmen. Schließlich gebe es auch Lehrkräfte, die ein solches Verfahren ablehnten – etwa, weil sie es als Kontrolle empfänden. Den Schülern soll die Teilnahme durch spielerische Elemente erleichtert werden.
Die Idee zu seinem Programm hatte Waack in seinem eigenen Unterricht in Berlin. „Wir Lehrer werden in der Ausbildung oft beobachtet und bewertet“, sagt Waack. „Aber danach werden wir mit unserem Unterricht alleinegelassen.“ Er ist sich sicher, dass das Feedback der Schüler in den meisten Fällen die Berufszufriedenheit der Lehrer steigert.

Aber auch die Zufriedenheit der Schüler wächst nach Waacks Beobachtungen, wenn sie um ihre Meinung zum Unterricht gefragt werden. „Sie fühlen sich dann ernst genommen.“ Die App gewährleistet, dass die Schüler anonym bleiben. Wichtig für die Lehrer: Die Ergebnisse bleiben für den Schulleiter und andere Kollegen verborgen.

Sebastian Waack hat seinen Lehrerberuf aufgegeben und widmet sich nun ganz der Vermarktung seines Produkts. Die Leuphana-Universität Lüneburg unterstützt das Start-up ein Jahr lang. „Wir versuchen jetzt, ins Gespräch mit den Schulen zu kommen“, sagt Waack. Einen Euro pro Schüler und Schuljahr soll die Lizenz für „Edkimo“ kosten. Ein paar Partner aus dem Bildungsbereich hat er bereits gefunden. Nun hofft er auf weiteres positives Feedback.

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Kristian Teetz 06.07.2015