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"Gorch Fock" wird generalüberholt

Segelschulschiff "Gorch Fock" wird generalüberholt

Das Segelschulschiff „Gorch Fock“ wird sieben Monate lang generalüberholt und fit gemacht für die nächsten Ausbildungstörns. Doch in der Zwischenzeit geht der soldatische Alltag im Hafen weiter.

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„Das Schiff der Bundesrepublik“: Die sonst so prächtige „Gorch Fock“ wird in der Werft auseinandergenommen.

Quelle: Hagemann

Elsfleth. Nackt und unscheinbar liegt er am Huntekai, der sonst so prächtige Großsegler. „Sieht ein bisschen traurig aus“, sagt Hauptleutnant Thomas Miatke. Wären da nicht der golden schimmernde Albatros am Bug und die drei hohen Masten, die „Gorch Fock“ wäre am Kai der Elsflether Werft kaum zu erkennen. In der Wesermarsch hat die große Instandsetzung begonnen, die sieben Monate dauern soll. Die Takelage ist fast abgebaut. Doch für rund 70 Marineangehörige – mehr als die Hälfte der Stammbesatzung – geht fern der Weltmeere das soldatische Bordleben weiter. Sie helfen den Schlossern und Schiffbauern der Werft bei der Überholung.

Gorch Fock

Baujahr: 1958
Werft: Blohm & Voss, Hamburg
Länge über alles: 89,3 Meter
Höhe Großmast über Wasserlinie: 45,3 Meter
Hilfsmotor: Sechs-Zylinder-Diesel-Antrieb (1690 PS)
Geschwindigkeit: 13,7 Knoten

Auf Dreimonatsreise war die „Gorch Fock“, die nach Atlantiküberquerungen Häfen wie New York und Acapulco ansteuert, zuletzt im Herbst von Irland bis Spanien. Die Bordroutine gilt überall. „Stillgestanden“ heißt es morgens und mittags nun in Elsfleth, allerdings an Deck eines Wohnschiffs direkt neben dem Dreimaster. Auf der windgeschützten Seite treten pünktlich nach dem Mittagessen um 12.30 Uhr die knapp 50 Mann des Ausbildungsabschnitts 300 in dunkelblauer Arbeitsuniform zur Musterung an. Offizier Miatke verteilt an die Segelcrew Steigeberechtigungsblätter. Maxi Krell aus Brandenburg ist seit April 2015 dabei. Die 20-Jährige darf sich „Hauptgefreiter“ nennen und fühlt sich, wie sie sagt, „super aufgenommen zwischen den ganzen Jungs“ und 16 anderen Frauen. In Elsfleth war sie am Abschlagen der Segel und Arbeiten mit der Flex ebenso beteiligt wie am Einräumen der Spülmaschine. Auf den gut 45 Meter hohen Hauptmast klettern darf sie dagegen noch nicht. „Ich bin noch nicht fit genug“, erzählt die Kadettin bedauernd.

Dass die Marine inzwischen regelmäßig die sportliche Leistungsfähigkeit ihrer Offiziersanwärter überprüft, ist eine Reaktion auf einen Unfall im November 2010. Damals war eine 25-Jährige bei einer Kletterübung aus der Takelage zu Tode gestürzt. Danach entbrannte eine heftige Diskussion um angeblich sehr harte Lehrmethoden und einen rüden Umgangston an Bord der „Gorch Fock“. Zwei Jahre lang wurde das Segelschulschiff aus dem Ausbildungsprogramm herausgenommen, an Bord blieb nur die Stammbesatzung. Klettern üben die angehenden Offiziere inzwischen zunächst an einem Mast an der Marineschule in Flensburg. Seit 2012 ist das Segelschulschiff, unter neuer Führung, jedoch wieder Pflichtstation.

Die Gorch-Fock, das bekannteste Segelschulschiff der deutschen Marine, wird in der Elsflether Werft instand gesetzt.

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Auch in militärisch hoch technisierten Zeiten, lautet die Begründung, lasse sich auf dem von Wind und Wetter abhängigen Großsegler die Bedeutung des Teams am besten erfahren. „Die ungewohnte Enge und der Mangel an Komfort erziehen zu Kameradschaft und Rücksichtnahme“, ergänzt ein Sprecher. Eng ist es auf der „Gorch Fock“ in der Tat: Nur Kommandant und Erster Offizier schlafen in Einzelkabinen. Je zwei Ausbilder teilen sich sechs Quadratmeter. Kadetten entrollen Nacht für Nacht ihre Hängematten in nach Dienstschichten aufgeteilten Gemeinschaftsschlafsälen, auf zwei Ebenen schlafen je zwei übereinander. Daneben nehmen sich die schmalen Kojen im Elsflether Wohnschiff wie Luxus aus.

Auch harte Arbeit gehört zum Programm. „Wir wollen die Leute unter Belastung sehen“, sagt Elmar Bornkessel, der Erste Offizier, bei Erbsensuppe und Bockwurst in der Offiziersmesse. Angestrebt sei Perfektion, ergänzt der 39-Jährige, der das hellblaue Hemd mit „Gorch Fock“-Aufnäher gern auch mal stolz im Supermarkt trägt: „Wir sind das Schiff der Bundesrepublik Deutschland.“ Sein fünfjähriger Sohn habe den Segler gerade in seinem Memory-Spiel als eines von 42 Symbolen Deutschlands wiedererkannt – neben dem Brandenburger Tor und dem Kölner Dom; früher habe die Bark den Zehn-Mark-Schein geschmückt. So sei es auch wichtig, als Vertreter der „Gorch Fock“ stets mit glänzend geputzten Schuhen an Land zu gehen und an Bord immer wieder jeden Messingknopf zu polieren.

Während der Instandsetzung sind Messing und Teakholz von schützenden Spanplatten verdeckt. Für die Offiziersanwärter ist weniger zu tun als sonst. Da passt es gut, dass seit Januar eine neue Arbeitszeitverordnung gilt, die als Ausgleich für Bereitschaftsdienst zusätzliche Heimfahrten vorsieht. Ein Teil der Besatzung nimmt spontan Bornkessels Angebot an, ein paar Tage Resturlaub zu nehmen. Mit den Häfen in New York, Acapulco oder auch Hamburg kann der „Brummi-Treff“, in Elsfleth wegen seines Grilltellers beliebtestes Ziel der Kadetten, dann doch nicht mithalten.

Loch rein, Motoren raus: Die Wartung

Alle fünf Jahre wird die „Gorch Fock“ auseinandergenommen und von Grund auf überholt, dazwischen gibt es weitere technische Inspektionen. Zurzeit wird das Getriebe der Dreimastbark Stück für Stück ausgebaut, der Antriebsmotor wird über einen Parallelschacht direkt am Schornstein an Land gehievt. Das dauert rund zwei Wochen, dann wird der Motor zur Überprüfung zum Hersteller nach Augsburg geschickt.

Strom wird auf See von drei Elektrodieselmotoren erzeugt. Um sie an Land zu schaffen, wird eigens ein Loch in die Stahlwand des Schiffsrumpfs geschnitten und später wieder zugeschweißt. Gleichzeitig wird das gesamte Schiff einschließlich aller Rohre auf Roststellen überprüft. Für die Unterbodenarbeiten wird die „Gorch Fock“ kommende Woche ins Dock nach Bremerhaven geschleppt. Die Funkanlage wird modernisiert. Die Küche wird so umgebaut, dass Wellenbewegungen künftig besser ausgeglichen werden. Eine große Rolle spielt auch der Brandschutz, hierzu wird unter anderem der Staub entlang der Leitungen entfernt. Eine Brandschutzübung in Elsfleth ist zufriedenstellend verlaufen. Die Kollision des Bugs mit einer Kaimauer in Wilhelmshaven Ende November hat nach Angaben des Schiffstechnischen Ingenieurs nur einen Lackschaden hinterlassen.

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