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Der Norden Hamelner Schützenverein handelt mit Waffenlizenzen
Nachrichten Der Norden Hamelner Schützenverein handelt mit Waffenlizenzen
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00:15 22.05.2016
Von Karl Doeleke
Ein Schützenverein soll gegen Bezahlung zu Waffenbesitzkarten verholfen haben. Nun ermittelt die Polizei. Quelle: Jens Büttner/dpa (Symbolbild)
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Hameln

Die Staatsanwaltschaft Hannover ließ am Donnerstagmorgen bundesweit beinahe 100 Wohnungen und Räume durchsuchen, darunter auch die Anlage des Hamelner Vereins an der Autobahn  2 im Kreis Schaumburg. Einer der Beschuldigten wurde am Nachmittag vom Amtsgericht Hannover wegen Fluchtgefahr in Untersuchungshaft genommen, wie die Hannoversche Oberstaatsanwältin Kathrin Söfker auf Anfrage erklärte. Vincenzo B. wird Bestechlichkeit in einem besonders schweren Fall vorgeworfen. B. ist Ehrenpräsident, Kassenwart und Betreiber des Vereinslokals in Hameln.

Vincenzo B. hatte Komplizen, laut Söfker allesamt „Verantwortliche des Vereins“. Gegen vierstellige Summen sollen die Beschuldigten im großen Stil sogenannte Sachkundenachweise ausgestellt haben. Dafür muss man eigentlich eine umfangreichere Prüfung ablegen. Die Sachkunde ist eine der Voraussetzungen, um eine Waffenbesitzkarte zu beantragen – die wiederum braucht man, um eine großkalibrige Waffe erwerben zu können.

Bestechung und illegaler Waffenbesitz im großen Stil

Die Beschuldigten müssen ein weit verzweigtes Kundennetz aufgebaut haben. Beamte durchsuchten neben Gebäuden in Niedersachsen auch Räume in Hamburg, Berlin, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Bayern. „Dabei wurden auch Waffen sichergestellt“, sagte Söfker der HAZ. Der Schwerpunkt der Razzien lag jedoch im Großraum Hannover. Beamte der Polizeidirektion Hannover durchsuchten Gebäude in der Umgebung von Hameln, aber auch in Hannover und der Region. Eine Regionssprecherin erklärte am Donnerstag, der Hamelner Verein sei der Waffenbehörde der Region bekannt. „Wir können aber nicht nachvollziehen, wie viele Antragssteller einen Sachkundenachweis von dort vorgelegt haben.“ Es gibt laut Oberstaatsanwältin Söfker bundesweit etwa 100 Beschuldigte – ganz überwiegend die Abnehmer der Sachkundenachweise. Ihnen wird Bestechung und illegaler Waffenbesitz vorgeworfen.

Wie die Staatsanwaltschaft den Vereinsoberen auf die Spur gekommen ist, wollte Söfker nicht sagen. Die Beschuldigten müssen sich wegen Falschbeurkundung und Bestechlichkeit in einem besonders schweren Fall verantworten, weil sie aus Sicht der Staatsanwaltschaft gewerbsmäßig handelten. Ihnen droht mindestens ein Jahr Gefängnis.

Wegen Bestechlichkeit wird ermittelt, weil die Beschuldigten quasi hoheitliche Aufgaben übernommen hatten. „Die Verantwortlichen des Vereins hatten von den Behörden die Befugnis übertragen bekommen, die Sachkundeprüfung abzunehmen“, erklärte Söfker. So blieb ihr Treiben auch unentdeckt: Die Prüfung wird normalerweise von einer dreiköpfigen Kommission abgenommen, in der auch Vertreter der Waffenbehörde sitzen. Hier bestand sie nur aus Vereinsmitgliedern.

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