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Der Norden Rektoren haben Bürokratie satt
Nachrichten Der Norden Rektoren haben Bürokratie satt
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00:15 26.10.2013
Von Saskia Döhner
Belastet wie ein Manager: Vor rund 500 Schulleitern aus ganz Niedersachsen warb Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) bei der Herbsttagung des Schulleitungsverbandes Niedersachsen in Celle für ihre Bildungsoffensive. Quelle: Holger Hollemann
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Celle

Laut der Studie des Wissenschaftlers  von der Pädagogischen Hochschule im Schweizer Zug fühlen sich 16 Prozent der Schulleiter sehr belastet, jeweils 42 Prozent fühlen sich mittel oder wenig belastet. „Das entspricht einem klassischen Managerberuf“, sagte der Wissenschaftler am Mittwoch bei der Jahrestagung des niedersächsischen Schulleitungsverbandes in Celle. „Die Belastung ist weniger als in der Pflege, aber mehr als bei einem Landarbeiter.“

Als besonders stressig würden unbeliebte bürokratische Tätigkeiten empfunden, sagte Huber, während das Unterrichten und die Zusammenarbeit mit dem Kollegium den Schulleitern besonders viel Spaß mache. Aber leider fresse Verwaltung und Organisation knapp ein Drittel der Arbeitszeit eines Schulleiters. Niedersächsische Direktoren hat der Schweizer Professor für seine Untersuchung nicht befragt, sondern Kollegen aus Thüringen, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen. Dennoch belegten der zustimmende Applaus und das wiederholte Kopfnicken der rund 500 Teilnehmer der Tagung, dass Huber ihnen aus der Seele sprach.

Was erwarten Sie vom Land?

Schulleitungsverbandsvorsitzende Brigitte Naber nannte es „Arbeit bis an die Grenze der Belastbarkeit und manchmal auch darüber hinaus“. Angesichts der Aufgabenfülle und der nicht gerade üppigen Besoldung für die Leitung kleiner Grundschulen („fünf Prozent mehr als ein normales Lehrergehalt für 45 Prozent mehr Arbeit“) sei es nicht verwunderlich, dass die Bewerber für offene Stellen fehlten. Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) sagte, bei zurückgehenden Schülerzahlen müsse über die Zukunft von Mini-Grundschulen neu nachgedacht werden. Ähnlich äußerte sich auch Naber. Ein Leiter für zwei oder gar drei Schulen sei jedenfalls keine Lösung: „Das heißt, täglich 40 Kilometer fahren, die doppelte oder dreifache Anzahl von Gesamtkonferenzen, Schulvorstandssitzungen und Elterngesprächen ohne einen finanziellen Ausgleich.“
Immer wieder ist es die hohe Unterrichtsverpflichtung, über die Schulleiter klagen. Ihnen fehle die Zeit, Schule auch wirklich zu leiten. „Vormittags stehe ich im Klassenzimmer“, sagte eine Grundschulleiterin am Rande der Tagung, „mit unserer Sekretärin oder Mitarbeitern der Landesschulbehörde kann ich dann nicht sprechen, wenn ich mit dem Unterricht fertig bin, erreiche ich niemanden mehr. Ich spreche auf Anrufbeantworter, am nächsten Morgen kommen die Rückrufe, und ich bin wieder im Unterricht.“ Ein Rektor beschwerte sich über mangelnde Unterstützung durch die Schulbehörde und „tägliche E-Mail mit 20 bis 80 Seiten Anhang“. „Und wenn man etwas nicht sofort erledige, kämen Ermahnungen“, sagte eine andere.

Wenig Verständnis haben viele Leiter von Haupt-, Real-, Gesamt- und Grundschulen für den „Klassenfahrtboykott“ vor allem hannoverscher Gymnasien, mit denen die Lehrer gegen die Erhöhung ihrer Unterrichtsverpflichtung protestieren: „Das geht zulasten der Schüler, das ist unfair“, hieß es. Zudem würden sich die Pädagogen auch ins eigene Fleisch schneiden, wenn sie gemeinsame Erlebnisse mit den Schülern, seien es Fahrten, Theaterbesuche oder Konzerte, absagten.
Schulleiter müssen nach Aussage von Bildungsforscher Huber vor allem flexibel sein bei der Planung ihrer Arbeitszeit: „Jeder zweite Tag wird anders als geplant, am Besten lässt man sich genug Raum für Überraschungen.“

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