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Der Norden Schützenverein stellt illegal Nachweise aus
Nachrichten Der Norden Schützenverein stellt illegal Nachweise aus
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11:32 21.05.2016
Für den Besitz von Schusswaffen und Munition benötigt man in Deutschland eine sogenannte Grüne Waffenbesitzkarte.   Quelle: dpa/Symbolfoto
Hameln

Der Vorwurf ist schwerwiegend, und er bringt eine gesamte Szene in Misskredit, die es in der öffentlichen Wahrnehmung ohnehin nicht immer einfach hat: die Schützen. Wie kommt man normalerweise in Niedersachsen an so eine Karte? Fragen und Antworten zum Erwerb von Waffen:

Welche Berechtigungen gibt es?
Es wird getrennt nach Waffenschein und Waffenbesitzkarte. Ein Schütze mit  Waffenschein darf seine Waffe öffentlich tragen und transportieren. Eine Waffenbesitzkarte dagegen erlaubt nur den Kauf, das Aufbewahren zu Hause in einem gesicherten Waffenschrank und den Transport der ungeladenen Waffe.

Wer erteilt diese Berechtigungen?
107 sogenannte Waffenbehörden dürfen in Niedersachsen Waffenbesitzkarten ausstellen und Sachkundenachweise abnehmen. In Hannover und zwölf Umlandkommunen übernimmt das Ordnungsamt diese Aufgabe, in neun Kommunen ist die Region dafür zuständig. Wie viele Waffenbesitzkarten in Hannover derzeit vergeben sind, konnte die Stadt gestern nicht sagen. „Aber wir beobachten in diesem Jahr einen Anstieg der Anträge“, sagte Verwaltungssprecher Alexis Demos.

Wie bekommt man eine Waffenbesitzkarte?
Wer eine Waffenbesitzkarte beantragt, muss mehrere Voraussetzungen erfüllen. Er muss volljährig sein, ein sauberes polizeiliches Führungszeugnis vorlegen können, körperlich und geistig für  das Schießen geeignet sein, ein nachvollziehbares Bedürfnis für den Besitz einer Waffe geltend machen können. Und er muss eine Sachkundeprüfung bestehen. Dabei kommt es häufig vor, dass die Anwärter durch die komplexe Prüfung aus Theorie- und Praxisaufgaben fallen.

Wer nimmt die Prüfung ab?
Die Prüfung bieten Schützenvereine und -verbände an, meist zu festen Terminen. Dabei ist neben zwei Vereinsmitgliedern auch ein Prüfer der Waffenbehörde anwesend. Doch es ist – wie im Hamelner Fall – durchaus üblich, dass die Waffenbehörde die Prüfberechtigung auf ein Mitglied eines Schützenvereins überträgt. Wenn im Frühjahr und im Herbst die Prüflinge des Schützenvereins Langenforth in Langenhagen ihre Kenntnisse unter Beweis stellen müssen, sitzen sie zwei Referenten für Waffenrecht und Sachkunde aus Neustadt und der Wedemark gegenüber. Der dritte Prüfer kommt jedoch nicht vom Ordnungsamt, sondern vom Deutschen Schützenbund. „Weil wir im Deutschen Schützenbund Mitglied sind, können wir deren vom Amt beauftragte Prüfer nutzen“, sagt Vereinsvorsitzender Michael Freiberg. Die Waffenbehörden verschaffen sich mit solchen Regelungen Luft, denn die Sachkundeprüfungen werden meist an Wochenenden abgehalten. Der Hamelner Verein soll allerdings nicht Mitglied des Deutschen Schützenbundes sein.

Wer darf die Prüfung ablegen?
Wer beim Verein Langenforth eine Waffenbesitzkarte beantragen will, muss Zeit mitbringen. „Nur Mitglieder, die seit zwölf Monaten im Verein sind und mindestens 18-mal am Training teilgenommen haben, kommen überhaupt infrage“, sagt Freiberg. Denn der Verein muss dem Ordnungsamt bestätigen, dass der Antragsteller Erfahrung an der Waffe gesammelt hat. Dazu muss der Bedarf nachgewiesen werden, bei Vereinsschützen ist das die Teilnahme am Schießsport. Und schließlich will das Ordnungsamt wissen, wie die Waffe künftig verwahrt wird. „Das Langenhagener Ordnungsamt kontrolliert das auch regelmäßig, schon mehrere Vereinsmitglieder haben Besuch bekommen“, sagt Freiberg.

Was kann man mit einer Waffenbesitzkarte tun?
Ist die Waffenbesitzkarte ausgestellt, kann der Besitzer damit nur die vom Ordnungsamt eingetragene Waffe und die dazugehörige Munition kaufen. Massenkäufe bei freier Auswahl im Waffenladen sollen so unmöglich gemacht werden.

Isabel Christian

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